Umlaut bei -in

Frage

Meine Frau lernt gerade Deutsch und hat mich nun etwas gefragt, worauf ich selber keine Antwort habe. Die Bildung der weiblichen Berufsbezeichnungen ist normalerweise durch den Anhang von in vollständig abgehandelt. So zum Beispiel Polizist – Polizistin, Fahrer – Fahrerin. Nun aber wurde ich gefragt, warum es Arzt – Ärztin heißt, speziell der Anfangsbuchstabe Ä. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Antwort

Sehr geehrter Herr D.,

es gibt leider keine festen Regeln, wann bei der Bildung von weiblichen Bezeichnungen mit -in auch ein Umlaut verwendet wird. Den armen Deutschlernenden bleibt somit nichts anderes übrig, als die wichtigsten Fälle auswendig zu lernen. Der Umlaut steht vor allem bei älteren Bildungen. Nach den Angaben im Canoonet-Wörterbuch sind dies die folgenden Ableitungen:

Berufs- und andere Personenbezeichnungen

Amtsrätin (Bundesrätin, Kreisrätin usw.), Anwältin, Ärztin, Bäuerin, Bischöfin, Bübin (Spitzbübin), Gräfin, Göttin, Jüdin, Kräuterin, Köchin, Männin, Muselmännin (veraltet für Muselmanin), Närrin, Obmännin, Päpstin, Pröpstin, Schwägerin, Spitzbübin, Törin, Vögtin

Einwohnernamen:

Flämin, Fränkin, Französin, Sächsin, Schwäbin, Westfälin

Und dann gibt es auch noch Tierbezeichnungen:

Äffin, Bräckin (Art Jagdhündin), Dächsin, Füchsin, Häsin, Hündin, Kätzin, Spätzin, Störchin, Täubin, Wölfin

Weiter gibt es auch die entsprechenden zusammengesetzten Personen- und Tierbezeichnungen wie Amtsärztin, Chefärztin, Großbäuerin, Burggräfin, Südfranzösin, Jagdhündin usw. Der weitaus größte Teil der mit -in gebildeten weiblichen Bezeichnungen wird übrigens nicht umgelautet: Von den ca. 8450 mit diesem Suffix abgeleiteten Wörtern in unserem Wörterbuch wurden nur 230 mit Umlaut gebildet.

Weitere Informationen zur weiblichen Endung -in finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

K.