Türkische Birnen statt Quitten

Heute wieder einmal etwas Persönlicheres: Dr. Bopp kocht – nicht etwa bei Canoo, sondern ganz privat zu Hause. Dieses Wochenende soll es sogar etwas Ausländisches“ mit Lammfleisch, Pflaumen und Quitten geben. Da stellt man sich gleich drei Fragen: Wann haben Quitten Saison, wo kauft man sie und wie kommen sie zu ihrem Namen? Da dies nicht in eine Kochrubrik ausarten soll, beschäftige ich mich hier mit der dritten Frage. Regelmäßigere Besucherinnen und Besucher dieses Blogs wird es kaum wundern: Bei einem mit Q beginnenden Wort will man als Sprachler“ einfach wissen, woher es kommt.

Dieser Frage nachzugehen war diesmal ganz einfach: Das Wort Quitte geht über verschiedene Schritte wie vulgärlateinisch quidonea und lateinisch cydonia auf das griechische kydonia mela zurück. Das wiederum heißt Apfel aus Kydonia. Kydonia war eine antike Hafenstadt im Nordosten Kretas. Heute heißt die Stadt übrigens Chania. Wenn sie einmal in der Gegend sind, ist die etwas gar touristische griechische Hafenstadt mit ihren vielen venezianischen Einflüssen einen Besuch mehr als wert. Ob ich dort auf dem Markt Quitten gefunden hätte?

Ich konnte nämlich keine Quitten finden. Ich habe mir sagen lassen, dass ihre Saison wie diejenige der zur gleichen Familie gehörenden Äpfel und Birnen erst im September beginne. Ich habe dann halt beim türkischen Gemüsehändler türkische Birnen gekauft. Das sind zwar keine Quitten, aber es sind immerhin ebenfalls gelbe Früchte und sie kommen aus etwa der gleichen geographischen Ecke wie ursprünglich der kydonische Apfel“. (Weshalb gibt es schon türkische Birnen, aber noch keine türkischen Quitten? Das hätte ich den Gemüsehändler fragen müssen!)

Zum Schluss noch eine kleine, fast schon hämische Bemerkung: Bei Quitte, Quittung, Quelle, quasi, quer und Querulant hat die Rechtschreibreform eine ausgezeichnete Möglichkeit verpasst, weiteres äußerst empörtes Aufschreien zu provozieren. Man hätte ja einfach Kwitte, Kwittung, Kwelle, kwasi, kwer und Kwerulant schreiben können. Mich persönlich hätte das übrigens gar nicht so furchtbar gestört, außer dass der arme Buchstabe q im Deutschen ein Außenseiterdasein hätte fristen müssen, da er dann eigentlich nur noch in fremdsprachigen Zitaten vorgekommen wäre.

4 Kommentare

  1. S. Durchholz schreibt:

    August 24, 2008 um 11:39

    Hallo Dr. Bopp,

    wie hat es denn geschmeckt? Birnen und Quitten sind geschmacklich zu unterschiedlich, als dass sie ohne weiteres gegeneinander ausgetauscht werden können.

    Viele Grüße
    S. Durchholz

  2. Dr. Bopp schreibt:

    August 25, 2008 um 11:38

    Quitten und Birnen sind tatsächlich nicht dasselbe. Das merkt man spätestens dann, wenn man herzhaft in eine ungekochte Quitte beißt, wie wenn sie eine rohe Birne wäre: Es ist nicht empfehlenswert. Das marokkanische Lammsgericht hat mir übrigens trotz Birnen statt Quitten gut geschmeckt. Ich hatte es auch schon früher mit Birnen zubereitet – und auch schon mit Zwetschgen, Datteln oder Aprikosen. Die Kombination von Lammfleisch mit Früchten finde ich nämlich sehr gut. Aber wie bereits im Beitrag erwähnt: Dies soll jetzt nicht zur Kochrubrik werden.

  3. Bernd schreibt:

    September 29, 2008 um 20:18

    Ich kenne die Quittenmarmelade meiner geliebten Omi. Die schmechte früher klasse auf dem Weißbrot.
    Das Lammgericht könnte ich mal selber nachkochen. Die Schreibweise ist mir dabei dann nicht so wichtig wie der Geschmack. 😉

  4. antje schreibt:

    Oktober 27, 2008 um 13:58

    woher sie die Quitten bekommen? Die meisten Leute, die eine im Garten haben, wissen eh‘ nichts damit anzufangen – und sonst: türkische Läden.
    MfG
    ah