wegen unsportlichem Verhalten: wegen mit dem Dativ?

Frage von Herrn C. aus der Schweiz

Ich habe einen Disput mit dem Kunden. Was ist richtig:

Ein Fahrer wird wegen unsportlichen Verhaltens … oder wegen unsportlichem Verhalten …

Antwort

Sehr geehrter Herr C.,

ich hoffe, dass der Disput mit dem Kunden nicht allzu heftig war, denn ich finde beide Varianten richtig.

Im Prinzip steht wegen mit dem Genitiv. Also wegen unsportlichen Verhaltens. Aber vor allem im südlichen deutschen Sprachraum ist auch der Dativ allgemein üblich: wegen unsportlichem Verhalten.

Strengere Grammatiker sagen, dass der Dativ nur in der Umgangssprache verwendet werden kann und dass nur der Genitiv in der Standardsprache korrekt ist. Ich bin da milder und finde, dass in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz der Dativ so gebräuchlich ist, dass er zumindest dort auch in der Standardsprache verwendet werden kann, ohne dass dies ein Fehler ist. Siehe auch unsere Grammatikseite zu wegen. Wenn Sie allerdings ganz sicher sein wollen, dass wirklich niemand Sie eines Fehlers bezichtigen wird, verwenden Sie den Genitiv.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

2 Kommentare

  1. Linguista schreibt:

    August 21, 2007 um 14:47

    oder: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod….

  2. Dr. Bopp schreibt:

    August 22, 2007 um 10:03

    … sagt Herr Bastian Sick in Ihrem Zitat.

    Es stimmt, dass der Dativ dem Genitiv sein Tod sein könnte. Diese Gefahr erachte ich aber in nächster Zeit noch nicht so groß, selbst wenn man den Dativ z.B. nach „wegen“ auch in der Standardsprache zulässt. Dafür ist der Genitiv noch viel zu häufig verwendet, „sogar“ im südlichen deutschen Sprachraum.

    An gewissen Stellen wie z.B. nach „wegen“ wird er aber tatsächlich immer mehr durch den Dativ ersetzt. Wie soll man als Grammatiker und Linguist darauf reagieren? Ist es ein Zeichen der Sprachveränderung oder ein Zeichen der Sprachverarmung? Auf solche Fragen geben drei Grammatiker meistens vier Antworten, d.h. die Meinungen sind sehr unterschiedlich. Letztlich wird der Sprachgebrauch entscheiden, ob sich eine Veränderung durchsetzt. So gibt es zum Beispiel im Niederländischen den Genitiv schon länger praktisch nicht mehr. Ob es im Deutschen auch einmal so weit kommen wird, weiß ich natürlich nicht. Schade wäre es schon, denn auch mir gefallen diese schönen Genitivkonstruktionen sehr gut. Es wird aber schwierig sein, eine solche Entwicklung aufzuhalten. Und in der Zwischenzeit bleibt uns viel Zeit dafür, über die Wünschbarkeit solcher Veränderungen zu diskutieren.

    Doch wie bereits gesagt, bei einigen Präpositionen und Verben wird der Genitiv zwar durch den Dativ verdrängt, aber in großen Ganzen ist er meines Erachtens noch springlebendig.