Zum Ende der Nullerjahre

Dieser Eintrag kommt eigentlich zu spät, denn die Rückblicke, Bestenlisten und Aufzählungen der unterschiedlichsten Höhepunkte des sich dem Ende neigenden Jahrzehnts sind ja schon fast alle zusammengestellt und veröffentlicht worden. Mir fällt dabei unter anderem auf, dass eine Frage, die viele am Anfang dieses Jahrhunderts beschäftigte, beantwortet zu sein scheint: Wie nennt man die Jahre des ersten Jahrzehnts eines Jahrhunderts? In sehr vielen Rückblicken findet man dafür das Wort Nullerjahre.

Die Nullerjahre. Ich finde es kein besonders schönes Wort – doch das ist reine Geschmackssache. Es ist ein praktisches Wort. Es bezeichnet ziemlich genau das, was gemeint ist, und es fügt sich problemlos in den Wortschatz des Deutschen ein. Die Siebzigerjahre, die Achtzigerjahre, die Neunzigerjahre – in diese Reihe passen die Nullerjahre ausgezeichnet. Auch strengste Anglizismenjäger können nichts daran auszusetzen haben. Es findet sich bestimmt jemand, der „logische“ oder andere Einwände gegen diese Wortschöpfung hat, doch seit über die Sprache nachgedacht, gesprochen und geschrieben wird, hat es wohl noch nie eine sprachliche Neuerung gegeben, gegen die niemand etwas einzuwenden gehabt hätte. Die Nullerjahre sind also ganz zu Recht auf dem Weg, sich durchzusetzen.

Eigentlich wollte ich nur ganz kurz etwas zur Rechtschreibung sagen. Während man sehr oft ganz richtig die Nullerjahre liest, begegnet man auch hin und wieder anderen Schreibungen wie die Nuller-Jahre und die Nuller Jahre.  Die erste Schreibung enthält einen unnötigen, aber nicht grundsätzlich falschen Bindestrich. Die zweite Schreibung ist falsch. Wenn Nuller ein Substantiv ist, muss es mit Jahre zusammengeschrieben werden: die Nullerjahre. Wenn man es als vorangestelltes Adjektiv interpretierte, müsste es wie zum Beispiel achtziger kleingeschrieben werden: die nuller Jahre (vgl. achtziger Jahre). Sie schreiben also am besten in den Nullerjahren des 21. Jahrhunderts (oder, wie ich es rein stilistisch vorziehe, im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts).

Guten Rutsch in die Zehnerjahre und ein glückliches neues Jahr!

Dr. Bopp

3 Kommentare

  1. Andreas schreibt:

    Dezember 30, 2009 um 11:36

    Nullerjahre und Zehnerjahre klingen beide leicht befremdlich, obwohl sie sich passend in die Bezeichnungen der einzelnen Dekaden eines Jahrhunderts einfügen.
    Richtig warm wird man aber erst ab den Zwanzigern.

    MfG

  2. Robert schreibt:

    Januar 11, 2010 um 12:47

    Was halten Sie denn von der Schreibung in Ziffern, also Nullerjahre/0er-Jahre analog zu Achtzigerjahre/80er-Jahre? Zum Teil sieht sogar die seltsame Lösung „00er-Jahre“ in der Presse, die Unfug ist.

  3. Dr. Bopp schreibt:

    Januar 12, 2010 um 12:42

    Die Zifferschreibung 0er-Jahre gefällt mir aus zwei Gründen nicht sonderlich: Einerseits ist sie relativ unleserlich, weil die 0 und das O einander doch sehr gleichen, und andererseits erfüllt sie auch Ihren Zweck als Abkürzung kaum: 0er-Jahre ist nur zwei Zeichen kürzer als Nullerjahre.

    Die Schreibung 00er-Jahre finde ich aus den gleichen Gründen noch weniger gelungen.