Was soll denn das! Wo ist das Fragezeichen geblieben?

Während man die korrekte Verwendung des Kommas im Deutschen zweifellos zu den mittleren Katastrophen rechnen kann, gibt es zum Glück auch einfachere Satzzeichen: das Fragezeichen und das Ausrufezeichen. Ein Fragezeichen schließt eine Frage ab und ein Ausrufezeichen steht nach Ausrufen und Befehlen. Viel komplizierter ist es wirklich nicht. Unsere Rechtschreibung wäre aber nicht unsere Rechtschreibung, wenn es nicht doch ein paar Zweifelsfälle gäbe. Einen davon nennt Frau D. ganz zu Recht in der folgenden Frage :

Frage

Welches Satzzeichen setzt man nach folgendem Satz?

Bist du denn von allen guten Geistern verlassen?/!

Das Fragezeichen oder das Ausrufezeichen?

Antwort

Sehr geehrte Frau D.,

bei Ausrufen, die wie eine Frage formuliert sind, aber nicht als Frage gemeint sind, steht ein Ausrufezeichen:

Was soll denn das!
Kannst du nicht endlich damit aufhören!
Wie lange soll das denn noch dauern!
Bist du von allen guten Geistern verlassen!

Hier wird keine Antwort auf die Frage im wörtlichen Sinne erwartet. Solche „Fragen“ dienen z. B. dazu, seinem Unmut Luft zu machen.

Es ist auch möglich, Fragezeichen und Ausrufezeichen zu verbinden. Wenn auf eine Frage eine Antwort erwartet wird, sie aber wie oben auch ein Ausruf ist, kann dem Fragezeichen noch ein Ausrufezeichen folgen:

Gehst du schon wieder weg?!
Warum ausgerechnet ich?!
Wer hat die denn eingeladen?!

Weiter kann man mit der Wahl zwischen dem Fragezeichen und dem Ausrufezeichen in gewissen Fällen angeben, ob etwas als höfliche Frage oder eher als strenge Aufforderung gemeint ist. Das Fragezeichen entspricht dabei einem freundlichen Ton, das Ausrufezeichen einem eher bestimmten Ton in der gesprochenen Sprache:

Könntest du bitte still sein?
Könntest du bitte still sein!

Würden Sie bitte zur Seite treten?
Würden Sie bitte zur Seite treten!

Die auf den ersten Blick widersprüchlichen Kombinationen von Satzart und Satzzeichen sind dadurch begründbar, dass wir Fragen, Ausrufe und Aufforderungen nicht immer in Frage-, Ausrufe- und Aufforderungssätze gießen (vgl. hier). Ob ein Fragesatz als Frage, als Aufforderung oder als Ausruf gemeint ist, merken gute Zuhörer und Zuhörerinnen am Ton. In der Schrift können die Satzzeichen den Lesern und Leserinnen helfen, die richtige Nuance zu erfassen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

3 Kommentare

  1. Akira schreibt:

    Dezember 7, 2012 um 14:13

    Guten Tag
    Wir haben Ausrufezeichen (exclamation point, lat. exclamare, rausschreien), aber auch das Fragezeichen (interrogative point, lat. interrogare, fragen). Und wie wir aus einem und und einem oder ein und/oder machten, hat Martin K. Speckter 1962 sein sogenanntes Interrobang entworfen: ‽
    Er dachte, damit würden vor allem Werbeplakate etc. besser aussehen und man würde sich die Aneinanderreihungen von ? und ! sparen. Naja, scheinbar war es damals sogar ein wenig zur Mode geworden, heute mehr Reliquie als Usus. Dennoch gibts im aktuellsten Standardschriftsatz von Office (der da wäre: Calibri) immernoch eine wohlgehegte Glyphe namens Interrobang.

  2. Antonius Reyntjes schreibt:

    Dezember 8, 2012 um 01:35

    ?Wie oft habe ich schon danach gesucht, dass im Deutschen ein vorangestelltes Fragezeichen (wie im Spanischen) die Möglichkeit eröffnen würde (täte; könne, möge; sollte), eine Frage auch dann als Interrogativum explikativ auszusprechen, wenn kein Interrogativpronomen den Satzanfang schmückt. [An diesem Satz stört mich ‚wie oft‘! – Also nun denn, ohne das Interrogativ: ?Habe ich nicht oft schon… (scilicet)?] Inscriptio non erubescit.

  3. Dr. Bopp schreibt:

    Dezember 10, 2012 um 18:15

    Das Spanische Fragezeichen am Anfang des Satzes steht übrigens auf dem Kopf:

    ¿Como te llamas? (Wie heißt du?)

    Das gilt auch für das Ausrufezeichen am Satzanfang:

    ¡Olé!

    Noch schöner ist, dass es auch das im Deutschen weder so noch umgekehrt verwendete Zeichen Interrobang (‽) auf dem Kopf stehend gibt. Das Zeichen wird dann auch Gnaborretni genannt. Ich konnte leider nicht herausfinden, wie ich es hier darstellen muss. Deshalb die traditionellere Darstellung:

    ¡¿Verdad?! (Wirklich?!)