Meinetwegen

Frage

Ich kenne zwar keinen, der es sagt, aber man hört ja manchmal dass „wegen mir“ wohl eher „wegen meiner“ heißen müsste. Kehrt man die Reihenfolge um, bekommt man die viel üblichere Variante „meinetwegen“. Aber nur fast. Woher kommt eigentlich das t?

Antwort

Sehr geehrter Herr M.,

wenn man nicht wegen mir sagen will, weil der Dativ nach wegen standardsprachlich, gelinde gesagt, umstritten ist, empfiehlt es sich meinetwegen zu verwenden.

Macht euch meinetwegen keine Sorgen!
Wir sind nur euretwegen gekommen.

Die Formulierung wegen meiner hören Sie deshalb nicht sehr oft, weil sie veraltetet ist (oder das Resultat eines „Genitivkrampfes“, der manche beim Anblick des Wörtchens wegen befällt). Das Wort meinetwegen geht ursprünglich auf die Wendung von meinen wegen zurück. Im Verlauf der Zeit schlich sich der Übergangskonsonant t ein, der nur der Aussprache dient: meinent wegen, meinentwegen. Später fiel dann noch das n vor dem t weg, was zur heute üblichen Form meinetwegen führte. Eine ähnliche Entstehungsgeschichte haben auch meinethalben, allenthalben und meinetwillen. Ein eingeschobenes t findet man weiter auch bei zum Beispiel wöchentlich, hoffentlich, wesentlich u. a. m.

Im Zusammenhang mit der Ächtung des Dativs nach wegen gefällt mir das folgende „pikante“ Detail: Das Wort meinetwegen, das man anstelle von wegen mir zu verwenden hat, ist ursprünglich ein Dativ: von meinen wegen …

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

8 Gedanken zu „Meinetwegen“

  1. Sehr geehrter Herr Dr. Bopp,
    muss es in Ihrer Antwort an Herrn M.nicht eher „fiel“ heißen statt „viel“?
    Oder hat sich das durch die Rechtschreibereform(en) so verändert?
    MfG
    M. Tenzer

  2. Ich hätte diesbezüglich noch eine Frage, über deren Antwort Sie vielleicht – genauso wie ich – nur mutmaßen können:

    Warum wissen anscheinend so viele Leute nicht, dass es nicht „deretwegen“, sondern „derentwegen“ heißt? Man liest und hört ersteres erschreckend oft.

    Ich vermute, dass dies davon herrührt, dass bei diesem Wort das n gerade nicht weggefallen ist und es auch täuschend ähnlich klingt wie „meinetwegen“, „deinetwegen“, „ihretwegen“ etc.

    MfG

  3. Die Entwicklung von derentwegen ist nicht ganz diesselbe. Das deren war im Gegensatz zu den Possessivpronomen ein Genitiv: (von) deren wegen. Die n-lose Form deretwegen ist eine ältere Form, die auf dere, eine alte Nebenform des Genitivs deren, zurückzugehen scheint. Sie gilt jedenfalls heute als veraltet. Sie ist also nicht grundsätzlich als falsch anzusehen. Dies gilt auch für älter derethalben und deretwillen statt derenthalben und derentwillen. Es ist nicht auszuschließen, dass einige der heutigen Benutzer der n-losen Form nicht die alte Variante verwenden, sondern eine Form, die sie in Analogie mit meinetwegen, deinetwegen usw. bilden. Letzteres ist allerdings nur eine Vermutung, denn die alte und die evtl. angeglichene Form sehen ja genau gleich aus.

  4. Entsprechende Angaben finden sich zum Beispiel in Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 24. Auflage, de Gruyter, 2002, beim Stichwort meinethalben:

    meinethalben Adv std. (13. Jh.), mhd. von minen halben »von meiner Seite aus« […] Dann zusammengerückt, Einschub eines -t- als Übergangslaut und (wohl dissimilatorischer) Schwund des zweiten -n-. Entsprechend meinetwegen, meinetwillen.

    Weiteres dazu auch bei z. B. Grimm unter meinetwegen und meinetwillen.

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