Herbststurm

Letztes Wochenende konnte ich noch den Altweibersommer genießen. Dieses Wochenende sieht es ganz anders aus: Herbststurm. Das ist weiter nicht schlimm. Wenn es draußen gar nicht richtig hell werden will und der Regen in Böen mehr waagrecht fliegt als senkrecht fällt, darf man ganz ohne schlechtes Gewissen die Heizung andrehen und dann wird es so richtig schön gemütlich. – Das ist natürlich nur der übliche Versuch, den Ärger über das schlechte Wetter in den Griff zu kriegen.

Beim Wort Herbststurm musste ich an eine Episode aus der Zeit denken, in der ich als Student Anderssprachigen Deutschunterricht gab. In einer der ersten Stunden kam das Gegensatzpaar gut–schlecht vor. Bei gut war noch alles in bester Ordnung. Beim Lesen des Wortes schlecht verdüsterte sich aber die Stimmung wie das heutige Wetter. Eine spanische Dame schaut mich beinah entsetzt an und meinte, dass sie so etwas wohl nie werde aussprechen können. So viele Mitlaute und nur ein einziger Selbstlaut! Für Spanischsprachige, die sich eine voll klingende Sprache mit vielen Vokalen gewöhnt sind, muss schlecht tatsächlich unaussprechbar aussehen. Das Gleiche gilt wohl auch für die Konsonantengruppen in Wörtern wie Zwetschge, Lieblingsschwester oder eben Herbststurm.

Solche Anhäufungen wenig klangvoller Laute sind für zum Beispiel Spanisch- und Italienischsprachige tatsächlich sehr schwierig auszusprechen. Der Spanierin im Deutschkurs ist es allerdings damals bereits beim dritten Versuch gut gelungen. (Woran sie wirklich beinah verzweifelt wäre, ist das weibliche der in der Dativform der Spanierin.) Unlernbar ist es also nicht. Und in der Welt der Sprachen ist es auch gar nicht so einzigartig. So haben zum Beispiel die slawischen Sprachen auch so ihre Konsonantenhäufungen. In Kroatien gib es die Insel Krk und der slowenische Name für Triest lautet einfach ganz selbstlautlos Trst. Von einem Besuch in Prag kenne ich noch das tschechische Wort für Eiscreme: Zmrzlina. Und damit bin ich wieder an dem Punkt angelangt, an dem ich mich davon überzeugen muss, dass nach der sommerlichen Eiscremezeit die herbstliche Sturmböenperiode auch etwas Positives hat …

1 Kommentar

  1. Benjamin schreibt:

    Oktober 10, 2008 um 00:59

    Mit „Streichholzschächtelchen“ kann man einen Deutschkurs Besucher zur Verzweiflung bringen.