Weibliche Motorschiffe

Eine Frage für Landratten und Binnenlandbewohner:

Frage

Ich las einen Artikel, in dem sinngemäß stand:  „… dann hat die MS Alexander …“ Mir ist die MS Alexander auch sympathisch. Es tönt angenehmer, gewohnter als das MS Alexander. Bin ich auf dem Holzweg, wenn ich MS als Motorschiff lese?

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

Sie sind nicht „auf dem Holzweg“. Schiffsnamen sind im Allgemeinen weiblich: die Titanic, die Hindenburg, die Bounty usw. Das gilt sogar dann, wenn eine an und für sich sächliche Abkürzung wie MS (Motorschiff) oder SS (je nach Sprache Steam Ship o. Segelschiff) Teil des Namens ist. Es heißt deshalb das Motorschiff »Alexander«, aber die »MS Alexander« oder einfach die »Alexander«. Ebenso zum Beispiel: die MS Hamburg, die MS Rossini, die SS Rotterdam, die TSS Carnivale usw.

Warum Schiffe immer weiblich sind, ist eine andere Frage, auf die ich bis jetzt keine vernünftige Antwort finden konnte – nur witzig Gemeintes wie „weil die Takelage so teuer ist“ …

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

4 Kommentare

  1. Jeremy schreibt:

    Dezember 9, 2010 um 15:20

    Ist übrigens auch im Englischen so, obwohl unbelebte Substantive generell sächlich sind!

  2. Elke Hesse schreibt:

    Dezember 9, 2010 um 19:14

    Hallo Dr. Bopp,

    dazu hab ich mal ein Kalenderblatt für den Duden geschrieben (Titel: Auf gut Deutsch!).
    Ich zitiere mich selbst:
    Wieso sind Schiffe eigentlich immer weiblich?
    Beim Philosophieren über Untiefen und unsinkbare Schiffe denkt man auch darüber nach, warum Schiffsnamen, selbst wenn sie eindeutig männlich sind, eigentlich immer mit dem Artikel »die« versehen werden. Das hat eine jahrtausendealte Tradition, bereits die Griechen und Römer in der Antike sahen ihre Schiffe als weibliche Wesen an. Ob das nun mit dem Aberglauben, wonach Schiffe Glück bringende weibliche Wesen darstellen, der Einsamkeit der Seemänner, die sich nach einer Frau sehnten, oder mit dem gelegentlich launischen Benehmen eines Schiffes auf hoher See zu tun hatte, sei dahingestellt. Die Engländer übernahmen jedenfalls diesen Brauch und seit Kaiser Wilhelm II. tun die Deutschen es ihnen nach.

    Viele Grüße, Elke Hesse

  3. Andreas schreibt:

    Dezember 9, 2010 um 19:26

    hab bis vor Kurzem nicht gewusst, dass „auftakeln“ eigentlich aus der Seemannssprache kommt und nur übertragen „sich überladen und geschmacklos kleiden“ bedeutet.

    MfG

  4. Dr. Bopp schreibt:

    Dezember 12, 2010 um 12:17

    Sehr geehrte Frau Hesse,

    vielen Dank für diese interessanten Informationen! Sie beschreiben, wie es wahrscheinlich dazu gekommen ist, dass im Deutschen Schiffe weiblich sind. Das Warum bleibt aber auch bei dieser Erklärung undeutlich, und das wird es wohl auch immer bleiben. Das ist nicht weiter schlimm, denn diese Ungewissheit lässt einem schön viel Raum zum Mutmaßen und Fantasieren.