Argumente einbrauchen

Frage

I cannot find the verb einbrauchen. Canoonet says „Keine Einträge gefunden“. What does this word mean?

Antwort

Auf die Frage, was das Wort einbrauchen bedeute, musste ich Herrn G. die Antwort vorerst schuldig bleiben. Ich weiß, dass man neue Autos einfahren sollte. Ich habe gelesen, dass Musiker neue Instrumente einspielen. Ich habe auch schon in verschiedenen Western gesehen, dass wagemutige Cowboys wilde Mustangs einreiten. Das Verb einbrauchen kenne ich aber nicht.

Eine erste Nachfrage ergab, dass Herr G. das Partizip eingebraucht in einer Zeitung gelesen hatte. Aber auch mit dem Partizip konnte ich nicht viel mehr anfangen. Erst mit Hilfe des Kontextes wurde es klarer: „Eine entsprechende Initiative solle nach der Sommerpause […] eingebraucht werden …“ Vielleicht wäre es ganz gut, wenn eine Initiative erst einmal ein bisschen eingebraucht würde, bevor man sie lanciert. Doch was tut man normalerweise mit der Initiative: Man ergreift sie, überlässt sie anderen, entfaltet sie und – wenn es sich um eine politische Initiative handelt – man bringt sie zum Beispiel in den Bundesrat ein.

Damit war mir die Sache endlich klar: ein Tippfehler. Gemeint ist nicht eingebraucht sondern eingebracht: „Die Initiative solle nach der Sommerpause […] eingebracht werden“. Fall gelöst: nicht einbrauchen, sondern einbringen. Und doch ist es ein bisschen schade, denn das Verb einbrauchen fing schon an mir zu gefallen. Es wäre manchmal gar nicht so schlecht, wenn Argumente zur Erhöhung ihrer Stichhaltigkeit erst einmal kurz eingebraucht würden, bevor sie eingebracht werden. Das könnte manche langwierige Diskussion um einiges verkürzen.

6 Kommentare

  1. sandra schreibt:

    August 7, 2008 um 16:49

    Interessanter Begriff… und jetzt gibt es einen weiteren Google-Beitrag dazu

    http://www.google.ch/search?q=einbrauchen

  2. Dr. Bopp schreibt:

    August 7, 2008 um 17:28

    Und hiermit ist wieder einmal aufgezeigt, dass man bei Google-Recherchen vorsichtig sein sollte. Nicht alles, was man ergoogeln kann, gibt es.

    Oder etwa doch? Dann müsste dieser Blogeintrag eigentlich als inoffizielle Geburtsstunde des Verbs „einbrauchen“ gelten. Doch für die Aufnahme in ein Wörterbuch reicht das noch lange nicht. So weit käme es erst, wenn alle Blogleser, ihre Verwandten ersten bis vierten Grades sowie deren sämtliche Freunde, Arbeitskollegen, Nachbarn und Bekannte dieses Verb kennen und benutzen würden.

  3. sandra schreibt:

    August 8, 2008 um 11:41

    🙂

    hier hat es angefangen

  4. Cornelia schreibt:

    August 13, 2008 um 08:40

    Interessant ist, dass dieses Partizip gut und gerne von Deutschlernenden stammen könnte. Bringen – brauchen – brachte – brauchte wird gerne verwechselt. Dass die grosse Ähnlichkeit auch Muttersprachler – oder zumindest Korrekturprogramme – zum Stolpern bringen kann, ist doch mindestens entlastend.

  5. Ivan schreibt:

    September 11, 2009 um 11:22

    @Dr. Bopp

    Schauen Sie sich mal die Seiten an, die herauskommen wenn man nach „einbrauchen“ googelt. Dort sind die Wörter „ein“ und „brauchen“ voneinander getrennt.

    z.B. „diese Hunde gehen eine nicht so enge Bindung ein, brauchen Bewegung […]“

    Sie müssen das Wort in Anführungszeichen eingeben, damit es nicht getrennt wird. Und Sie sehen: Es kommen nur 97 Ergebnisse raus. Wenn Sie nach „Einbrauch“ googeln, kommen viel mehr Ergebnisse raus. Aber dabei handelt es sich um Tippfehler: Gemeint ist Einbruch.

    Das Wort „einbrauchen“ ist also vollkommen ungebräuchlich.

  6. Dr. Bopp schreibt:

    September 11, 2009 um 13:09

    Doch wenn alle Leser und Leserinnen von jetzt an das Wort einbrauchen verwenden – am liebsten auf Seiten die Google liest – dann wird es vielleicht einmal zu einem ganz normalen Wort. Und wie Sandra oben richtig sagt: Man wird dann wissen, wo das Wort herkommt! Zurzeit ist einbrauchen aber ein vollkommen ungebräuchliches Wort. Das steht eigentlich schon im Blogeintrag und ist nun auch noch einmal „googlemäßig“ nachgewiesen worden.