Die Fälle entlang – entlang der Fälle

Frage

Ich habe ein Problem mit „entlang“: Heißt es „Gesteinsbänder, entlang denen die Strecke verläuft“ oder „Gesteinsbänder, entlang derer die Strecke verläuft“?

Antwort

Sehr geehrte Frau G.,

das Wort entlang lässt einem so viel Freiheit bei der Wahl des Falles, dass viele ganz unsicher werden und dann „vorsichtshalber“ den Genitiv verwenden. Das ist zwar auch richtig, aber nicht immer:

Das Wort entlang wird dem Substantiv oft nachgestellt. Es steht dann in der Regel mit dem Akkusativ:

Die Strecke führt die Allee entlang.
Den Fluss entlang stehen Trauerweiden.

(Selten steht v. a. in der Schweiz auch der Dativ:
Die Strecke führt der Allee entlang.
Dem Fluß entlang stehen Trauerweiden.)

Wenn entlang vorangestellt wird, folgt ihm der Genitiv oder der Dativ:

Die Strecke führt entlang der Allee.
Entlang des Flusses stehen Trauerweiden.
Entlang dem Fluss stehen Trauerweiden.

Auch in Ihrem Beispiel steht entlang vor dem Wort das es bestimmt. Es kann entsprechend mit dem Genitiv oder mit dem Dativ stehen. Beide Varianten, die Sie vorschlagen, sind deshalb richtig:

Gesteinsbänder, entlang denen die Strecke verläuft. (Dativ)
Gesteinsbänder, entlang derer die Strecke verläuft. (Genitiv)

Wem diese Auswahlmöglichkeiten noch nicht genügen, dem stellt der Genitiv noch eine Variante zur Verfügung. Das ist ein weiterer komplizierender Faktor bei Ihrem Beispielsatz. In der weiblichen Einzahl und wie hier im Plural lautet die Genitivform des Relativpronomens nicht nur derer, sonder auch deren:

Gesteinsbänder, entlang deren die Strecke verläuft.

Weitere Angaben finden Sie in der Canoonet-Grammatik hier und hier.

Das Wörtchen entlang kann einen mit all seinen Möglichkeiten ziemlich verunsichern! So kurz nachdem ich dies alles aufgeschrieben habe, wüsste ich jedenfalls nicht mehr spontan, was richtig ist. Glücklicherweise hat man bei der Wahl des richtigen Falles fast immer viel weniger Schwierigkeiten, wenn man nicht darüber nachdenkt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

2 Kommentare

  1. Gernot Back schreibt:

    Mai 3, 2011 um 15:58

    Hallo herr Dr. Bopp!

    Ist das wirklich richtig?

    Gesteinsbänder, entlang derer die Strecke verläuft.

    Ich habe mal gelernt, dass derer ausschließlich vorausweisend (kataphorisch) benutzt wird. Relativpronomen werden aber grundsätzlich rückweisend (anaphorisch) verwedet.
    Nach meinem Dafürhalten müsste es im Genitiv demnach ausschließlich wie folgt heißen:

    Gesteinsbänder, entlang deren die Strecke verläuft.

    http://faql.de/wortgebrauch.html#derer

    Freundliche Grüße

    Gernot Back

  2. Dr. Bopp schreibt:

    Mai 3, 2011 um 21:42

    Es ist richtig, dass beim Demonstrativpronomen deren rückweisend und derer vorausweisend verwendet wird.

    unsere Freunde und deren Kinder
    Gedenkt derer, die nicht mehr unter uns sind.

    Siehe hier.

    Beim Relativpronomen sind aber beide Formen üblich (allein stehend):

    die Leute, deren/derer wir heute gedenken
    Kriterien, anhand derer/deren entschieden wird.

    Siehe hier.

    Die Angaben, auf die ich verweise sind von Canoonet. Falls Sie diesen nicht vertrauen sollten, hier ausnahmsweise noch zwei Zitate:

    Das Relativpronomen der/die/das hat sowohl im Genitiv des Femininums als auch im Genitiv Plural die beiden Formen derer und deren.
    Wahrig, „Richtiges Deutsch leicht gemacht“, Bertelsmann-Wahrig 2009, S. 431

    Bei Rückweisung (und allein stehend, also keinem Substantiv vorangestellt) sind sowohl deren als auch derer korrekt:

      Die Person, deren/derer er sich annahm, … Die Taten, deren/derer sie sich rühmen, … Die Beweise, aufgrund deren/derer sie verurteilt wurde, …

    Duden, „Richtiges und gutes Deutsch“, 6. Aufl. Mannheim 2007 [CD-ROM]