Typisch vorweihnachtliche Frage zur Rechtschreibung

Der Advent ist im Land und nach seinem gestrigen Großeinsatz genießt der Nikolaus wieder seine verdiente Ruhe (außer dort, wo er noch als Weihnachtsmann auftreten muss – doch darüber vielleicht ein andermal). Es wird also Zeit für den Vorweihnachtsstress. Dazu gehören auch die Feiertagsgrüße und Neujahrswünsche. Und selbst hierbei entdeckt der berufsdeformierte Dr. Bopp ein Rechtschreibproblemchen: die Groß- und Kleinschreibung von Adjektiven in Glück- und anderen Wünschen. Obwohl die Regel eigentlich ganz einfach ist, wird sehr oft gegen sie verstoßen, auch (oder vielleicht sogar vor allem) auf Karten mit vorgedrucktem Text.

In Wendungen, die keine Eigennamen sind, werden Adjektive kleingeschrieben (Regel). Man schreibt also zum Beispiel:

Wir wünschen Ihnen frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr.

Auch ohne einleitendes Ich wünsche oder Wir wünschen schreibt man nur das ganz am Anfang stehende Adjektiv groß:

Gesegnete Weihnachten und ein glückliches neues Jahr!
Fröhliche Weihachten und alles Gute fürs neue Jahr!
Alles Gute zum neuen Jahr!
Die besten Wünsche für 2008!
Schöne Feiertage!

Was wirklich zählt, sind natürlich die Grüße und Wünsche an sich, ganz gleich ob sie nun vollständig korrekt nach den Regeln der deutschen Rechtschreibung abgefasst sind. Aber sollten Sie sich im Zeitdruck der Weihnachtsvorbereitungen plötzlich doch fragen, ob es nun frohe oder Frohe sein muss, dann wissen Sie die Antwort jetzt schon.

4 Kommentare

  1. sandra schreibt:

    Dezember 10, 2007 um 13:15

    Den Ausdruck „berufsdeformiert“ find ich gut !

  2. Fragen Sie Dr. Bopp » Osterwünsche schreibt:

    März 20, 2008 um 15:22

    […] Regelmäßige Besucher finden jetzt wahrscheinlich, dass ich anfange mich zu wiederholen. Dem ist auch so, denn Ähnliches habe ich in der Adventszeit bereits über Weihnachtswünsche geschrieben. Ich verspreche dann auch, dass ich versuchen werde, dieses Thema in Zukunft nicht mehr anzuschneiden (aber ob es mir das dann auch wirklich gelingt?). Man soll es ja mit der Rechtschreibung nicht übertreiben. Rechtschreibfanatiker tun sich damit oft schwer: lieber ein zwar falsch geschriebener, dafür ehrlich gemeinter Wunsch als einer, der orthographisch einwandfrei ist, aber vor Gleichgültigkeit oder sogar Zynismus trieft. Das heißt jetzt aber nicht, dass korrekt geschriebene Wünsche nicht ehrlich gemeint sein können. […]

  3. Wolfgang schreibt:

    Dezember 23, 2009 um 11:00

    Wieso schreibt man bei „glückliches neues Jahr“ kein Komma zwischen „glückliches“ und „neues“? Könnte man einen Beistrich setzten. Für mich wirkt es ohne Beistrich richtig. Ich nehme an, dass „neues Jahr“ ist eine feste Fügung aus Adjektiv und Substantiv ist. Gibt es dazu eine Regel?

  4. Dr. Bopp schreibt:

    Dezember 23, 2009 um 11:50

    Ein Komma wäre hier nicht richtig. Leicht vereinfacht gesagt steht ein Komma in einer Formulierung wie dieser für „und“:

    ein glückliches, neues Jahr = ein glückliches und ein neues Jahr
    ein glückliches neues Jahr = ein neues Jahr, das glücklich ist

    Da man jemandem nicht ein glückliches und ein neues Jahr wünscht (das neue Jahr kommt sowieso, auch ohne dass wir es uns wünschen), sondern ein neues Jahr, das glücklich sein möge, schreibt man kein Komma. In anderen Worten, wenn „glücklich“ sich nicht nur auf „Jahr“, sondern auf „neues Jahr“ bezieht, schreibt man kein Komma. Anders sieht es zum Beispiel aus, wenn Sie jemandem

    ein glückliches, gesundes Jahr = ein glückliches Jahr und ein gesundes Jahr

    wünschen. Mehr dazu finden Sie hier.