Zimt

Unser französische Freund Jean-Claude mag Zimt nicht. Mit dieser Abneigung zu leben ist für ihn kein größeres Problem, denn Zimt lässt sich bei durchschnittseuropäischer Ernährung relativ einfach vermeiden, vorausgesetzt dass man auf den Genuss von Apfelkuchen verzichtet, dessen genaue Rezeptur man nicht kennt. Doch dann kommt die Adventszeit. Dann wird plötzlich alles stimmungsvoll „verweihnächtlicht“. Bei Backwerk und anderem Süßen geschieht das – sagt Jean-Claude – vor allem mit Zimt. Wahrscheinlich übertreibt er ein bisschen, aber es kann gut sein, dass die erhöhte Zimteinnahme gar nicht so auffällt, wenn einem dieses Gewürz bei nicht allzu aufdringlicher Verwendung eigentlich ganz gut schmeckt.

Jean-Claudes Abneigung kam mir gestern beim Anblick dreier Adventskerzen und dem Genuss von etwas Zimtigem in den Sinn. Wer mich kennt, kann es erraten: Es packte mich die Neugier nach dem Wort Zimt. Es ist so kurz und bündig, dass es eigentlich keinen Spielraum zum Rätseln lässt. Wenn man es von heute aus zurückverfolgt, ergeben sich ungefähr diese Etappen:

Zimt, Zimmet
mittelhochdeutsch: zimin, zinnemin, zinmint
althochdeutsch: zinamin, cinimin
lateinisch: cinnamum
griechisch: kínnamon (vgl. z. B. englisch cinnamon, polnisch: cynamon);
semitisch: qinnamon

Das Letzte hat vielleicht etwas mit malaysisch kayu manis = süßes Holz zu tun, aber das scheint ziemlich unsicher zu sein.

Weniger interessant als die genaue Wortgeschichte finde ich die Tatsache, dass das Wort trotz aller Klangveränderungen in direkter Linie ohne jegliche Bedeutungsverschiebung zurückverfolgt werden kann. Der Name bleibt so hartnäckig am Gewürz hängen wie gemäß unserem französischen Freund dessen Geschmack im Gaumen.

Dies gilt weniger für die französische Bezeichnung cannelle, die viel jünger ist. Sie bezieht sich auf die Form der Zimtstangen, denn cannelle bedeutete einfach Röhrchen, Stängel. Dieses Wort gibt es übrigens auch im Deutschen: Kaneel bezeichnet die besonders edle Zimtart des Ceylon-Zimtbaumes, der ursprünglich in Sri Lanka (Ceylon) vorkam. Das Wort Kaneel kam aber nicht direkt aus Frankreich, sondern über das Holländische zu uns. Der Gewürzhandel mit dem Osten war ja früher lange Zeit fest in der Hand der Holländer.

Da Zimt im Niederländischen immer noch kaneel heißt und auch die Dänen und Schweden den Zimt kanel nennen, würde es mich gar nicht wundern, wenn man im Norden Deutschlands an einigen Orten nicht nur die edle Sorte, sondern allen Zimt Kaneel nennen würde. Doch dazu konnte ich keine Angaben finden. Was man nicht alles zum Namen eines Gewürzes schreiben kann …

1 Kommentar

  1. Henk schreibt:

    Dezember 16, 2008 um 13:59

    Zimt heisst im Plattdeutschen ebenfalls „Kaneel“ (in einigen Regionen auch „Kanehl“).