Wasser sparen hilft die Umwelt schonen, und das mit und ohne „zu“

Liebhaber und Liebhaberinnen einer einzigen korrekte Formulierung ist das folgende Thema wohl eher ein Gräuel. Wer Variantenvielfalt mag, lese weiter und freue sich!

Frage

Ich bin etwas unsicher bei manchen Infinitivkonstruktionen, wenn sie ohne „zu“ stehen. Zum Beispiel:

Wasser sparen hilft die Umwelt schonen.

Ist dieser Satz als mögliche Verkürzung von „Wasser zu sparen hilft die Umwelt zu schonen“ zulässig oder ist das „zu“ obligatorisch?

Antwort

Sehr geehrter Herr U.,

der Satz kann ohne zu formuliert werden:

Wasser sparen hilft die Umwelt schonen.

Die erste Infinitivkonstruktion ist das Subjekt des Satzes: Wer oder was hilf die Umwelt zu schonen? Wenn eine Infinitivkonstruktion die Funktion des Subjekts hat, kann sie mit oder ohne zu stehen:

Dich zu verstehen ist nicht immer einfach.
Dich verstehen ist nicht immer einfach.

Somit auch:

Wasser zu sparen hilft …
Wasser sparen hilft …

Je länger und komplexer die Infinitivkonstruktion ist, desto üblicher ist es übrigens, zu zu verwenden. (Siehe diese Grammatikseite ganz unten. Dort finden Sie auch Angaben zum dem, was nun folgt).

Die zweite Infinitivkonstruktion ist von helfen abhängig. Wenn der Infinitiv allein steht, steht er ohne zu:

Er hilft mir abwaschen.

Eine erweiterte Infinitivgruppe steht bei helfen meistens mit zu, sie kann aber auch ohne zu verwendet werden:

Er hilft mir[,] das Geschirr abzuwaschen.
Er hilft mir das Geschirr abwaschen.

Die zweite Infinitivkonstruktion in Ihrem Beispiel steht somit eher mit zu, sie kann aber auch ohne zu stehen:

… hilft Wasser zu sparen.
… hilft Wasser sparen.

Beide Infinitivgruppen können also mit oder ohne zu stehen. Daraus ergeben sich alles in allem vier mögliche Formulierungen:

Wasser zu sparen hilft die Umwelt zu schonen.
Wasser sparen hilft die Umwelt zu schonen.
Wasser zu sparen hilft die Umwelt schonen.

und eben auch:

Wasser sparen hilft die Umwelt schonen.

Genau genommen gibt es orthografisch sogar noch mehr Möglichkeiten. Die „zu-lose“ Infinitivgruppe Wasser sparen kann nämlich auch als Substantivierung aufgefasst und zusammengeschrieben werden (das Wassersparen):

Wassersparen hilft die Umwelt [zu] schonen.

Weiter können die Infinitivgruppen mit zu fakultativ durch ein Komma abgetrennt werden (Regel). Ich erspare aber Ihnen und nicht zuletzt auch mir die Aufzählung der dadurch entstehenden möglichen Schreibvarianten. Die Variantenvielfalt ist jetzt schon groß genug!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

1 Kommentar

  1. Antonius Reyntjes schreibt:

    Februar 13, 2013 um 19:34

    Gibt es denn schriftsprachliche Beispiele für den sparsamen Gebrauch zu „helfen“ ohne „zu“? In der deutschen Literatur. Abgesehen von Beispielssätzen in der und für die Grammatik?
    Ich denk mal: „zu helfen bereit“?
    „Wow, bist du in der ‚Bürgschaft’“
    „Ja, du brauchst mir nicht … helfen: ‚Ich bin’, spricht jener, ‚zu sterben bereit.’ – Jä, Schiller!“

    Ich las wohl vorgestern:
    [Ein ‚Rimpel‘ [spricht]: „Auch das brauchst Du nicht, wenn Du mir die Köchin mit dem großen Viertel erobern hilfst. Ich schwöre Dir, daß ich Dir einen Laden ausstatte. Weißt Du was? Tritt als mein Nebenbuhler bei ihr auf, und stell‘ Dich so an, als ob Du vor meiner Kühnheit und Würde zurückwichest.“ (Adolf Glasbrenner: „Ein Sonntag im Tempelhof. Eine Lokalposse in einem Act“. 1842)

    Nix Schiller? Nö: Boulevard!

    Ich (über)-lese ja viel. Aber das weggelassene „zu“ ist doch ehr im Alltagsdeutschen als in der Literatursprache zu finden…?

    „Schön, und wer ist ein ‚Rimpe‘? – Eben eien Figur, ein Typ – wörtlich: ein ‚Colporteur’, wie der Autor ihn charakterisiert, beim Auftritt „als Engländer gekleidet, mit verschränkten Armen“.

    *

    Übrigens. Oder, besser: ‚in extenso‘: Dank für Hilfe und Anregungen!