Anordnbar, anordbar, anordenbar

Frage

Ich bin auf dem Gebiet des Patentschutzes tätig und immer wieder begegnet mir das Wort „anordenbar“. Auf der einen Seite gibt es eigentlich für alle deutschen Verben auf „en“ die Möglichkeit ein „bar“ an die Grundform ohne „en“ anzuhängen; zum Beispiel: „essbar“, „trinkbar“, „machbar“, „schließbar“ usw. Bei Wörtern auf „nen“ wie „anordnen“ oder „öffnen“ funktioniert das aber nicht so einfach. Meine Frage lautet also: Gibt es das Wort „anordenbar“?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

das Wort anordenbar gibt es. Wie Sie richtig sagen, leitet man man Adjektive auf bar ab, indem man die Verbendung en (oder ggf. n) weglässt und dann bar an den Verbstamm anhängt:

ess-en – ess-bar
schließ-en – schließ-bar
auswechsel-n – auswechsel-bar

Bei Verben wie anordnen und öffnen führt dies aber zu so sonderbaren Formen wie *anordnbar und *öffnbar. Da solche Formen recht schwierig auszusprechen wären, fügt man im Verbstamm ein unbetontes e ein: anordenbar, öffenbar.

Genau dieses e ist bei solchen Verben einmal weggefallen. Das Verb ordnen hat den gleichen lateinischen Ursprung wie zum Beispiel das Nomen Orden. Es lautete früher u. a. auch ordenen. Das e ist erst später weggefallen. Auch bei öffnen kann man das weggefallene e gut in dem Wort wiederfinden, von dem das Verb abgeleitet ist: offen. Das e, das man zur Vereinfachung der Aussprache vor bar einfügt, ist also eigentlich das e, das zur Vereinfachung der Aussprache vor en wegfällt.

Beispiele:

zuordnen – zuordenbar (frei zuordenbare Kapazitäten)
anrechnen – anrechenbar (anrechenbare Kosten)
beatmen – beatembar (schwer beatembare Frühgeborene)
beregnen  – beregenbar (beregenbare Flächen)
bezeichnen – bezeichenbar (eine als positiv bezeichenbare Stimmung)
öffnen – öffenbar (öffenbare Fenster)

Das zusätzliche e lässt sich also relativ einfach erklären. Wie die Beispiele zeigen, sind einige dieser Formen auf –enbar trotzdem sehr ungebräuchlich. Es ist deshalb stilistisch oft besser, eine andere Formulierung zu wählen:

Fenster, die geöffnet werden können
eine Stimmung, die man als positiv bezeichnen kann

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

2 Kommentare

  1. Siegfried Newiger schreibt:

    Januar 25, 2011 um 05:05

    Guten Tag, Frau/Herr (?) Dr. Bopp! Aus der Ukraine, wo ich seit 15 Jahren bei meiner Frau lebe, kommt kein Diskussionsbeitrag, sondern eine Frage. Ich bin kein Philologe, meine ukrainischen Freunde haben mich trotzdem oder eben deswegen in ein extrem interessantes Projekt eingebunden. Semantische Suche im Internet mit semantisch gesteuerter automatischer Übersetzung der für eine korrekte Antwort relevanten Texte bzw. Textabschnitte. Dazu habe ich, soeben mit den deutschen Verben für das elektronische Wörterbuch DeutschRussisch befasst, eine Idee. Dafür benötigte ich in der Endkonsequenz eine Liste aller deutschen Verben. Ohne Ausnahme und vollzählig. Gibt es diese und wenn ja – ist sie im Internet wie zu finden? Mit freundlichen Grüßen Siegfried Newiger

  2. Dr. Bopp schreibt:

    Januar 25, 2011 um 14:22

    Sehr geehrter Herr Newiger,

    Informationen zu meiner Person finden Sie hier. Fragen und Kommentare, die nicht direkt mit einem Blogeintrag zu tun haben, können Sie auf dieser Seite oder über die dort angebebene E-Mail-Adresse an uns richten. Ich werde dann gerne versuchen, sie zu beantworten.

    Mit freundlichen Grüßen