A ticket to Rome/ein Flugschein nach Rom

Zurück aus Rom habe ich mich erst an der den Regen gewöhnen müssen. Am liebsten hätte ich gleich ein Flugticket zurück in den Süden gekauft, aber ich kann Sie ja nicht so lange im Stich lassen. Die Tatsache, dass ich nicht unbegrenzt Ferientage zur Verfügung habe, mag bei der Entscheidung, im feuchtkühlen Raum nördlich der Alpen zu bleiben, auch eine gewisse Rolle gespielt haben.

Für den Flug nach Rom habe ich mein Ticket über den Online-Booking-Service der Airline gekauft. Ich konnte also vor dem Abflug von zu Hause aus in das Online-Check-in einloggen und sowohl einchecken als auch den Boarding-Pass printen. Am Airport musste ich deshalb nicht mehr zum Check-in-Counter, sondern konnte gleich zum Baggage-Drop-off. Danach ging es entlang der Duty-Free-Shops und durch die Security-Control zum Gate.

Für den Flug nach Rom habe ich meinen Flugschein über das Netzbuchungssystem der Fluggesellschaft gekauft. Ich konnte mich also vor dem Abflug von zu Hause aus in die Netzflugabfertigung einwählen und sowohl mich für den Flug anmelden als auch die Einstiegskarte drucken. Am Flughafen musste ich deshalb nicht mehr zum Flugabfertigungsschalter, sondern konnte gleich zur Gepäckabgabestelle. Danach ging es entlang der Zollfreiläden und durch die Sicherheitskontrolle zum Flugsteig.

Sie sehen, es geht um Anglizismen, das heißt aus dem Englischen übernommene Wörter. Wenn es ums Fliegen geht, gibt es deren viele. Ich habe die beiden Texte hier nicht nebeneinandergestellt, damit Sie den einen verurteilen und den anderen begrüßen sollen. Mir wollen sie nämlich beide nicht so recht gefallen. Einerseits klingen in meinen Ohren Online-Booking-Service, Airline und Baggage-Drop-off etwas zu sehr nach „Internationaler-Vielflieger-und-Weltbürger-sein-Wollen“, andererseits haben Netzbuchungssystem, Netzflugabfertigung und Flugsteig für mich irgendwie etwas Forciertes und „Handgestricktes“.

Die beiden Textabschnitte oben sollen nur aufzeigen, dass sowohl die eine als auch die andere „Extremlösung“ einen etwas seltsamen Eindruck hinterlassen kann. Wenn man viele Anglizismen verwendet, riskiert man schnell einmal, den Eindruck einer Möchtegern-Fachfrau oder eines doch nicht ganz so weit gereisten Weltbürgers zu machen — wenn man denn schon von allen verstanden wird. Auf der anderen Seite kann eisernes Festhalten an ausschließlich deutschen Wörtern farblos und etwas sehr verbissen wirken — und manchmal ebenfalls zu Verständnisproblemen führen (wer weiß schon auf Anhieb, was Netzflugabfertigung bedeuten soll?)

Es liegt also an Ihrem Stilgefühl und dem Eindruck, den Sie (nicht) hinterlassen wollen, welche Wahl Sie jeweils zwischen den Anglizismen und deren deutschen Entsprechungen treffen. Oft gibt es sogar auf dem Wortniveau so etwas wie den goldenen Mittelweg. Ein schönes Beispiel dafür finde ich Online-Buchungssystem statt Online-Booking-System oder Netzbuchungssystem. Aber auch dies ist letztlich eine Frage des Geschmackes.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Die meiner Meinung nach ebenso fruchtlose wie uferlose Diskussion zu Sinn und Unsinn von Anglizismen und der Gefahr, die sie für die deutsche Sprache sein sollen, will ich hier bewusst nicht führen.

4 Kommentare

  1. sandra schreibt:

    Juli 24, 2008 um 11:25

    Und ich hab mich grad gewundert wieso Du 2 x das gleiche schreibst

    😉

  2. gertrud schreibt:

    August 2, 2008 um 20:00

    Ich bin kein Muttersprachler, so ich wage nicht, die Korrektheit des ersten Satzes in Zweifel zu ziehen, aber mir scheint es ein bisschen seltsam zu sein. Sollte es nicht ‚an den Regen gewöhnen müssen‘ lauten?

  3. Dr. Bopp schreibt:

    August 3, 2008 um 10:19

    Natürlich heißt es richtig „an den Regen gewöhnen“. Vielen Dank für den Hinweis!

  4. Fluglinien online einchecken schreibt:

    Januar 5, 2010 um 10:06

    Sie haben Recht, alles hängt von den eigenen Geschmack, ich will lieber Online-Check-in über Flughafen-Check-in.