Altweibersommer

In der Ecke, in der ich weile, konnte man am vergangenen Wochenende prächtigstes Nachsommerwetter genießen: sonnig und warm, ohne dass man ins Schwitzen käme. Ein richtiger Altweibersommer. Ich mag nicht nur diesen Wettertyp, sondern auch das Wort: Altweibersommer.

Ich dachte immer, dass der Altweibersommer so genannt wird, weil er ideal ist für ältere Damen (früher nicht  allzu abschätzig gemeint alte Weiber genannt), die sonst über den Kreislauf belastende Hitze oder Gelenkschmerzen fördernde Nasskälte zu klagen haben. Das würde auch erklären, weshalb ich dieses Wetter mag, denn zu der Katogorie gehöre ich ja auch schon bald. Ich bin zwar keine Dame, aber doch schon etwas älter und hin und wieder über die Gesundheit klagend. Über Gesundheitsprobleme und die aktuelle Wetterlage zu klagen ist bekanntlich nicht nur dem weiblichen Geschlecht eigen. Wie dem auch sei, meine Ideen zur Wortherkunft stimmen nicht. Es gibt nämlich eine poetischere Erklärung:

Der Altweibersommer verdankt seinen Namen den Spinnenfäden, die im Herbst durch den Wind davongetragen werden. Ob diese Spinnenfäden mit den grauen Haaren alter Frauen verglichen wurden? Sie haben auf jeden Fall noch andere schöne Namen wie Marienseide, Marienfäden oder Herbstfäden. Es könnte auch sein, dass weib nicht mit dem alten Wort für Frau, sondern mit weiben, einem alten Wort für weben, zu tun hat. Wie sich die Herkunft des Wortes Altweibersommer genau erklären lässt, ist also nicht völlig geklärt.

Auch wenn es vielleicht nicht ganz stimmt, gehe ich doch noch davon aus, dass Altweibersommer eine Zusammensetzung ist, die aus einem Adjektiv und zwei Substantiven besteht. Dieser Wortbildungstyp kommt relativ häufig vor, insbesondere mit Zahlwörtern an erster Stelle. Er bildet Wörter wie Achtfamilienhaus, Fünfsternehotel, Vielvölkerstaat und Mehrparteiensystem, aber eben auch so schöne Wortschöpfungen wie Dreitagebart, Hinterzungenvokal, Schwarzfersenantilope, Sechstagerennen, Siebenmeilenstiefel, Weißwangengans, Weitstreckenwagen, Zwölfprophetenbuch und (vielleicht) Altweibersommer.

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K.