Ich fahre zu oder nach …?

Sagt man nach oder zu? Das ist eine Frage, die schon an verschiedenen Orten behandelt worden ist. Da sie aber immer wieder auftaucht, kann ich es nicht lassen, hier auch einmal meine Antwort zu veröffentlichen.

Frage

Wir streiten uns ob es heissen muss:

Ich fahre zu OBI oder
Ich fahre nach OBI

(OBI ist ein Baumarkt)

Antwort

Sehr geehrter Herr G.,

es lohnt sich meistens nicht, über Sprachfragen zu streiten. Sehr oft haben nämlich beide Seiten irgendwie recht. So auch in diesem Fall.

Im Standarddeutschen sagt man:

Ich fahre zu Obi.

Man verwendet nach in diesem Zusammenhang nur bei geographischen Namen (Länder, Regionen, Ortschaften, Inseln), die keinen Artikel haben:

Ich fahre nach Österreich.
Ich fahre nach Bayern.
Ich fahre nach Barcelona.
Ich fliege nach Hawaii.

Außerdem verwendet man nach noch in nach Hause und bei den Himmelsrichtungen (zum Beispiel nach Norden).

Bei geographischen Namen mit Artikel verwendet man in – außer bei Inseln:

Ich fahre in den Schwarzwald.
Ich fahre in die Tschechische Republik.
Ich fliege in die Vereinigten Staaten.
Ich fliege auf die Hawaii-Inseln.

Sonst verwendet man meistens zu:

Ich fahre zum Bäcker.
Ich fahre zum Bahnhof.
Ich fahre zum Standesamt.
Ich fahre zur Kirche.

Bei Personen- und Firmennamen:

Ich fahre zu meiner Schwester.
Ich fahre zu Herrn G.
Ich fahre zu Bauhaus/Globus/Hellweg/Hornbach/Toom/…
Ich fahre zu Obi.

Soweit die Standardsprache. In der Umgangssprache hält man sich nicht überall an diese Regeln. So verwendet man zum Beispiel im nördlichen/nordwestlichen deutschen Sprachraum oft nach statt zu: Ich fahre nach Obi. Und im süddeutschen Sprachraum, wo ich herkomme und wo man Namen meisten mit Artikel verwendet, wundert sich niemand, wenn Sie sagen: Ich fahre zum Obi.

Standardsprachlich korrekt ist nur Ich fahre zu Obi. Zu Obi fährt man aber meistens in einer Situation, in der man sich in der Umgangssprache unterhält. Wenn Sie also in Norddeutschland sind oder norddeutsche Wurzeln haben, können Sie ohne Weiteres auch Ich fahre nach Obi sagen. In einer informellen Situation kann Ihnen das niemand übelnehmen. Wenn Sie allerdings zum Beispiel einen formellen Brief schreiben, ein offizielles Interview geben oder einen Prospekt für Obi gestalten, sollten Sie nur das im der Standardsprache übliche zu verwenden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

10 Kommentare

  1. Ulla schreibt:

    Januar 15, 2009 um 21:45

    DANKESCHÖÖÖÖÖN!

    Ich wollte nur mal ein kleines „danke“ loswerden, da ich gerade mit meinem Freund die selbe Diskussion über Saturn hatte xP
    Er wollte nämlich „nach Staurn“ fahren, während ich „zum Saturn“ fahre xP

    Also: Vielen Dank für diesesn nützlichen Eintrag!

    mfg Ulla

  2. Simone schreibt:

    September 7, 2009 um 11:00

    Warum sagt man aber
    „Ich fahre ANS Mittelmeer‘? Ist es eine Ausnahme?

  3. Dr. Bopp schreibt:

    September 7, 2009 um 11:39

    Nein, das ist eigentlich auch ganz regelmäßig. Mit geographischen Namen waren – wie im Beitrag erwähnt – Länder, Regionen, Ortschaften und Inseln gemeint. Es gibt natürlich noch andere geographische Orte. Dazu gehören auch Gewässer. Dort verwendet man in der Regel an, weil man nicht in das Gewässer fährt, sondern normalerweise an dessen Ufer stoppt. Zum Beispiel:

    an den Rhein
    an die Donau
    an den Bodesee
    ans Mittelmeer
    an den Atlantischen Ozean

    Anders sieht es aus, wenn es um Berge geht. Dort verwendet man auf. Zum Beispiel:

    auf den Großglockner
    auf den Olymp
    auf die Zugspitze

    Ganze Gebirge gelten dann aber wieder als Regionen. Entsprechend verwendet man in:

    in die Alpen
    in den Kaukasus
    in das Erzgebirge

    Auch hier sollte man also wie immer darauf achten, Regeln nicht zu sehr zu generalisieren, das heißt, sie nicht allzu streng auf alles anzuwenden. Meistens gibt es zu einer Regel auch Unter- und Ausnahmeregeln.

  4. kim und francis schreibt:

    Oktober 4, 2009 um 13:30

    Wir wollen wissen ob es heißt nach ikea oder wir fahren zu ikea?

  5. Dr. Bopp schreibt:

    Oktober 5, 2009 um 09:12

    Wie im Blogeintrag erläutert wird, sagt man standardsprachlich bei Geschäften am ehesten „zu“. Also:

    Ich fahre zu Obi.
    Ich fahre zu Ikea.

    Andere Formulierungen (zum Beispiel: nach Ikea, zum Ikea, in die Ikea) sind regional- oder umgangssprachlich üblich.

  6. Citlali GR schreibt:

    Oktober 9, 2009 um 18:52

    Und was mit:

    Ich fahre in die Schule.

    ist das auch richitig, oder sollte es so sein:

    Ich fahre zur Schule.

  7. Steve schreibt:

    Dezember 29, 2014 um 10:48

    Hallo,

    Ich habe eine Zusatzfrage: wann weiss man ob eine Region einen Artikel braucht, oder wann eben nicht?

    Bsp. Schweiz, Tessin, Tirol, Oberland?

    Ich fahre nach Schweiz
    Ich fahre in die Schweiz

    Ich fahre nach Tessin
    Ich fahre in das Tessin (bzw. ins Tessin)

    Ich fahre nach Tirol
    Ich fahre ins Tirol

    Ich fahre nach Oberland
    Ich fahre in das Oberland

    Wo und wie ist das festgelegt? Tirol ist Gebiet, Bundesland und im weitesten auch eine Gebirgsregion.

    Danke

  8. Dr. Bopp schreibt:

    Dezember 31, 2014 um 11:08

    Es gibt keine festen Regeln. Das weiß man nur, wenn man es lernt. Muttersprachige tun dies in den meisent Fällen unbewusst, für Deutschlernende ist es schwieriger. Bei Unsicherheit hilft nur ein Blick in ein Wörterbuch oder eine Enzyklopädie. Gewisse Regelmäßigkeiten gibt es aber schon. Siehe zum Beispiel hier.

  9. Evi Ash schreibt:

    Mai 26, 2015 um 07:55

    Hallo,

    heißt es : ich gehe zu der Garage oder
    ich gehe nach der Garage – wenn ich nicht IN die Garage gehe!

    Gruß
    Evi

  10. Dr. Bopp schreibt:

    Mai 26, 2015 um 15:43

    Wenn Sie den Raum meinen, in dem ein Auto abgestellt werden kann, gehen Sie allgemein in die Garage, wenn Sie sie betreten, und zur Garage, wenn Sie zu diesem Raum oder Gebäude hingehen. Wenn Sie eine Autowerkstätte meinen, gehen Sie insbesondere in der Schweiz zur oder in die Garage, in Deutschland aber meisten zur oder in die Werkstätte. In allen Fällen ist nach standardsprachlich nicht üblich.