Warum es einem zusammen schwerfällt und man es getrennt schwer hat

Keine Angst, es geht hier nicht um eine pessimistische Betrachtung zum Thema Beziehung oder um wohlgemeinte Lebenshilfe. Ich bleibe bei meinem Leisten und beschränke mich auf die Zusammen- und Getrenntschreibung.

Frage

So sehr ich mich auch mit den Regeln über das Getrennt- und Zusammenschreiben befasse, sie wollen mir nicht einleuchten. Ich stieß in der Süddeutschen Zeitung auf zwei Sätze, die mich abermals mit Fragezeichen im Kopf zurücklassen:

Angesichts massiven Widerstands dürfte es der Ministerin schwerfallen, ihre Pläne fristgerecht umzusetzen.

Sie dürfte es gerade mit Blick auf diesen Teil des Urteils schwer haben, diese Entscheidung zu verteidigen.

Wieso heißt es in diesen Sätzen „schwerfallen“, aber „schwer haben“?

Antwort

Sehr geehrter Herr L.,

man hat es hier tatsächlich nicht leicht. Verbindungen von einem Adjektiv und einem Verb schreibt man u. a. dann in einem Wort, wenn die Verbindung eine neue, übertragene Bedeutung hat. Dies ist bei schwerfallen im Sinne von Mühe bereiten der Fall. Die übertragene Bedeutung ist dabei weniger bei schwer als bei fallen zu suchen: Wenn einem etwas schwerfällt, fällt im eigentlichen Sinne gar nichts. Im wörtlichen Sinne bedeutet schwer fallen so etwas wie hart stürzen.

Anders sieht es bei schwer haben aus. Hier entsteht bei der Verbindung von schwer und haben keine wirklich neue Bedeutung, da haben allein schon oft eine wenig konkrete Bedeutung hat. Das Verb haben hat nicht nur die konkrete Bedeutung besitzen; so zum Beispiel in den folgenden Ausdrücken: Sorgen haben, Mitleid haben, Recht/recht haben, Glück haben, Mühe haben, es gut/schlecht haben und eben es schwer/leicht haben.

Es ist oft nicht einfach zu bestimmen, wann genau eine neue, übertragene Bedeutung vorliegt. Das sollte man aber nicht schwernehmen. Auch ich muss in solchen Fällen öfter im Wörterbuch nachschlagen, ob man nun getrennt oder zusammenschreibt.

Die Regeln und weitere Informationen finden Sie hier und hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

K.