Auf dass 2012 (noch) besser werde als 2011!

Frage

Bei Vergleichen habe ich zwei Möglichkeiten gesehen. Zum Beispiel:

Ich glaube, dass er besser ist als sein Vater.
Ich glaube, dass er besser als sein Vater ist.

Der erste Satz wirkt unnatürlich, aber er wird häufig verwendet. Ist er überhaupt richtig?

Antwort

Sehr geehrte Frau P.,

der erste Satz ist keine unnatürliche, sondern eine im Deutschen übliche Formulierung. Man lernt zwar als Grundregel, dass in Nebensätzen die konjugierte Verbform am Schluss steht, wie dies hier der Fall ist:

Ich glaube, dass er besser als sein Vater ist.

Doch wie es mit solchen Grundregeln so ist – es gibt Ausnahmen. In Vergleichssätzen wird die mit als oder wie eingeleitete Wortgruppe oft ganz an den Schluss gestellt. In einem Nebensatz steht sie dann hinter der konjugierten Verbform:

Ich glaube, dass er besser ist als sein Vater.

Diese Art, die Vergleichsgruppe ganz an den Schluss zu stellen, ist üblich und auch richtig. Sie ist meist sogar die gebräuchlichere der beiden Varianten. Andere Beispiele:

… weil ihr die Aufgabe schneller gelöst habt als wir.
… weil ihr die Aufgabe schneller als wir gelöst habt.

Sie haben gleich gut gespielt wie vor einem Monat.
Sie haben gleich gut wie vor einem Monat gespielt.

Er kam sich vor wie ein Anfänger.
Er kam sich wie ein Anfänger vor.

Und passend zum bevorstehenden Jahreswechsel:

Ich werde versuchen, im Jahr 2012 geduldiger zu sein als in diesem Jahr.
Ich werde versuchen, im Jahr 2012 geduldiger als in diesem Jahr zu sein.

Ich hoffe, dass Sie im neuen Jahr ebenso viele interessante Fragen stellen werden wie im vergangenen Jahr.
Ich hoffe, dass Sie im neuen Jahr ebenso viele interessante Fragen wie im vergangenen Jahr stellen werden.

Mehr zu diesem Thema finden Sie, wenn Sie möchten, auf dieser Seite in der Canoonet-Grammatik.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

5 Kommentare

  1. Martin schreibt:

    Dezember 29, 2011 um 19:15

    Lieber Dr. Bopp,

    handelt es sich dann trotzdem um ein einziges Satzglied? Also wurde in dem Satz „Ich glaube, dass er besser ist als sein Vater.“ das Satzglied „besser als sein Vater“ einfach durch das „ist“ geteilt, gehört aber syntaktisch zusammen?

  2. Nightstallion schreibt:

    Dezember 30, 2011 um 12:56

    Ich studier noch nicht so lange Linguistik, aber rein sprachwissenschaftlich würde ich bei den Konstruktionen, die die „als …“-Phrase am Satzende haben, eine Tilgung annehmen:

    Ich glaube, dass er besser ist als sein Vater [es ist].
    … weil ihr die Aufgabe schneller gelöst habt als wir [sie gelöst haben].
    Sie haben gleich gut gespielt wie [sie] vor einem Monat [gespielt haben].
    Er kam sich vor wie ein Anfänger [sich vorkommt].

  3. michael schreibt:

    Dezember 31, 2011 um 10:20

    @Fragesteller/in: Anders als Sie empfinde ich das zweite Beispiel „Ich glaube, dass er besser als sein Vater ist“ als unnatürlich. Sie sehen, das Sprachgefühl kann sehr unterschiedlich ist. Ich persönlich würde also immer die erste Variante wählen: „Ich glaube, dass er besser ist als sein Vater.“

  4. Dr. Bopp schreibt:

    Januar 3, 2012 um 11:24

    Man kann die Vergleichsgruppe mit als tatsächlich als verkürzten Nebensatz sehen. Das ist aber nicht unbedingt notwendig. Die Konjunktion als bindet einen Satzteil (als sein Vater) oder einen Nebensatz (als sein Vater es ist) in den Satz ein.

    Die Vergleichsgruppe kann als Attribut zu besser interpretiert werden. Auch Nebensätze können Attribut sein (vor allem Relativsätze, vgl. Attributsätze).

    das Geld, das du gestohlen hast

    Attribute stehen meist beim Wortgruppenkern, den sie bestimmen, aber nicht immer. Unter anderem Relativsätze und mit als oder wie eingeleitete Vergleichsätze werden oft ganz an den Schluss des Satzes gestellt (vgl. Besetzung des Nachfelds):

    Gib das Geld zurück, das du gestohlen hast!
    … dass er besser ist als sein Vater.

    Das Attribut steht getrennt vom Wortgruppenkern, den es bestimmt. Man kann hier also von „geteilten“ Satzgliedern sprechen.

  5. Nightstallion schreibt:

    Januar 3, 2012 um 11:52

    Stimmt, das kam letztens in der Grammatiktheorie-Vorlesung eh auch vor (scrambling und Nachfeld-Bewegungen im Deutschen). Erlaubt also zwei Interpretationen, ja.