Der Haupteingang im/ins Rathaus

Frage

Ich muss ein Protokoll verfassen und bin mit einem Kollegen uneins. Wie lautet der Satz richtig: „Eine Aktion des Rates war die Beteiligung am barrierefreien Umbau des Haupteingangs im Rathaus oder ins Rathaus“?

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

beide Formulierungen klingen eher unüblich. Doch Sie wollen wahrscheinlich wissen, wer recht hat. Die Antwort lautet wieder einmal: Beides ist möglich.

Wenn Sie vom Haupteingang im Rathaus reden, behandeln Sie den Haupteingang als einen Gebäudeteil wie zum Beispiel die Empfangshalle, den Treppenaufgang usw. Wenn Sie Haupteingang ins Rathaus sagen, reden Sie vom Haupteingang als dem Ort, der den Zugang zum Rathaus ermöglicht. Beide Sichtweisen sind möglich.

Das ist aber noch nicht alles: Die meiner Meinung nach üblichste und unproblematischste Formulierung ist Haupteingang des Rathauses: „Eine Aktion des Rates war die Beteiligung am barrierefreien Umbau des Haupteingangs des Rathauses.“

Das Schöne und manchmal ärgerlich Verwirrende an der Sprache ist, dass es fast immer mehrere Ausdrucksmöglichkeiten gibt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

4 Kommentare

  1. Bernd schreibt:

    Mai 21, 2009 um 13:05

    Unüblich und unproblematisch ja – schön ist das doppelte DES aber nicht 🙂

  2. Bernd schreibt:

    Mai 21, 2009 um 13:07

    Entschuldigung, ich meinte natürlich „üblich“, nicht „unüblich“.

  3. Dr. Bopp schreibt:

    Mai 22, 2009 um 09:44

    Es geht hier um ein Protokoll, nicht um ein literarisches Werk. Zwei Genitive hintereinander sollten deshalb erlaubt sein. Ich finde im Allgemeinen auch sonst Wiederholungen dieser Art nicht so schlimm. So gefällt mir als als nicht weniger gut als denn als und von mir aus muss auch ein die die nicht unbedingt durch das schwerfälligere welche die ersetzt werden. Aber Stilistisches ist Geschmackssache und bekanntlich lässt sich über Geschmack – im Gegensatz zu dem, was das Sprichwort sagt – stundenlang streiten.

  4. Bernd schreibt:

    Mai 22, 2009 um 11:26

    Sie haben Recht, ein Protokoll muss nicht lyrisch glänzen.

    Wenn Sie allerdings das Thema auf die Frage der Korrektheit reduzieren, dann erfüllen die beiden Formulierungen in der Frage das Soll und bedürfen keiner Alternative. Sie machen jedoch ein zusätzliches Angebot und verweisen sinngemäß darauf, dass das Schöne an der Sprache ihre Vielfalt sei. Ein ästhetischer Aspekt.

    Und weil Sie inhaltlich richtig liegen düften, habe ich mir eine Bemerkung zur meiner Meinung nach unschönen Dopplung erlaubt. Dopplungen verwirren oft, zwingen den Leser zu wiederholtem Lesen und ermüden das Auge.