Aßlar, Esslingen, Pressburg

Die Rechtschreibreform liegt einige Jährchen zurück und die Wogen haben sich zumindest in der öffentlichen Diskussion seit einiger Zeit wieder geglättet. Auch an dieser Stelle werden kaum mehr Fragen dazu gestellt. Hier folgt doch noch ein Thema, das vielleicht noch für diejenigen neu sein könnte, die nicht in oder neben einem Ort wohnen, der mit ß geschrieben wird:

Frage

Heute geht es mir um eine Diskussion darüber, wie die deutsche Version von Bratislava zu schreiben ist. Da es sich um einen historischen Namen handelt, meine ich, dass es Preßburg heißen muss, also die Regeln der Rechtschreibreform in diesem Spezialfall nicht greifen. Allerdings sieht das die Redaktion der zweibändigen Ausgabe von „WAHRIG Die deutsche Rechtschreibung“, 2007, anders. Auf Seite 1360 steht blau hervorgehoben „Pressburg“ […].

Ein weiteres Argument für Preßburg: Auch die Schreibweise von Altjeßnitz, Aßlar, Aßling, an der Riß, Eßbach, Faßberg, Saßnitz und etlicher anderer Orte müssten – wenn Preßburg neuerdings Pressburg hieße, wohl geändert werden.

Antwort

Sehr geehrter Herr G.,

die aktuellen Ausgaben von Wahrig, Duden und Canoonet geben die Schreibung Pressburg an. Wie kommen sie dazu? Die Schreibung von Eigennamen ist nur bedingt an die Rechtschreibregelung gebunden. Eine wichtige Rolle spielt dabei, ob es sich um einen offiziellen Ortsnamen in einem deutschsprachigen Gebiet handelt oder nicht.

Bei offiziellen Ortsnamen (Städte, Dörfer, Länder, Landkreise, Bezirke usw.) in Regionen mit Deutsch als Amtssprache ist die Schreibung juristisch festgelegt. Diese amtlich festgelegte Schreibung kann nur durch einen Rechtsakt geändert werden, wenn sie zum Beispiel der Reformschreibung angepasst werden soll. Deshalb gelten an vielen Orten noch die hergebrachten Schreibungen: Aßlar, Aßling, Haßloch, Meßkirch. Bei Esslingen am Neckar und Sassnitz wurde der offizielle Name übrigens schon vor der Reform geändert: Eßlingen wurde 1964 offiziell zu EsslingenSaßnitz 1993 zu Sassnitz. Diese beiden Namen werden also seit der Reform sozusagen wieder „richtig“ geschrieben.

Bei anderen geografischen Namen (Weiler, Höfe, Berghütten, Flurnamen usw.) wird die Schreibung durch die Eigentümer oder durch verantwortliche Institutionen bestimmt. Es wird empfohlen, die Namen der reformierten Schreibung anzupassen, es gibt aber keine Verpflichtung dazu, denn auch die amtliche Regelung lässt bei geografischen Bezeichnungen Schreibungen zu, die nicht mit den allgemeinen Rechtschreibregeln übereinstimmen (Amtl. Regelung, Laut-Buchstaben-Zuordnung, Vorbemerkungen, Absatz 3.2.).

Es bleiben noch die deutschen Namen für Orte in Regionen, die nicht Deutsch als Amtssprache haben. Es wird empfohlen und es ist auch üblich, hier die neue Schreibung zu verwenden. Beispiele sind Elsass, Russland, Parnass (Griechenland), Pressburg, Schässburg (Rumänien) statt wie vor der Reform Elsaß, Rußland, Parnaß, Preßburg, Schäßburg.

Dies erklärt die unterschiedliche Handhabung der ss/ß-Schreibung bei zum Beispiel Aßlar und Pressburg.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

K.