Alle seine(r) Schüler

Vorwarnung: Heute gibt es wieder einmal etwas für Liebhaber und Liebhaberinnen grammatischer Erklärungen.

Frage

Was ist richtig: „Alle seine Schüler sind begeistert“ oder „Alle seiner Schüler sind begeistert“?

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

beide Formulierungen sind korrekt:

Alle seine Schüler sind begeistert.
Alle seiner Schüler sind begeistert.

Falls Sie an der Grammatik interessiert sind, können Sie weiterlesen. Falls Grammatisches Ihnen nicht so viel sagt, erfreuen Sie sich einfach der Vielfalt der Ausdrucksmöglichkeiten, die uns die deutschen Sprache bietet, und klicken Sie weiter!

Warum kann seine(r) Schüler hier sowohl im Nominativ als auch im Genitiv stehen? Das liegt daran, dass alle sowohl als Artikelwort als auch als Indefinitpronomen verwendet werden kann. Als Artikelwort bestimmt es seine Schüler. Als Indefinitpronomen folgt ihm das Genitivattribut seiner Schüler.

Artikelwort alle:

Alle Schüler sind begeistert.

Als Artikelwort kann alle mit anderen Artikelwörtern wie diese, jene und seine kombiniert werden:

Alle seine Schüler sind begeistert.

Das Subjekt des Satzes ist hier eine Nomengruppe mit dem Kern Schüler. Der Kern wird durch die Artikelwörter seine und alle erweitert.

Indefinitipronomen alle:

Alle sind begeistert.

Als Indefinitpronomen kann alle wie ein Nomen durch ein Genitivattribut erweitert werden:

Alle seiner Schüler sind begeistert.

Das Subjekt des Satzes ist hier eine Pronomengruppe mit dem Kern alle. Der Kern wird durch das Genitivattribut seiner Schüler erweitert.

Je nachdem, ob man alle hier als Artikelwort oder als Pronomen verwendet, steht alle seine Schüler oder alle seiner Schüler. Ich sehe keinen wesentlichen Bedeutungsunterschied zwischen den beiden Formulierungen. Mehr dazu finden Sie hier, hier und hier.

Dieses Beispiel zeigt, dass oft gleichberechtigt verschiedene grammatische Mittel angewandt werden können, um etwas auszudrücken. Hier ist die aus nur drei Wörtern bestehende Wortgruppe, die das Subjekt des Satzes bildet, ganz unterschiedlich strukturiert. Erstaunlicherweise sieht man dies an der Oberfläche nur an einem kleinen r.

Nachtrag:

Ganz so gleichberechtigt, wie ich es gerne hätte, sind die Formen allerdings nicht. Nach den strengeren Grammatikern gilt die Verwendung von alle mit einem Genitiv dieser Art aus irgendeinem Grund als „umgangssprachlich“ oder gar „falsch“. Wundern Sie sich also nicht, wenn nicht alle mit der Formulierung alle seiner Schüler einverstanden sind.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

8 Kommentare

  1. Ivan schreibt:

    Mai 10, 2011 um 13:25

    Das macht Spass:-)

  2. Jost schreibt:

    Mai 11, 2011 um 08:17

    Das ist mal eine schöne Erkenntnis! Ich bin auch den Links gefolgt, aber in einem Punkt ist mir die Verwendung von all/alles nicht ganz klar — in der klassischen Frage/Antwort-Kombination:

    „Wer will alles Eis?“ — „Ich will alles Eis!“

    In der Antwort ist es Artikel, okay. Aber in der Frage: ist das dort ein Indefinitpronomen? Mein (laienhafter, ich habe keine Ahnung von Grammatik) Test, ob man auch irgendein anderes Nomen/Pronomen einbauen könnte, hat irgendwie nicht geklappt. Ist es überhaupt eine grammatikalisch korrekte Form oder nur umgangssprachlich erlaubt?

    Danke!

  3. Dr. Bopp schreibt:

    Mai 11, 2011 um 11:18

    Das Wörtchen alles gehört zu den Wörtern, die sich einfach nicht eindeutig einer Wortgruppe zurechnen lassen wollen. Sein Verhalten im Satz ist deshalb manchmal schwierig zu klassifizieren. So auch hier:

    Wer will alles Eis?
    Wer alles will Eis?

    Es geht hier grob gesagt um die Verbindung eines Frage- und eines Indefinitpronomens. Dieses alles wird in Fragen und Ausrufen in unveränderlicher Form verwendet. Es kann dabei direkt nach dem Fragewort, aber auch getrennt von ihm stehen. Man meint damit wer/was im Einzelnen und insgesamt:

    Wer alles kommt mit?
    Wer kommt alles mit?
    Wen werdet ihr alles treffen?
    Mit wem alles hast du schon darüber geredet?
    Was war dort alles zu sehen?
    Was ich (nicht) alles schon versucht habe!

    Diese Verwendung von alles gilt als eher umgangssprachlich.

  4. Andreas schreibt:

    Mai 11, 2011 um 12:59

    Bei uns (AUT) sagt man: „Wer kommt denn aller mit?“. Dieses „aller“ ist aber wahrscheinlich nur eine andere Variante des oben genannten „alles“ und genauso umgangssprachlich.

    MfG

  5. Wolf Kirschnick schreibt:

    Juli 13, 2011 um 10:17

    heißt es im Genitiv: Der Hut eines seiner Männer oder der Hut einer seiner Männer?

  6. Dr. Bopp schreibt:

    Juli 20, 2011 um 12:47

    Es heißt richtig:

    Der Hut eines seiner Männer.

    Sehen Sie hierzu „Genitiv: einer statt eines“ auf dieser Seite in der Canoonet-Grammatik.

  7. Cuma Ulusan schreibt:

    September 10, 2011 um 15:02

    Hallo,

    in welchem Fall befinden sich die unbestimmten Artikel im dem Satz.

    Einer für Alle, Alle für Einen!

    Danke und Grüße!

    Cuma Ulusan

  8. Dr. Bopp schreibt:

    September 12, 2011 um 08:08

    Im Motto der drei Musketiere »Einer für alle, alle für einen« steht:

    einer im Nominativ:
    – Wer (ist) für alle? – Einer für alle.

    einen im Akkusativ:
    – Alle (sind) für wen? – Alle für einen.

    Es handelt sich bei einer und einen übrigens nicht um den unbestimmten Artikel, sondern um das Indefinitpronomen einer.

    Zu guter Letzt noch ein Hinweis: Für Fragen, die nicht direkt etwas mit einem Blogeintrag zu tun haben, verwenden Sie am besten die E-Mail-Adresse oder das Kontaktformular, die Sie auf dieser Seite finden.