Wenn mindestens, zumindest und zum mindesten nicht genügen

Ein Dauerbrenner in vielen Fragenrubriken zur deutschen Sprache:

Frage

Heute geht es um das gute, alte „zumindest“. Zumindest war ich bislang der Meinung, dass man so sagt. Nun höre ich aber immer häufiger, selbst in Fernsehnachrichten oder seriösen Reportagen, dass stattdessen „zumindestens“ gesagt wird. […] Seit nun eben auch noch die automatische Rechtschreibhilfe meines Schreibprogrammes diese Wendung vorschlug, bin ich reif für Ihre Hilfe!

Antwort

Sehr geehrte Frau H.,

das Standarddeutsche stellt uns drei ähnlich klingende Ausdrücke zur Verfügung, wenn wir „wenigsten, auf jeden Fall“ sagen möchten:

mindestens
zumindest
zum mindesten / zum Mindesten

Drei sind aber offenbar nicht genug, denn man hört tatsächlich häufiger auch die aus zumindest und mindestens zusammengebastelte vierte Form zumindestens. Man nennt eine solche Zusammenziehung zweier Wörter oder Wendungen eine Kontamination.

Kontaminationen sind nicht immer grundsätzlich falsch, aber das Wort zumindestens gilt (vorläufig noch?) als umgangssprachlich. Es sollte deshalb ähnlich wie zum Beispiel antelefonieren, berechtfertigen und meines Erachtens nach in der Standardsprache vermieden werden. Ihre Rechtschreibhilfe ist mit dem Vorschlag zumindestens ihrer Zeit zumindest ein paar Jährchen voraus.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

4 Gedanken zu „Wenn mindestens, zumindest und zum mindesten nicht genügen“

  1. Spontan fallen mir dazu noch das aus „nichtsdestoweniger/nichtsdestominder“ und „trotzdem“ zusammengebastelte „nichtsdestotrotz“ und die beiden grauenhaften Verben „anbelangen“ und „anbetreffen“, die häufig statt „anlangen“ und „betreffen“ verwendet werden, ein … Rechtsschreibprogramme enthalten leider auch viele umgangssprachliche Wörter und Formen; daher werden diese nicht als falsch markiert.

  2. Ach! „Meines Erachtens“ geht nicht? Die Abkürzung „m.E.“ verwende ich tatsächlich hin und wieder!
    Was sollte ich statt dessen schreiben?

  3. Sehr geehrte Frau Wieja, Sie können auch weiterhin meines Erachtens und m. E. verwenden, wenn Sie möchten. Sie können auch nach meinem Erachten oder meinem Erachten nach sagen und schreiben. Im Beitrag steht, dass man die Zusammenziehung der beiden Formulierungen, d. h. meines Erachtens nach, vermeiden sollte. Also:

    Dafür ist es meines Erachtens zu spät.
    Dafür ist es nach meinem Erachten zu spät.
    Dafür ist es meinem Erachten nach zu spät.

    Aber besser nicht:

    Dafür ist es meines Erachtens nach zu spät.

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