Der Esel kommt zuerst

Eine Frage, die in einem Kommentar (statt hier) gestellt wurde:

Frage

Ist irgendwo verankert, dass man sich bei Aufzählungen nicht zuerst nennen darf, oder ist es nur eine „Anstandsregel“? Zum Beispiel: ich und meine Kinder oder
 meine Kinder und ich?

Antwort

Sehr geehrter Herr P.,

die Grammatik des Deutschen verbietet es nicht, in Aufzählungen sich selbst an erster Stelle zu nennen. Es ist eine reine Anstandsregel. Die Formulierung ich und mein Bruder, die man mich früher häufig sagen hörte, ist grammatisch völlig korrekt. Dennoch brachte sie mir – wie vielen anderen auch – meist ein ermahnendes „Der Esel kommt zuerst“ ein. (Auch „Der Esel nennt sich selbst zuerst“ hört man oft, doch das war bei uns nicht die übliche Variante.) Es ist also keine Frage der Grammatik, sondern eine Frage des Stils.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

4 Kommentare

  1. P. Timm schreibt:

    August 26, 2009 um 18:22

    Mich interessiert vielmehr warum hier der Esel als Vergleich herhalten muss….
    …hat nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun.

  2. Dr. Bopp schreibt:

    August 27, 2009 um 09:48

    Hier ist der Esel wohl nicht als mehr oder weniger poetischer Vergleich, sondern ganz prosaisch als Schimpfwort im Sinne von Dummkopf, törichter Mensch gemeint.

  3. Friedhelm Stuckenschmidt schreibt:

    März 7, 2015 um 17:37

    Interessante Diskussion, auch wenn das Thema schon etwas veraltet ist 🙁
    In vielen englischsprachigen Ländern ist es durchaus Usus, dass man sich zuerst nennt. Und keinen stört es.

  4. Dr. Bopp schreibt:

    März 9, 2015 um 14:32

    Der Artikel ist ja nicht mehr ganz taufrisch: Er ist schon beinahe sechs Jahre alt. Ich zweifle aber, ob das Thema wirklich so sehr veraltet ist, dass man es nicht mehr erwähnen sollte. Ich möchte vor allem erwähnen, dass nicht alles, was in vielen englischsprachigen Ländern üblich ist (wenn es das denn wirklich ist), sich einfach auf die deutschsprachige Welt übertragen lässt. Es ist ähnlich, wie mit dem Duzen: Allgemein gültige Regeln gibt es nicht – schon gar keine Grammatikregeln, darum ging es ja eigentlich. Hier spielen vor allem die Situation und die beteiligte Personen, aber auch evtl. auch die Region eine Rolle.