Kanzler, Kanzlei, abkanzeln

Aus einem in diesem Fall nicht gerade unerfindlichen Grund kam bei mir dieses Wochenende die Frage auf, woher denn das Wort Kanzler(in) stammen könnte. Damit meine ich nicht die geschichtlichen oder gar staatsrechtlichen Hintergründe, warum man in Deutschland einen Reichskanzler hatte und zurzeit gerade eine Bundeskanzlerin eine nicht ganz unwichtige Rolle im politischen Leben dieses Landes spielt. Ich meine nur ganz einfach das Wort.

Das Wort Kanzler geht auf das spätlateinischen Wort cancellarius zurück.  Ein cancellarius war im Mittelalter ein hoher Beamter, der für die Ausfertigung wichtiger Urkunden zuständig war. Wie  man ganz genau von dieser Bedeutung zur heute in Deutschland und übrigens auch in Österreich gebräuchlichen Bedeutung des Wortes Bundeskanzler(in) kam, weiß ich nicht so genau. Man kann sich diesen Bedeutungswandel aber leicht vorstellen.

Die cancellarii hatten ihren Namen der Tatsache zu verdanken, dass sie ihre Tätigkeit in einem durch Schranken oder Gitter abgetrennten Raum ausübten: in der Kanzlei (von lateinisch cancelli = Gitter, Schranken). Auch die Kanzel, von der aus man manchmal abgekanzelt wurde und wird, hat den gleichen Ursprung. Wenn man ein, zwei Schritte weiter zurückgeht, trifft man sogar auf den Vorläufer des Wortes Kerker. Man sollte also froh sein, dass bei Wörtern, die historisch miteinander verwandt sind, in der gegenwärtigen Sprache oft nur noch sehr wenig von dieser Verwandtschaft übriggeblieben ist. Was immer man eventuell von Bundeskanzlern und -kanzlerinnen halten mag, als die Gemeinde abkanzelnde Kerkermeister(innen) kann man sie glücklicherweise nicht bezeichnen.

K.