In keinster Weise

Frage

In „keinster Weise“, sehr geehrter Herr Dr. Bopp, glaube ich Sie zu überfordern, wenn ich frage ob kein so steigerbar ist, wie es im z.B. Deutschen Bundestag oft gesteigert wird.

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

das Wort kein hat im Prinzip keine Steigerungsformen. Im Standarddeutschen kann man deshalb nur sagen in keiner Weise. In der Umgangssprache – und offenbar auch im Bundestag – hört man allerdings oft die nachdrücklichere Form in keinster Weise. Im Standarddeutschen sollte man diese Form höchstens bewusst scherzhaft übertreibend verwenden, denn sie gilt dort allgemein als nicht korrekt. Irgendwie klingt die Wendung in keinster Weise auch etwas gar gewichtig. Das könnte ihre häufigere Verwendung in Debatten im Bundestag erklären …

Wenn man es mit Nachdruck sagen will, sagt man wohl besser in gar keiner Weise oder ganz schlicht und einfach überhaupt nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

4 Kommentare

  1. Jens schreibt:

    März 2, 2009 um 19:22

    Bei der Form „in keinster Weise“ handelt es sich um den Elativ, auch „absoluter Superlativ“ genannt, der als stilistische Form außer Konkurrenz verwendet wird, ohne tatsächlich einen Vergleich anzustellen, um außergewöhnliche Höflichkeit, Entrüstung, Qualität, Trauer oder Demut auszudrücken: herzlichst, mit freundlichsten Grüßen, möglichst, gefälligst, gütigst, in tiefster Trauer, beim besten Willen, beim leisesten Anzeichen, baldigst. Ebenso: „in keinster Weise“.

    Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/0,1518,311738,00.html

  2. Dr. Bopp schreibt:

    März 3, 2009 um 11:11

    Dieses Zitat von Zwiebelfisch ist nicht ganz unumstritten. Den Elativ gibt es natürlich und er wird auch häufiger verwendet, wie die Beispiele zeigen. Umstritten ist der Teil „Ebenso: in keinster Weise“. Im Unterschied zu allen anderen Beispielen ist kein nicht ein Adjektiv oder adverbial verwendetetes Adjektiv, sondern ein unbestimmtes Pronomen und Artikelwort. Die Diskussion geht dann darum, ob ein Pronomen und Artikelwort einen Elativ bilden kann. Ich bin aber einverstanden, dass die Wendung in keinster Weise eine in Analogie mit dem Elativ gebildete Form enthält. Ich sage auch nicht, dass die Form grundsätzlich „falsch“ ist, denn in der Sprache ist oft viel mehr möglich, als die Regeln besagen. Ich weise nur darauf hin, dass diese Form in der Standardsprach als nicht korrekt gilt und dass ich sie für stilistisch unschön (zu schwerfällig und pompös) halte.

  3. Ivan schreibt:

    März 22, 2009 um 11:03

    Also Positive, Komparative, Superlative und Elative sind ja Steigerungsformen eines Adjektivs.

    „kein“ ist allerdings ein Indefinitpronomen. Zu vergleichen mit „manch“, usw. !

    „viel“ ist zwar auch ein Indefinitpronomen allerdings auch ein Adverb. Deswegen gilt hier die Steigerungsform: viel – mehr – am meisten.

    Aber bei „kein“ ist das schon was anderes. Die Steigerung kein – keiner – am keinsten ist (zumindest in der deutschen Standardsprache; wie Dr. Bopp bereits sagte) falsch.

    In der Umgangssprache ist es selbstverständlich nicht falsch. Dort werden viele Formen wie z.B. „bestmöglichst“, „schulterzuck“, „AGBs“, usw. verwendet.

  4. Thomas Hanke schreibt:

    März 9, 2015 um 16:33

    Eventuell interessant dazu: http://hypermedia.ids-mannheim.de/call/public/fragen.ansicht?v_kat=&v_id=3187