Flamingos in NRW

Wenn Sie mich nun fragen, was Flamingos in Nordrhein-Westfalen zu suchen haben – und zwar nicht in einem öffentlichen Tiergarten oder einem Privatzoo, sondern in freier Wildbahn –, dann könnte die „humoristische“ Antwort lauten: Futter. Wir waren im Zwillbrocker Venn, im Münsterland, ganz an der niederländischen Grenze. Dort gibt es tatsächlich seit den Achtzigerjahren des letzten Jahrhunderts eine kleine Brutkolonie von Flamingos, die nördlichste der Welt. Lärmende Möwen, bewegungslos fischende Graureiher und ihre Flügel spreizende Kormorane sind ein schöner, aber vielleicht nicht allzu großes Staunen erregender Anblick in einem Naturschutzgebiet rund um einen kleinen See. Herumstelzende Flamingos hingegen passen irgendwie gar nicht in diese Szenerie. Sie taten uns sogar den Gefallen, ihr Futter ganz in der Nähe der Beobachtungshütte zu suchen, so dass wir sie auch ohne Fernglas gut bewundern konnten. Die „richtige“ Fotokamera war leider nicht dabei und die Handyfotos sind zu unscharf geworden, als dass man sie hier veröffentlichen könnte. Dieser Beitrag bleibt deshalb leider fotolos.

Nach einem wohlverdienten Bierchen in der Sonne fragte der berufsdeformierte Dr. Bopp sich natürlich nicht nur, wie Flamingos einen Winter wie den vergangenen an einem zugefrorenen Gewässer überstehen (sie ziehen offenbar an einen Ort mit einem nicht zugefrorenen Gewässer), sondern auch, woher das Wort Flamingo kommt.

Der Name Flamingo stammt aus dem Portugiesischen und Spanischen (flamingo resp. flamengo). Alles andere ist unsicher. Das spanische Wort könnte auf das provenzalische flamenc zurückgehen, das vom lateinischen Wort flamma (Flamme) abgeleitet ist und sich auf das flammend rotweiße Federkleid der Vögel bezieht. Das französische Wort für Flamingo, flammant, geht auch auf diese provenzalische Form zurück.

Eine andere Theorie besagt, dass der spanische Vogelname vom flämischen Wort Vlaming (= Flame) abgeleitet sei. Flandern war vom 16. bis ins 18. Jahrhundert ein Besitz der spanischen Krone und es gab lange Zeit intensive Kontakte zwischen Spanien und Flandern. Die Vögel hätten also ihren Namen der Ähnlichkeit mit der rosa Hautfarbe der Flamen zu verdanken. Wenn man bedenkt, dass die Flamen die Nachbarn der heutigen Niederländer sind, und man sich die von Weiß über Rosa in feuriges Rot verfärbende Haut des eben am spanischen Strand angekommenen holländischen Touristen vor Augen führt, ist diese Theorie gar nicht so abwegig.

Wahrscheinlicher ist aber dennoch, dass Flamingo über das provenzalische flamenc auf flamma zurückgeht. Im Spanischen sind die Bezeichnung für den Vogel und der Name der Flamen einfach lautlich zusammengefallen. Das heutige spanische Wort für beides ist flamenco. Wie nun der typisch spanische Flamencotanz zum Vogel und zu den Flamen passt, ist eine andere, ebenfalls nicht vollständig geklärte Wortgeschichte.

Wenn die rosarot gefiederten Vögel ihren Namen tatsächlich den Einwohnern der früheren Spanischen Niederlande zu verdanken hätten, wären sie heute ganz im Westen Nordrhein-Westfalens an der niederländischen Grenze doch nicht so fehl am Platz. Dieser „abrundende“ Schlusssatz klingt – ich gebe es zu – nur schon desalb ziemlich forciert, weil Vögel sich bei der Wahl ihrer Brutplätze keinen Deut um die europäische Geschichte kümmern.

2 Kommentare

  1. Winfried schreibt:

    Juni 11, 2012 um 08:28

    Freilebende Flamingos gibt es seit mehreren Jahren auch am Chiemsee (für alle Nichtbayern: im Voralpenland). Ich konnte sie dort in der Hirschauer Bucht vor einer Woche beobachten. Der Winter macht dieser Flamingoart nichts aus. Sie benötigen nur ein eisfreies Gewässer.

  2. Christian schreibt:

    Juli 5, 2012 um 21:31

    Hat zwar nichts mit der Herkunft des Namens zu tun:

    Zoobesuch im Jahr 1980 mit meinem Sohn (damals 3 1/2 Jahre). Die exotischen Vögel beeindruckten ihn offenbar nachhaltig. Denn auf die Frage, was ihm denn am besten gefallen hätte, kam es wie aus der Pistole geschossen:

    „Die Flaminguine!“

    Falls Ihnen einmal diese merkwürdige Kreuzung aus Flamingo und Pinguin in natura unterkommen sollte, dann wissen Sie, wer’s erfunden hat. 🙂

    Christian