Branntwein, Weinbrand und Quittenwasser

Frage

Gemeinsam mit Freunden habe ich einen Schnaps aus Quitten hergestellt. Bei der Gestaltung des notwendigen Etikettes kam die Frage auf, ob es sich um Quittenbrand oder um Quittenbrannt handelt. Ich kenne zwar Branntwein aber keinen Weinbrannt.

Antwort

Sehr geehrter Herr M.,

auf dem Etikett sollte stehen:

Quittenbrand

Branntwein ist ein altes Wort, das irgendwann in früher Zeit aus einer Zusammenziehung der mittelhochdeutschen Wörter [ge]brannt[er] und wîn (= Wein) entstanden ist. Das Wort wurde früher übrigens auch im Wortinnern gebeugt. So ruft zum Beispiel bei Schiller der Räuber Roller, übrigens aus auch heute noch gut verständlichen Gründen, nämlich nach seiner Rettung vom Galgen: „Gebt mir ein Glas Branntenwein!“ (Schiller, Die Räuber, 2. Akt, 3. Szene).

Mit Branntwein bezeichnet man heute ganz allgemein eine durch Brennen (Destillation) hergestellte alkoholhaltige Flüssigkeit. Ursprünglich war es aber ein Brand (ein Destillat) aus Wein. Ein solches Destillat aus Wein nennt und schreibt man entsprechend Weinbrand. Ebenso: Aprikosenbrand, Heidelbeerbrand, Kirschbrand, Pflaumenbrand, Zwetschgenbrand usw.

Für die Obstbrände gibt es übrigens auch einen Namen auf -wasser, der mir in seiner verhüllenden Art auch ganz gut gefällt: Aprikosenwasser, Heidelbeerwasser, Zwetschgenwasser oder eben:

Quittenwasser

Mit freundlichen Grüßen und – wenn dann die Zeit des Kostens gekommen sein wird – zum Wohl!

Dr. Bopp

2 Kommentare

  1. Klugscheißer schreibt:

    März 3, 2009 um 14:02

    Die „verhüllende“ Bezeichnung „…wasser“ steht im Gegensatz zu „…geist“: Ein Kirschwasser beispielsweise wird aus dem vergorenen Saft von Kirschen gebrannt, ein Zwetschgenwasser aus Pflaumen/Zwetschgensaft usw. Einen Geist hingegen (berühmtestes Beispiel ist der Himbeergeist) stellt man her, indem man einen neutralen Alkohol (z.B. aus Getreide oder Kartoffeln) mit gemaischten Früchten (z.B. Himbeeren) mischt und diese Mischung noch einmal destilliert.
    Hintergrund ist, dass manche Früchte (wie Himbeeren) einfach zu wenig Saft liefern. Natürlich wäre auch ein „Himbeerwasser“ möglich, aber das könnte dann kaum noch jemand bezahlen.

  2. Silvia Kornfeld schreibt:

    Juli 1, 2010 um 05:21

    Einen Obstgeist mit (verdünntem) Primasprit aus gemaischten Früchten herzustellen bedeutet Verschenken von frischen Aromen. Selbstverständlich verwendet man zur Herstellung von z.B. Himbeergeist frische Himbeeren in einem Aromakorb und lässt den in der Brennblase entstehenden Alkoholdampf den Aromakorb mit den Früchten durchströmen. Der Effekt ist wie bei der Dampfdestillation von Ätherischen Ölen. Die aufsteigenden Dampfmoleküle nehmen die ätherischen Öle aus den Himbeeren huckepack und reichern damit das Destillat an. Bereits gemaischte Früchte haben viele Aromen eingebüßt.