etwas einstecken haben

Herr J. fragt:

Hallo liebes canoonet-Team,

ich bräuchte zur Klärung eines Sachverhalts Ihre Hilfe.
Ich arbeite in einem Büro mit vielen anderen Menschen, welche aus allen Teilen der Bundesrepublik Deutschland kommen.
Bei Gesprächen untereinander sind wir über den Satz „Hast du Geld einstecken?“ gestolpert. Nun ist hier bei uns eine Diskusion entbrannt, ob dieser Satz Richtig ist oder nicht.
Viele sagen dieser Satz ist kein hochdeutscher Satz, was ich nicht verstehe. Nach meiner Meinung widerspricht dieser Satz keiner Regel im Deutschen.
Nun meine Frage. Können Sie mir zu diesem Problem eine eineindeutige Aussage unterbreiten?
Bitte entschärfen Sie unsere Diskusion mit Ihrem Fachwissen.
Vielen Dank für Ihre Bemühungen.

Mit freundlichen Grüßen

Antwort:

Sehr geehrter Herr J.

Vielen Dank für Ihr Vertrauen in unsere Fachkenntnisse. Ich hoffe, dass sich die Situation bei Ihnen inzwischen etwas „entschärft“ hat, denn meine Antwort hat aus Urlaubsgründen etwas auf sich warten lassen. Außerdem ist Ihre Frage leider nicht mit einem eindeutigen Richtig oder Falsch zu beantworten.

Den Ausdruck „etwas einstecken haben“ gibt es und er bedeutet „etwas bei sich haben“. Er gilt aber nicht als Hochdeutsch oder Standarddeutsch, sondern wird z.B. vom Duden als umgangssprachlich bezeichnet.

Man könnte darüber streiten, ob der Ausdruck wirklich keiner Regel des Deutschen widerspricht. Rein formal müsste es sein: „etwas eingesteckt haben“, aber das bedeutet nicht ganz das Gleiche. Der Ausdruck ist nicht grundsätzlich falsch. Stilistisch gehört er aber zur Umgangssprache und nicht zur Standardsprache. In einem Gespräch unter Kollegen ist er völlig angebracht. In z.B. einem formellen Brief würde ich ihn nicht verwenden, sondern auf z.B. „etwas bei sich haben“ ausweichen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

7 Kommentare

  1. Dr. Michael Redeker schreibt:

    Januar 3, 2008 um 14:12

    Guten Abend,

    der Beitrag ist schon etwas älter, doch ist diese Frage neulich auch im Forum Deutsch als Fremdsprache (www.deutsch-als-fremdsprache.de)gestellt worden. Ich denke, es handelt sich bei dieser Variante um eine „haben mit Infinitiv“-Konstruktion.

    Da ich gerade in Tamil Nadu unterwegs bin, habe ich meine Bücher nicht vor mir liegen. Doch gibt es im Goethe-Institut Chennai eine sehr gute Sprachabteilung.

    Im Helbig/Buscha (Deutsche Grammatik , 15. Aufl.1993, S. 107) steht zum Infinitiv:

    „Eine kleine Gruppe Verben verbindet sich als finite Verben (…) mit einem Infinitiv ohne zu (…) in spezieller Verwendung die Verben haben, finden, legen, schicken u.a.

    Er hat sein Auto vor dem Haus stehen.
    Er hat gut reden.
    Sie fand das Buch auf dem Boden liegen.
    Die Eltern legen sich schlafen.
    Die Mutter schickt die Kinder schlafen.“

    Im DUDEN, Das große Wörterbuch der deutschen Sprache, Bd. 4, 3. Aufl.1999 zu haben:

    2. verblasst (…) d) in Verbindung mit einem Inf. u. einer Raumangabe; drueckt aus, dass jmdm. etw. (…) zur Verfügung steht: seine Kleider im Schrank haengen h(aben)…

    Im Laufe des Tages fielen mir dann noch weitere Beispiele ein:

    Er hat einen sitzen. u.ä.

    Aber, eine interessante grammatische Frage. Es wird immer ein Zustand beschrieben; der Handelnde(?) steht im Akkusativ (außer in der festen Wendung „Er hat gut reden.“); die Satzaussage scheint „passivisch“, doch ist es kein Passiv.

    Eigenartig.

    Mit freundlichen Grüßen

    Michael Redeker, Bangalore
    http://www.redeker.co.nz.

  2. Dr. Bopp schreibt:

    Januar 3, 2008 um 15:09

    Er hat sein Auto vor dem Haus stehen.
    sein Kleider im Schrank hängen haben
    Sie fand das Buch auf dem Boden liegen.
    Die Mutter schickt die Kinder schlafen.

    In diesen Beispielen ist die im Akkusativ stehende Wortgruppe das sinngemäße Subjekt des Infinitivs (aci):

    Das Auto steht vor dem Haus.
    Die Kleider hängen im Schrank.
    Das Buch liegt auf dem Boden.
    Die Kinder schlafen.

    In der Wendung „etwas einstecken haben“ ist dies nicht der Fall

    Ich habe Geld einstecken

    NICHT: das Geld steckt ein
    sondern: Ich stecke Geld ein resp. habe Geld eingesteckt.

    Hier ist der Akkusativ das sinngemäße Akkusativobjekt des Infintivs. Deshalb kann/muss dieser Fall anders behandelt werden, als die anderen Beispielsätze.

    Ich wiederhole allerdings noch einmal: Der Ausdruck ist nicht unbedingt falsch, er gilt „nur“ als umgangssprachlich.

    Der Ausdruck „gut reden haben“ unterscheidet sich dadurch von den anderen, dass er keinen Akkusativ enthält. Er muss wohl als feste Redewendung gesehen werden.

  3. Tom S. Fox schreibt:

    Mai 14, 2009 um 23:03

    Ich bin der Meinung, dass der Satz falsch ist, weil „einstecken? eine Tätigkeit ist und kein Zustand.

  4. Michael Schaar schreibt:

    Dezember 29, 2009 um 14:30

    Hi,

    Ich benutze den Satz auch andauernd und bin schon öfter auf Leute gestoßen in deren Ohren der Satz total falsch klingt! .. ich habe aber jetzt ein weiteres Beispiel gefunden bei dem die Bildung mit dem Infinitiv genauso ist:
    „Ich habe eine Kette um (den Hals) hängen“ … klingt das für die anderen auch falsch?

  5. Dr. Bopp schreibt:

    Januar 4, 2010 um 15:24

    Der Unterschied zwischen „Ich habe Geld einstecken“ und „Ich habe eine Kette um den Hals hängen“ ist, dass im zweiten Fall „Kette“ das Subjekt des statischen Verbs „hängen“ ist, während „Geld“ das Objekt des dynamischen Verbs „einstecken“ ist. Siehe oben Kommentare vom 3.1.2008 und 14.5.2009. Vgl. auch die Angaben zu „haben“ mit einem Infinitiv ohne „zu“ auf dieser Seite in CanooNet.

    Der Satz „Ich habe eine Kette um den Hals hängen“ ist zwar auch umgangssprachlich, aber etwas weniger weit von der Standardsprache entfernt als „Geld einstecken haben“.

  6. Anna schreibt:

    Januar 22, 2010 um 14:34

    Natürlich kan man etwas einstecken haben, z.B. einen Tampon oder einen Schwa*z, aber Geld??? Oder besser wer möchte das dann noch haben???
    LG

  7. Dr. Bopp schreibt:

    Januar 22, 2010 um 14:42

    Liebe Anna, natürlich freue ich mich über Kommentare, aber vor allem dann, wenn sie eine Frage, etwas Intelligentes, etwas Interessantes oder auch einfach etwas tatsächlich Witziges zum Thema enthalten.