Klopapier statt Steine(n)

Frage

Kürzlich ereiferte sich eine Gruppe von Freunden ob meiner Zweifel an der Korrektheit einer Überschrift namens Klopapier statt Steine. Ich war der Überzeugung, das müsste Klopapier statt Steinen heißen.

Antwort

Sehr geehrter Herr F.,

die alten Griechen sollen ja bei der Toilettenhygiene Steine und Tonscherben statt Klopapier verwendet haben. In diesem Fall darf man sicher feststellen, dass der Fortschritt uns auf jeden Fall sehr viel Komfort gebracht hat. Wir verweichlichten Neuzeitler verwenden ja heutzutage glücklicherweise Klopapier statt Steine(n).

Es geht hier aber nicht um die Entwicklung oder die Vorzüge bestimmter Reinigungstechniken, sondern um die Wortbeugung. In diesem Fall sind beide Formen möglich. Das Wort statt kann sowohl als Präposition (wie anstatt) als auch als Konjunktion (wie und nicht) verwendet werden. Im ersten Fall heißt es:

Klopapier statt Steinen

Im zweiten Fall heißt es:

Klopapier statt Steine

In Überschriften und Schlagworten – aber nicht nur dort – wird statt oft als Konjunktion verwendet.

Präposition
Statt Worten will ich Taten sehen.
Statt großer Worte will ich Taten sehen.
Er hat statt des Datums die Uhrzeit notiert.

Konjunktion
Taten statt Worte!
Taten statt große Worte!
Ich gebe das Geld dir statt ihm.
Sie will mit einer Vertrauensperson statt mit dem Chef sprechen.

Sehen Sie hierzu und für weitere Informationen die Angaben in der Canoonet-Grammatik.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

2 Kommentare

  1. Bernard Brown schreibt:

    August 15, 2009 um 11:43

    In den guten alten Zeiten folgte auf \\\’statt\\\‘ aber ein Genitiv. Ist dieser vorsintflutliche Kasus also total verschwunden? Nach \\\’wegen\\\‘ wird ja ein Dativ wenigstens toleriert, und \\\’trotzdem\\\‘ kann ja dazu verleiten, auch \\\’trotz\\\‘ gleichfalls zu behandeln, aber \\\’statt\\\‘ sollte man doch lieber lassen, oder? Sonst muss bald \\\’stattdessen\\\‘ zu \\\’stattdem\\\‘ entarten.
    BB

  2. Dr. Bopp schreibt:

    August 17, 2009 um 08:16

    Es ist nicht ausreichend zu lernen (und zu lehren!), dass statt mit dem Genitiv steht und dann alles, was davon abweicht kopfschüttelnd als falsch abzutun. So gibt es eine Regel, die auch in der Standardsprache für viele mit dem Genitiv stehenden Präpositionen gilt: Wenn sich im Plural der Genitiv nicht vom Nominativ unterscheidet, wird bei stark gebeugten Nomen der Dativ verwendet:

    Preis ausschließlich der konsumierten Getränke
    aber: Preis ausschließlich Getränken

    während vieler Jahre
    aber: während fünf Jahren

    wegen besonderer Umstände
    wegen Umständen

    und eben:

    Statt harter Steine verwenden wir Klopier.
    aber: Statt Steinen verwenden wir Klopapier.

    Dies sind standardsprachlich völlig korrekte Verwendungen des Dativs bei Präpositionen, die eigentlich mit dem Genitiv stehen.

    Weiter gilt für statt – und darum geht es im Blogeintrag, nicht um Genitiv oder Dativ – dass statt nicht nur eine Präposition, sondern eben auch eine Konjunktion ist (Bedeutung und Verwendung wie und nicht). Der Kasus der folgenden Nomengruppe wird dann nicht von statt bestimmt:

    Sie hat das Geld mir statt Ihrem Bruder gegeben.
    Rede mit mir statt mit ihm.
    Klopapier statt Steine!

    Diese Verwendung von statt als Konjunktion ist standardsprachlich obligatorisch resp. akzeptiert.

    Apropos Verdrängung des Genitivs durch den Dativ: Die Präposition trotz stand ursprünglich mit dem Dativ. Daher stammen auch die Ausdrücke trotzdem und trotz allem). Dass in der (nördlichen) Standardsprache heutzutage der Genitiv bevorzugt wird, ist eine neuere Entwicklung. Wenn Ihnen also so viel an der guten alten Zeit liegt, verwenden Sie ab jetzt nach trotz nur noch den Dativ…