Cappuccino, Cappuccinos und Cappuccini

Frage

Es geht um die Pluralbildung des Wortes Cappuccino. Ihr Wörterbuch gibt Cappuccinos vor. Ist die italienische Variante Cappuccini zu geschmäcklerisch, zu altklug, arrogant? Oder gibt es einen objektiveren Grund, warum die Pluralbildung in diesem Fall eingedeutscht wird? Warum dann aber Mafioso – Mafiosi (und nicht Mafiosos)?

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

Wenn Sie Cappuccini sagen wollen, können Sie das natürlich tun. Man wird Ihnen auch ohne zu zögern mehrere Kaffee mit aufgeschäumter Milch servieren – außer dort natürlich, wo man das Rezept leicht bis mittelschwer abgeändert hat. In Frankreich zum Beispiel wird einem meistens ein Kaffee mit Schlagsahne als Cappuccino serviert. Wenn Sie im deutschen Sprachraum zwei Cappuccini bestellen, ist dieses Risiko geringer. Sie riskieren aber, dass Ihre Bestellung noch „hipper“ klingt als: Zwei Espressi bitte. Wenn ich zum Beispiel am Fernsehen jemanden zwei Espressi bestellen höre, ist das eine Person, die in einer Vorabendserie oder einem ZDF-Spielfilm mit einer Designersonnebrille im Haar in einem schicken Lokal oder an einer gestylten Bar sitzt. Aus irgendeinem Grund habe ich dort bis jetzt noch nie jemanden einen oder mehrere Cappuccinos/Cappuccini bestellen hören. Ob der italienische Plural dort je verwendet wird, weiß ich also leider nicht.

Der Plural Cappuccini ist im Deutschen noch ungebräuchlicher als der Plural Espressi. Man kennt ihn eigentlich nur wenn man Italienisch kann oder wenn man oft in Italien war. Warum man fast ausschließlich Mafiosi sagt, man neben Espressos auch Espressi verwendet, aber bei Cappuccino der italienische Plural kaum vorkommt, weiß ich leider ohne weitere Nachforschungen nicht. Vielleicht liegt es daran, dass man hierzulande schon seit Jahrzehnten Mafiafilme kennt und der Espresso schon lange den Mokka abgelöst hat, während der Cappuccino seinen Eroberungszug nördlich der Alpen erst vor relativ kurzer Zeit angetreten hat.

Andere Wörterbücher machen für diese Wörter die gleichen oder ähnliche Angaben wie Canoonet. Vielleicht hört man die Form Cappuccini ja nach den Sommerferien häufiger, wenn alle vom Urlaub am Gardasee, in der Toskana und auf Sizilien zurückgekehrt sind. Wir werden dann prüfen, ob wir beim Eintrag Cappuccino zusätzlich die italienische Pluralform angeben sollen. Bis die italienische Form sich etwas besser etabliert hat, können Sie diese Klippe auch einfach umschiffen, indem Sie wie zum Beispiel bei Kaffee ganz korrekt den Singular verwenden: Zwei Cappuccino bitte.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

4 Kommentare

  1. Fehlerleser.de schreibt:

    August 8, 2009 um 09:17

    Es soll ja Leute geben, die stellt schon der Singular des Kaffeegetränks vor Probleme. Siehe auch hier: http://www.fehlerleser.de/2009/08/cappoccino/

    Schöne Grüße.

  2. Ivan schreibt:

    September 10, 2009 um 13:38

    Dr. Bopp, ich hätte da so eine ähnliche Frage:

    Dürfen Fremdwörter genau so flektiert werden, wie in der Herkunftssprache?

    Als Plural von Wodka ist in ihrem Wörterbuch „Wodkas“ angegeben. Im Russischen heißt es jedoch wodki. Kann ich also auch im Deutschen „Wodki“ sagen?

    Und wie sieht es beispielsweise mit Abakus aus? Darf ich „Abaki“ sagen (im Lateinischen gilt der Plural abaci)?

    Und wie sieht es mit Singularen aus? In ihrem Wörterbuch steht, dass es keinen Singular von „Spaghetti“ gibt. Im Italienischen gilt jedoch der Singular spaghetto, auch wenn der Singular ungebräuchlich ist, da selten nur eine dünne schnurförmige Nudel auf den Tisch kommt!

  3. Dr. Bopp schreibt:

    September 10, 2009 um 14:21

    Sie können fremdsprachliche Formen verwenden. Man sollte aber darauf achten, dass man allgemein verständlich bleibt. Wenn Sie von „Wodki“ sprechen, werden nur wenige auf Anhieb verstehen, was Sie meinen. Der im Deutschen gebräuchliche Plural ist nun einmal „Wodkas“. Auch den Singular „Spaghetto“ können Sie verwenden, aber auch da wird man Sie eher zweifelnd anschauen. Diese Form ist im Deutschen ungebräuchlich, wenn nicht gar unbekannt. Sie risikieren mit solchen Formen nicht nur, dass man Sie nicht versteht, sondern auch, dass Sie außerhalb von Fachkreisen den Eindruck eines Bildungssnobs machen. Am besten hält man sich deshalb an im Deutschen einigermaßen gebräuchliche Formen. Eine allgemeingültige Regel dafür, bei welchen Fremdwörtern man fremdsprachliche und bei welchen eingedeutschte Formen verwendet, gibt es übrigens nicht.

  4. Ivan schreibt:

    September 10, 2009 um 14:42

    Danke!

    Ich orientiere mich übrigens auch immer nach der gebräuchlichsten Verwendung.