Freiwillig Mitarbeitende oder freiwillige Mitarbeitende

Frage

In einem Protokoll lese ich häufig folgende Formulierungen:

freiwillige Mitarbeitende
ehrenamtliche Mitarbeitende

Mein Sprachgefühl sagt mir, dass es besser so heißen müsste:

freiwillig Mitarbeitende
ehrenamtlich Mitarbeitende

Hingegen scheint mir klar zu sein, dass es „freiwillige Mitarbeiter“ bzw. „ehrenamtliche Mitarbeiter“ heißen würde. Weshalb aber in meinen Ohren die „freiwilligen Mitarbeitenden“ falsch tönen, kann ich nicht wirklich begründen. Können Sie weiterhelfen?

Antwort

Guten Tag Herr A.,

beide Formulierungen sind möglich. Was ist der Unterschied?

Das Wort Mitarbeitende ist ein substantiviertes Partizip. Substantivierte Partizipien können mit den gleichen Erweiterungen stehen wie das Verb, zu dem sie gehören:

– freiwillig mitarbeiten
– freiwillig mitarbeitende Menschen
– die freiwillig Mitarbeitenden

Ebenso zum Beispiel:

ehrenamtlich mitarbeiten → die ehrenamtlich Mitarbeitenden
defensiv anlegen → die defensiv Anlegenden
geduldig warten → die geduldig Wartenden
auf den Bus warten → die auf den Bus Wartenden

Hier wird jeweils eine ganze Partizipialgruppe (Partizip zusammen mit seinen Erweiterungen) substantiviert.

Man kann aber auch nur das Partizip substantivieren und erst dann ein Adjektiv davorstellen. Das Adjektiv wird dann gebeugt:

mitarbeiten → die Mitarbeitenden → die freiwilligen Mitarbeitenden
mitarbeiten → die Mitarbeitenden → die ehrenamtlichen Mitarbeitenden
anlegen → die Anlegenden → die defensiven Anlegenden
warten → die Wartenden → die geduldigen Wartenden

Man geht hier gleich vor wie bei anderen von Verben abgeleiteten Substantiven:

mitarbeiten → die Mitarbeiter → die freiwilligen Mitarbeiter
mitarbeiten → die Mitarbeiterin → die freiwillige Mitarbeiterin
anlegen → die Anlegerin → die defensive Anlegerin
Bus benutzen → der Busbenutzer → der geduldige Busbenutzer

Gerade bei Mitarbeitende ist dies nicht unüblich, wahrscheinlich weil Mitarbeitende häufig statt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder Mitarbeiter*innen steht. Stilistisch gefällt mir – wie offenbar Ihnen auch – die Variante mit dem ungebeugten Adjektiv häufig besser. Ich würde die freiwillig Mitarbeitenden wählen, aber die freiwilligen Mitarbeitenden ist wie die freiwilligen Mitarbeiter nicht falsch.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Bindestriche in Zusammensetzungen mit Anführungszeichen oder Kursivierung: der „Jugend und Bewegung“-Unterricht

Frage

Bei meiner Frage handelt es sich um die Nutzung von Bindestrichen bei hervorgehobenen Wortgruppen. Laut Duden ist eine komplette Durchkoppelung mit Bindestrichen ja nicht nötig, wenn Teile des Begriffs in Anführungszeichen stehen, z. B. die »25 Jahre CCI«-Feier.

Wenn nun in einem Text ein fester Begriff durch Kursivierung hervorgehoben ist (z. B. das Unterrichtsfach Sport und Bewegung), würde diese Regelung auch mit kursiv geschriebenen Begriffen gehen (der Sport und Bewegung-Unterricht) oder müsste hier komplett mit Bindestrichen geschrieben werden (der Sport-und-Bewegung-Unterricht)?

Antwort

Guten Tag Frau B.,

wenn man die Angaben in der Dudenregel D26 wörtlich nimmt, kann die Durchkoppelung nur bei Anführungszeichen unterlassen werden. Von anderen Kennzeichnungen wie der Kursivierung wird nichts gesagt.

Die Dudenangabe stützt sich auf § 79(2) der Rechtschreibregelung. Dort steht dazu:

[…] Erwähnte Ausdrücke sind formal autonom und in sich abgeschlossen. In Fällen wie die dritte „Game of Thrones“-Staffel oder der „Staatliche Schulen testen Einheitskleidung“-Artikel werden die Bestandteile des angeführten Ausdrucks deshalb nicht mit dem Bindestrich durchgekoppelt.

§ 79 behandelt die Anführungszeichen und auch die Beispiele sind mit Anführungszeichen. Das würde heißen, dass die Nichtdurchkoppelung nur bei der Verwendung von Anführungszeichen gilt.

Ebenfalls in § 79(2) steht weiter unten allerdings auch:

Um Werktitel zu markieren, sind auch andere Auszeichnungen möglich (z. B. Kursivierung oder Fettung).

Ob das Nichtdurchkoppeln auch hier gilt, wird nicht erwähnt. Im Rechtschreibduden wird bei den Anführungszeichen (D6 u. D7) erwähnt, dass Zitate und Werktitel auch durch Kursivierung gekennzeichnet werden können. Bei der Duchkoppelung steht aber nichts darüber.

Man hat hier also eine gewisse Interpretationsfreiheit. Ich würde sagen, dass man – wenn konsequent durch Kursivierung statt mit Anführungszeichen gekennzeichnet wird – auch dann nicht durchkoppelt:

die dritte „Game of Thrones“-Staffel
die dritte Game of Thrones-Staffel

der „Staatliche Schulen testen Einheitskleidung“-Artikel
der Staatliche Schulen testen Einheitskleidung-Artikel

der „Jugend und Bewegung“-Unterricht
der Jugend und Bewegung-Unterricht

Ich finde solche Wortbildungen allerdings stilistisch ziemlich unschön. Viel besser sind meiner Meinung nach häufig Formulierungen wie diese:

die dritte Staffel von „Game of Thrones“
die dritte Staffel von Game of Thrones

der Artikel „Staatliche Schulen testen Einheitskleidung“
der Artikel Staatliche Schulen testen Einheitskleidung

der Unterricht „Jugend und Bewegung“
der Unterricht im Fach „Jugend und Bewegung“
der Unterricht Jugend und Bewegung
der Unterricht im Fach Jugend und Bewegung

So vermeidet man nicht nur die Frage nach der Durchkoppelung, sondern auch eher unschöne Wortungetüme.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Ohne Kennzeichnung sollte durchgekoppelt werden:

die dritte Game-of-Thrones-Staffel
der Sport-und-Bewegung-Unterricht

Von irgendwo nach nirgendwo und von Irgendwo nach Nirgendwo

Frage

Es geht „von nirgendwo nach nirgendwo“. Ist das eine Substantivierung, also „von Irgendwo nach Nirgendwo“? Es handelt sich um eine Geschichte:

„Ich suche das Land Nirgendwo“, sagte der Junge.

Hier schreibt man „Nirgendwo“ groß, das ist klar. Aber eine andere, gebildete Person erwidert in der Geschichte:

„Ich will auch dorthin. Ich komme von Irgendwo und möchte nach Nirgendwo. Und woher kommst du?“
„Auch von Irgendwo.“

Dann geht der Text so weiter:

So gingen die beiden weiter – von Irgendwo nach Nirgendwo.

Es ist kein Phantasieroman oder Märchen, sondern spielt in einer realen Zeit. Der Junge glaubt an das Land Nirgendwo, die andere Person weiß, dass es diesen Ort nicht gibt. Schreibe ich hier groß oder klein?

Antwort

Guten Tag Frau G.,

im Prinzip schreibt man diese Adverbien klein:

von irgendwo nach nirgendwo
Sie gingen von irgendwo nach nirgendwo.

Wenn man allerdings einen fiktiven Ort meint, der den Namen Nirgendwo oder Irgendwo trägt, schreibt man groß*:

der Ort Irgendwo im Land Nirgendwo

Ihr Rechtschreibproblem entsteht dadurch, dass in diesem Fall mit zwei Bedeutungen gespielt wird: einerseits das Land Nirgendwo und vielleicht auch der Ort Irgendwo, andererseits gleichzeitig die unbestimmten Ortsadverbien nirgendwo und irgendwo.

Wenn es das Land Nirgendwo nicht gibt, liegt es nirgendwo. Der Ort Irgendwo liegt irgendwo. Im Text, um den es Ihnen geht, wird offenbar mit dieser Zweideutigkeit gespielt. Entsprechend wären beide Schreibweisen gleichzeitig die beste Lösung. Während man die Zweideutigkeit in der gesprochenen Sprache bestehen lassen kann, ist dies in der geschriebenen Sprache aber nicht möglich. Eine Lösung könnte sein, den Jungen Ortsnamen und die andere Person Adverbien verwenden zu lassen:

„Ich möchte in das Land Nirgendwo.“
„Ich will auch dorthin. Ich komme von irgendwo und möchte nach nirgendwo. Und woher kommst Du?“
„Auch von Irgendwo.“ (o. ggf. „Auch von irgendwo.“)

So gingen die beiden weiter – von irgendwo nach Nirgendwo.

Damit könnten Sie versuchen, die Einstellung und das Wissen der jeweils sprechenden Person zum Ausdruck zu bringen. Das ist aber nicht die einzig mögliche Lösung. Es gibt keine Regel, die hier eine eindeutige Entscheidung erlaubt. Es liegt an Ihnen, wie Sie mit dieser Zweideutigkeit schriftlich umgehen oder eben damit spielen möchten. Die „optimale“ Lösung gibt es meiner Meinung nach nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

* Ebenfalls großgeschrieben nach Artikelwörtern u. Ä.:

aus dem Irgendwo ins Nirgendwo

Bin ich kein Lehrer oder bin ich nicht Lehrer?

Frage

Welcher Satz ist richtig?

Ich bin nicht Lehrer.
Ich bin kein Lehrer.

Antwort

Guten Tag Frau J.,

beide Sätze sind richtig. Üblicherweise verneint man ein Substantiv mit kein (nicht ein):

ein Lehrer – kein Lehrer

In Sätzen, in denen ein Substantiv ohne Artikel mit sein, werden, bleiben u. a. steht (Gleichsetzungsnominativ), ist häufig auch die Verneinung mit nicht möglich. Man verneint dann Lehrer sein:

Lehrer sein – nicht Lehrer sein

Häufig sind beide Formulierungen möglich, ohne dass sich die Bedeutung wesentlich ändert:

Ich bin ein Bäcker – Ich bin kein Bäcker
Ich bin Bäcker – Ich bin nicht Bäcker

Ich bin eine Lehrerin – Ich bin keine Lehrerin.
Ich bin Lehrerin – Ich bin nicht Lehrerin.

In vielen Fällen kann man deshalb beides sagen:

– Sind Sie Lehrerin?
– Nein, ich bin keine Lehrerin.
– Nein, ich bin nicht Lehrerin.

– Bist du Italiener?
– Nein, ich bin kein Italiener.
– Nein, ich bin nicht Italiener.

Das gilt insbesondere bei Gegenüberstellungen dieser Art:

Ich bin kein Bäcker, sondern [ein] Konditor.
Ich bin nicht Bäcker, sondern Konditor.

Wir sind keine Freunde, sondern Familie
Wir sind nicht Freunde, sondern Familie.

Ich bin keine Deutsche, ich bin [eine] Schweizerin.
Ich bin nicht Deutsche, ich bin Schweizerin.

Man hört zwar manchmal, dass hier nur kein/keine richtig sei, aber wer keine Lehrerin ist, kann auch sagen, dass sie nicht Lehrerin ist, ohne dabei einen Grammatikfehler zu begehen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wer war zuerst, die Azubine oder die Azubiene?

Frage

Laut Duden kommen „Azubine“ und „Azubiene“ von „Biene“ (das ist für beide Schreibweisen angegeben, was freilich einer Unachtsamkeit geschuldet sein kann), laut dem Neologismenwörterbuch (OWID) ist „Azubine“ in der Variante „Azubiene“ hingegen umgedeutet.

Tatsächlich kommt „Azubine“ (mit „-ine“ wie in „Blondine“) ja häufiger vor, andererseits habe ich mit Google Books die älteste Belegstelle für „Azubiene“ gefunden (1978): „Wer will, mag daraus ja auch ,die Azubiene’ machen. Sie merken, an solchen Stellen wird der Wert von Abkürzungen wieder fraglich.“

Was meinen Sie dazu? […]

Antwort

Guten Tag Herr P.,

das eine schließt das andere nicht aus. Bei der Bildung von Azubi(e)ne können sowohl die Zusammenziehung von Azubi und Biene als auch die Ableitung mit -ine eine Rolle gespielt haben. Azubi(e)ne klingt wie Biene, gleichzeitig aber auch wie eine weibliche Ableitung mit -ine (Karoline, Pauline, Blondine, Cousine usw.). Diese beiden Interpretationen können einander verstärken, ganz gleich welche Ableitungsart als erste erfolgt. Dass beide Schreibweisen vorkommen, zeigt, dass beides eine Rolle spielt.

Es ist kaum möglich, festzustellen, welche Ableitungsart diesem umgangssprachlichen Wort zugrunde liegt oder ob beide gleichzeitig wirkten. Ich finde, dass die Angabe in Duden viel zu wenig berücksichtigt, dass auch das Suffix -ine eine wichtige Rolle spielt.

Es ist gar nicht notwendig, eine weibliche Form zur Abkürzung Azubi zu bilden, weil Azubi ja wie der/die Auszubildende sowohl männlich als auch weiblich sein kann: der Azubi, die Azubi. Wenn man dennoch eine weibliche Form bilden will, liegt vor allem die Ableitung mit -in nahe: die Azubin/die Azubinnen. Diese Formen kommen auch vor, haben sich aber kaum durchgesetzt. Scherzhaft kann man auch in Anlehnung an Fremdwörter zum Beispiel Azubesse, Azubette, Azubeuse und eben Azubine bilden. Dass von diesen (möglichen) scherzhaften Bildungen Azubine „gewonnen“ hat, liegt vielleicht am i, das erhalten bleibt, und an der klanglichen Übereinstimmung mit einer Kontraktion mit Biene.

Wie dem auch sei, wer Azubi(e)ne überhaupt verwenden will, sollte sicher sein, dass es scherzhaft gemeint ist und vor allem auch so verstanden wird. Es entsteht sonst schnell der Eindruck, dass man weibliche Auszubildende weniger ernst nimmt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Groß oder klein? Wenn der oberste Gerichtshof Oberster Gerichtshof heißt

Frage

In den Medien lese ich „oberstes Gericht“, „Oberster Gerichtshof“ der USA (Supreme Court) mal mit kleinem o, mal mit großen O. Die amerikanische Demokratische Partei würde ich selbstverständlich mit großem D schreiben, denn das ist ja die direkte Übersetzung, aber „oberst“ ist nicht die exakte Übersetzung von „Supreme“, weswegen ich dazu tendieren würde, den Supreme Court mit „oberster Gerichtshof“ zu übersetzen. Was meinen Sie?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

ob man oberster Gerichtshof oder Oberster Gerichtshof schreibt, hängt davon ab, ob man über eine gewisse Art Institution schreibt (den obersten Gerichtshof) oder ob man den Namen einer bestimmten Institution meint (den Obersten Gerichtshof).

Der Supreme Court der USA in Washington heißt in deutscher Übersetzung Oberster Gerichtshof der USA (man kann supreme hier „einfach“ mit oberste übersetzen). Es ist der Name des obersten, das heißt des höchsten, in letzter Instanz urteilenden Gerichtes der Vereinigten Staaten. Sich in Wortspielen verlierend könnte man sagen, dass der Oberste Gerichtshof der oberste Gerichtshof oder das oberste Gericht des Landes ist.

Es ist auch nicht der einzige oberste Gerichtshof. So gibt es auf der Ebene der einzelnen Bundesstaaten zum Beispiel den Obersten Gerichtshof von Kalifornien (Supreme Court of California), den Obersten Gerichtshof von Texas (Supreme Court of Texas) und in vielen anderen US-Bundesstaaten oberste Gerichte (state supreme courts), die den Namen Oberster Gerichtshof tragen. Wie Sie richtig erwähnen, heißt das höchste oder oberste Gericht Österreichs ebenfalls Oberster Gerichtshof (OGH). Name und Funktion sind hier jeweils bis auf den Anfangsbuchstaben des Adjektivs identisch.

Vor ein paar Tagen hat also der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten (Supreme Court of the United States) als oberstes Gericht dieses Landes die Zollentscheidungen des Präsidenten „gekippt“.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Groß oder klein: von aus zu an / von Aus zu An?

Frage

Würden Sie in der folgenden Formulierung „an“ und „aus“ groß- oder kleinschreiben?

Von Aus zu An: Forschende haben beobachtet, wie sich Medikamente mit Licht umschalten lassen.

Falls Kleinschreibung, dann könnte man ja vielleicht auch „an“ und „aus“ auch in Anführungszeichen setzen, um es zu betonen:

Von „aus“ zu „an“: Forschende haben beobachtet, wie sich Medikamente mit Licht umschalten lassen.

Antwort

Guten Tag Herr H.,

hier würde ich die Kleinschreibung wählen, und zwar ohne Anführungszeichen:

Von aus zu an: Forschende haben beobachtet, wie sich Medikamente mit Licht umschalten lassen.

Es steht nach meiner Interpretation kurz für von aus sein zu an sein. Aber auch der Vergleich mit anderen Formulierungen ähnlicher Form wie zum Beispiel von oben nach unten oder für draußen und drinnen legt die Kleinschreibung nahe.

Großschreiben würde ich dann, wenn es sich um einen Schalter, einen Druckknopf oder etwas Ähnliches mit einer Aufschrift mit Großbuchstaben handelt. Dann passen Anführungszeichen oder eine andere Kennzeichnung:

Drehen Sie den Schalter von „Aus“ auf „An“.
Die Anzeige wechselt von AN zu AUS.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Auflösung in Pixel oder Auflösung in Pixeln?

Frage

Seit einiger Zeit suche ich nach einer eindeutigen Antwort auf die Frage, wie man Folgendes richtig schreibt:

a) Auflösung in Pixel
b) Auflösung in Pixeln

Hierzu habe ich bereits Analogien gesucht und gefunden, z. B. „Auflösung in Bildpunkten“ scheint richtig zu sein, denn „Auflösung in Bildpunkte“ sagt man nicht. Es gibt jedoch weitere unklare Fälle wie z. B. „Länge in Metern“ bzw. „Länge in Meter“. Ich hoffe, dass Sie mir bei dieser Frage helfen können.

Antwort

Guten Tag A.,

eine eindeutige Antwort gibt es hier nur insofern, als Auflösung in Pixeln besser ist als Auflösung in Pixel. Dasselbe gilt für zum Beispiel Länge in Metern, Abstand in Kilometern, Gewicht in Zentnern. Am besten also:

Auflösung in Pixeln
Länge in Metern
Abstand in Kilometern
Gewicht in Zentnern

Nach diesem in folgt nämlich der Dativ. Siehe zum Beispiel:

Auflösung in Bildpunkten
Länge in laufenden Metern
Abstand in gerundeten Kilometern
Gewicht in halben Zentnern

Die endungslosen Formen (Auflösung in Pixel, Länge in Meter, Abstand in Kilometer, Gewicht in Zentner) kommen aber auch vor. Das hat sehr wahrscheinlich damit zu tun, dass männliche Maß- und Mengenangaben auf unbetontes -er und -el im Dativ Plural gebeugt und ungebeugt verwendet werden können, wenn sie mit einer Zahlenangabe stehen:

in zehn Meter/Metern Höhe
in 20 Kilometer/Kilometern Entfernung
die Verwendung von 10 Zentner/Zentnern Kupfer
bei zwei Drittel/Dritteln der Befragten
mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Pixel/Pixeln

Beides gilt in diesen Fällen auch standardsprachlich als korrekt (siehe auch hier).

Zusammenfassend: Ohne Zahlenangabe verwenden Sie am besten Auflösung in Pixeln (das ist sicher richtig), aber Auflösung in Pixel kommt auch vor.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Mit oder ohne Bindestrich:
Geisterbahn-ähnlich oder
geisterbahnähnlich?

Frage

Von zwei Korrektoren haben wir zwei verschiedene Antworten erhalten. Welche stimmt? Oder gibt es gar eine dritte Lösung?

Aufgehängt an Haken treten die Beutel eine Geisterbahn-ähnliche Fahrt an.
Aufgehängt an Haken treten die Beutel eine geisterbahnähnliche Fahrt an.

Ich nehme an, dass es sich um den gleichen Fall wie „butterweich“ oder „knochentrocken“ handelt und daher klein und zusammengeschrieben wird.

Antwort

Guten Tag Herr K.,

im Prinzip schreibt man hier tatsächlich nach § 36(1.1) der Rechtschreibregelung zusammen. Wenn das erste Glied der Zusammensetzung einer Wortgruppe entspricht, wird zusammengeschrieben:

abbruchreif = reif für den Abbruch
sauerstoffarm = arm an Sauerstoff
windgeschützt = vor dem Wind geschützt
algorithmusgesteuert = durch einen Algorithmus gesteuert

und ebenso:

geisterbahnähnlich = einer Geisterbahn ähnlich
eine geisterbahnähnliche Fahrt = eine einer Geisterbahn ähnliche Fahrt

Wie fast immer bei Zusammensetzungen kann man nach § 45(2) derselben Regelung auch einen „verdeutlichenden“ Bindestrich verwenden:

Geisterbahn-ähnlich
eine Geisterbahn-ähnliche Fahrt

Dabei ist die Großschreibung des Substantivs zu beachten, siehe § 55(2) der Rechtschreibregelung.

Beide Varianten sind also korrekt. Ich würde hier die zusammengeschriebene Variante geisterbahnähnlich empfehlen, denn ich halte diese Zusammensetzung nicht für unübersichtlich.

Ähnliches gilt auch für Zusammensetzungen wie diese:

eine rollstuhlgerechte Wohnung
eine hochseetaugliche Jacht
das datenbankbasierte Engineering
die algorithmusgesteuerte Nachrichtenauswahl

Man kann sie auch mit Bindestrich schreiben, aber sind diese Varianten wirklich besser lesbar?1

eine Rollstuhl-gerechte Wohnung
eine Hochsee-taugliche Jacht
das Datenbank-basierte Engineering
die Algorithmus-gesteuerte Nachrichtenauswahl

Kurzum: Meiner Meinung nach am besten eine geisterbahnähnliche Fahrt, aber eine Geisterbahn-ähnliche Fahrt geht auch. Nur *eine Geisterbahn ähnlich Fahrt ist wirklich falsch, auch wenn man solchem häufiger begegnet.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

1 Der Bindestrich bei Zusammensetzungen wird häufig zu Recht für Texte in Leichter Sprache empfohlen. Zusammensetzungen wie die obenstehenden sollte man aber in solchen Texten auch dann vermeiden, wenn man sie mit Bindestrich schreibt.

Wird ein halber Tag oder einen halben Tag gespielt?

Frage

Ich hätte eine Frage zu folgendem Satz: „Gespielt wird ein halber Tag“. Ich bin ein wenig unsicher, ob es nicht eher „einen halben Tag“ heißen müsste oder ist „ein halber Tag“ hier das Subjekt?

Antwort

Guten Tag Frau T.

richtig ist hier tatsächlich einen halben Tag:

Gespielt wird einen halben Tag.

Die Wortgruppe ist nicht das Subjekt eines Passivsatzes (bzw. das Akkusativobjekt des entsprechenden Aktivsatzes). Es ist eine eine Zeitbestimmung.

  • nicht:

Wer oder was wird gespielt? – ein halber Tag
(Wen oder was spielt man? – einen halben Tag)

  • sondern:

Wie lange wird gespielt? – einen halben Tag
(Wie lange spielt man? – einen halben Tag)

Deshalb steht nicht der Nominativ, sondern der Akkusativ. Es handelt sich bei einen halben Tag um einen Adverbialakkusativ oder adverbialen Akkusativ.

Der Nominativ ein halber Tag klingt vielleicht gar nicht so falsch, weil halber Tag rein formal auch das Subjekt zu gespielt werden sein könnte. Der Nominativ ist aber nicht korrekt, weil er von der Bedeutung her nicht stimmen kann. Das sieht man zum Beispiel dann, wenn man einen anderen Adverbialakkusativ einsetzt oder ein anderes Verb wählt:

Man spielt den ganzen Tag.
Gespielt wird den ganzen Tag.

Man wartet einen halben Tag.
Gewartet wird einen halben Tag.

Noch deutlicher wird es vielleicht, wenn man ein Subjekt ergänzt:

Man spielt das Spiel einen halben Tag.
Gespielt wird das Spiel einen halben Tag.

Und wenn man immer noch unsicher ist, kann man auch einfach lang ergänzen:

Gespielt wird einen halben Tag lang.

Wenn das möglich ist, ohne dass sich die Bedeutung ändert, ist der Akkusativ richtig. Ich finde die Formulierung mit lang übrigens in diesem Satz stilistisch sowieso etwas besser.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp