Vergleiche mit „als wie wenn“

Frage

Ist es grammatikalisch richtig einen Satz mit als wie wenn zu bilden? Zum Beispiel: „Du schaust, als wie wenn du gerade ein Gespenst gesehen hättest.“

Antwort

Sehr geehrte Frau B.,

so „gut geschmiert“ die Formulierung auch klingen mag, es ist standardsprachlich nicht richtig, einen Satz mit als wie wenn einzuleiten. Ihren Beispielsatz kann man in verschiedener Weise formulieren:

Du schaust, als hättest du gerade ein Gespenst gesehen.
Du schaust, als ob du gerade ein Gespenst gesehen hättest.
Du schaust, wie wenn du gerade ein Gespenst gesehen hättest.
Du schaust, als wenn du gerade ein Gespenst gesehen hättest.

Wie Sie sehen, gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten, wie man einen solchen irrealen Vergleichssatz einleiten kann. Die Kombination als wie wenn gehört aber nicht dazu. Das wäre wohl etwas gar viel des Guten.

Ein irrealer Vergleichssatz heiß so, weil mit ihm ein Vergleich ausgedrückt wird, der nicht wirklich ist. Man nimmt ja zum Beispiel hier nicht an, dass die angesprochene Person wirklich ein Gespenst gesehen haben könnte, so blass und verstört sie auch aussehen mag. Daneben gibt es auch „gewöhnliche“ Vergleichssätze, in denen als und wie auf wenn treffen. Zum Beispiel:

Im Standbybetrieb verbraucht das Gerät gleich viel Strom, wie wenn es eingeschaltet ist.
Im Standbybetrieb verbraucht das Gerät weniger Strom, als wenn es eingeschaltet ist.

Wenn man nicht mehr genau weiß, ob man bei einem Vergleich wie oder als verwenden sollte, wäre als wie wenn eigentlich ganz praktisch. Es enthält alles, was man so brauchen könnte. Die Standardsprache lässt diese Formulierung aber nicht zu. Man muss sich also bei einem solchen Vergleich entscheiden, ob man wie wenn (Gleichheit) oder als wenn (Ungleichheit) meint.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

2 Kommentare

  1. Blabla schreibt:

    Dezember 2, 2009 um 01:39

    Obschon sich selbst große Stilisten zu dieser Formulierung haben hinreißen lassen:
    „Eine durch tiefe Töne erzitternde Kirche, dumpfe, regelmäßige, zurückhaltende Anrufe einer priesterlichen Schaar, welche ihre Spannung unwillkürlich auf die Gemeinde überträgt und sie fast angstvoll lauschen lässt, wie als wenn eben ein Wunder sich vorbereitete, der Anhauch der Architektur, welche als Wohnung einer Gottheit sich in’s Unbestimmte ausreckt und in allen dunklen Räumen das Sich-Regen derselben fürchten lässt, — wer wollte solche Vorgänge den Menschen zurückbringen, wenn die Voraussetzungen dazu nicht mehr geglaubt werden?“ – Nietzsche

    http://www.textlog.de/21721.html

    😉

  2. Dr. Bopp schreibt:

    Dezember 2, 2009 um 11:30

    Gut gefunden!! Dazu dennoch drei Argumente:

    Nietzsche schreibt wie als wenn, nicht als wie wenn. Das ist ein sehr schwaches Argument, denn auch wie als wenn werden Deutschlehrer und Deutschlehrerinnen wohl zurecht nicht durchgehen lassen.

    Seit der zitierte Text geschrieben wurde, sind schon wieder ein paar Jährchen durchs Land gegangen. Was damals richtig war, kann heute als falsch gelten. Wir sprechen und schreiben anders als der große Philosoph und seine Zeitgenossen.

    Und selbst wenn Obenstehendes nicht gilt, kann man sagen: Wenn wir alle Nietzsche wären … Große Schriftsteller genießen größere Freiheiten. Auch uns Normalsterblichen steht es frei, als wie wenn oder wie als wenn zu verwenden, aber wir riskieren dabei korrigiert zu werden. Ob das richtig und gerecht ist, ist dann eine ganz andere Diskussion.