Wer erschreckt heute Ihre Kinder?

Dass der Sankt Nikolaus aus der Türkei stammt, in Amerika unter dem Namen Santa Claus zum Weihnachtsmann mutiert und als solcher mit Coca Colas Hilfe nach Europa zurückgekehrt ist, wissen Sie vielleicht schon. Aber wussten Sie auch, dass er, der gütig-strenge Ermahner, der die Herzen der Kinderchen mit einer Mischung von Furcht und Vorfreude höher schlagen lässt, dass also dieser Nikolaus, Samichlaus, Santiklaus, Nikolo, Niglo oder wie Sie ihn nennen, je nach Region andere Begleiter hat, die für die Furcht der lieben oder eben nicht so lieben Sprösslinge zuständig sind?

Im Norden und in der Mitte Deutschlands kommt er zusammen mit Knecht Ruprecht. Im Rheinland begleitet ihn der Belznickel oder Hans Muff, im Elsass Hans Trapp und in der Schweiz meist der Schmutzli. Vom Südtirol über Österreich bis nach Bayern sind die Krampusse fürs Einschüchtern zuständig. All diese Figuren dien(t)en dazu, die Angst vor Ungehorsam zu schüren. Aber wie das so ist, ein Jahr ist lang, vor allem wenn man noch klein ist, so dass es auch Ruprecht, Krampus, Schmutzli und Konsorten nie gelungen ist, die lieben Kleinen sehr lange nur lieb sein zu lassen.

Wie man sieht, haben solche Bräuche viele regionale Varianten und Namen. Ich haben bei der Aufzählung bestimmt einige Begleiter des Sankt Nikolaus vergessen. Mit welcher Figur verunsichern Sie am heutigen Nikolaustag die nicht ganz so lieben Kleinen? Vor wem fürchteten Sie sich ein wenig, als Sie noch nicht ganz davon überzeugt waren, dass alles nur Verkleidung ist?

2 Kommentare

  1. Pat schreibt:

    Dezember 11, 2009 um 22:01

    die Herzen der Kinderchen oder das Herz der Kinderchen? Laut Duden: Bezieht sich das Substantiv auf eine Mehrzahl von Personen, steht es übrigens gewöhnlich im sogenannten einteilenden oder distributiven Singular, auch wenn das nicht sonderlich logisch erscheinen mag: Das Leid brach ihnen schier das Herz (nicht: die Herzen).
    http://www.duden.de/deutsche_sprache/sprachberatung/newsletter/archiv.php?id=226#was

  2. Dr. Bopp schreibt:

    Dezember 12, 2009 um 15:09

    Beides ist möglich. Es handelt sich bei dieser „Regel“ zum distributiven Singular wieder einmal um eine Regel, die man nicht zu stark verallgemeinern darf. Es ist richtig, dass bei Körperteilen und Dingen in Fällen wie den folgenden die Einzahl verwendet wird:

    Er schüttelte allen die Hand.
    Sie haben beide den Arm gebrochen.
    Das brach ihnen das Herz

    Und ein ganz berühmtes Beispiel:

    Die Hunde wedelten mit dem Schwanz.

    Das heißt aber nicht, dass man diesen distributiven Singular immer und überall anwenden MUSS. Schon bei roten Köpfen macht auch Duden eine (meiner Meinung nach recht gesuchte) Unterscheidung:

    Kopf: Sie bekamen einen roten Kopf / rote Köpfe: Der Singular bezeichnet die übertragene Bedeutung »sich genieren, ein schlechtes Gewissen bekommen«: Die beiden Jungen bekamen einen roten Kopf und schwiegen. Der Plural bezieht sich in solchen Fällen eher auf die wörtliche Bedeutung: Die Kinder bekamen vor Aufregung rote Köpfe.
    © Duden – Richtiges und gutes Deutsch, 6. Aufl. Mannheim 2007 [CD-ROM]

    Es ist also auch nach Duden, den Sie ja anführen, möglich, in solchen Fällen die Mehrzahl zu verwenden.

    Auch in anderen Fällen ist die Verwendung der Mehrzahl nicht nur möglich, sondern auch üblich. So halte ich den Satz „Die Ladenbesitzer schlossen ihre Geschäfte“ auch dann für richtig, wenn jeder Ladenbesitzer nur ein Geschäft hat. Man kann hier auch sagen: „Die Ladenbesitzer schlossen ihr Geschäft“, doch zwingen ist es nicht (oder nur dann, wenn man die Verwendung des distributiven Singulars zu der allgemeinen Regel macht, die sie in der Sprachrealität nicht ist).

    Die Mehrzahl ist vor allem dann üblich, wenn die „Besitzer“ des Körperteils oder der Sache als Genitivattribut folgen:

    Ideen, die sich in den Köpfen der Menschen festgesetzt haben
    Politiker versuchen die Herzen und Stimmen der Wähler zu gewinnen.
    Er hat die Herzen der schönsten Frauen gebrochen.
    Die Schwänze der Hunde wedelten schon vor Vorfreude.

    … und eben:

    Der Nikolaus lässt die Herzen der Kinderchen höher schlagen.