Schaltjahr und Schalttag

Zum heutigen 29. Februar (endlich kann unser Nachbarsjunge wieder einmal seinen „echten“ Geburtstag feiern – ich grautliere!) erlaube ich mir einen kleinen mehrsprachigen Exkurs, denn die deutschen Wörter Schaltjahr und Schalttag geben nicht viel Interessantes her. Es geht schließlich einfach um einen speziellen Tag, der in speziellen Jahren eingeschaltet wird.

Wenn wir sprachfamiliär in der Nähe bleiben, dann haben wir zum Beispiel im Niederländischen den schrikkeldag und das schrikkeljaar und im Schwedischen den skottdagen und das skottår. Während die niederländische Variante noch wenig spektakulär ist (Mittelniederländisch schrikken = springen), wird es beim Schwedischen und den anderen skandinavischen Sprache schon etwas poetischer: Wenn man wörtlich übersetzt, kommt man nämlich auf Schusstag und Schussjahr (oder Sprosstag und Sprossjahr? – mein Skandinavisch lässt leider viel zu wünschen übrig).

Wie die Niederländer und die Flamen springen auch die Englischprachigen: leap day und leap year (leap = springen, Sprung). Aber wie so oft kann sich der englische Wortschatz natürlich nicht einfach auf einen Ausdruck beschränken. Weitere Wörter sind: intercalary day und intercalary year oder bissextile day und bissextile (year). Sie bilden die Brücke zu den romanischen Sprachen, die fast alle fast die gleichen Bezeichnungen verwenden

Französich:
jour bissextil – anée bissextile
jour intercalaire – année intercalaire

Italienisch
giorno intercalare – anno bisestile

Spanisch
día del año bisiesto, día intercalar – año bisiesto,

Das Adjektiv intercalaire, intercalar(e) geht auf das lateinische intercalaris oder intercalarius zurück, das eingeschaltet, eingeschoben bedeutet und auch damals offenbar viel im Zusammenhang mit im Kalender eingeschalteten Tagen und Monaten verwendet wurde.

Das andere Wort ist interessanter. Es hat nicht mit sexus (Geschlecht), sondern mit bis (zweimal, doppelt) und sextus (sechste) zu tun. Das Wort bissextilis könnte man frei mit doppelsechste übersetzen. Es geht auf den römischen Kalender zurück, in dem auch schon geschoben werden musste, um ihn wieder parallel zum Sonnenjahr verlaufen zu lassen. Was hat nun der 29. Februar mit einem Doppelsechsten zu tun? Eigentlich nichts. Die Römer zählten nämlich rückwärts. So hieß unser 24. Februar der sechste Tag vor Anfang März. In einem Schaltjahr wurde nun vor diesen sechsten Tag vor Anfang März noch ein sechster Tag vor Anfang März eingeschoben, so dass es zweimal hintereinander einen sechsten Tag vor Anfang März gab. Der eigentliche Schalttag war also nicht der 29., sondern der 24. Februar.

So interessant das auch sein mag, wenn dieses Jahr kein Schaltjahr wäre, wäre es heute schon Samstag und brauchte ich nicht zu arbeiten.

K.