Wie schreibst du denn, man/Mann!

Frage

Dass z. B. „Was redest du, Mann?“, „Was redet ihr, Mann?“ die richtige Schreibweise ist, ist ja bewiesen. Wie erklären Sie sich jedoch das Phänomen, dass es im alltäglichen Gebrauch (SMS/Chat/Internet-Foren) ausschließlich nur mit einem „n“ geschrieben wird ? Als Neologismus in dem Sinne kann man dies ja nicht bezeichnen,  da „man“ als Pronomen schon existiert. Aber wie kommt es, dass es eben v. a. unter Jugendlichen bei einem „n“ bleibt, auch wenn sich die meisten bewusst sind, dass „der Mann“ so geschrieben wird? […] Kann man also „man“ […] als schlichtweg komplett falsch bezeichnen, auch wenn es im Gebrauch deutlich überwiegt ?

Antwort

Sehr geehrter Herr G.,

die Schreibung man statt Mann für die Interjektion ist tatsächlich kein Neologismus, sondern eher ein „Neographismus“ (eine Neuschreibung). Warum so viele im Internet diese Schreibung wählen, kann ich natürlich ohne genauere Untersuchungen nicht mit Sicherheit sagen. Es mag daran liegen, dass das Nomen Mann im Prinzip eine männliche Person in der Einzahl bezeichnet, während die Interjektion Mann auch an eine weibliche Person oder an mehrere Personen gerichtet sein kann. Das „klemmt“ irgendwie und deshalb wird auf die Schreibung man ausgewichen. Dies Schreibung man „klemmt“ allerdings auch, denn die Interjektion hat ja auch nicht die gleiche Funktion und Bedeutung wie das unbestimmte Personalpronomen man.

In der Umgangssprache im Internet werden nicht alle grammatischen und orthografischen Regeln eingehalten, die für die „normale“ schriftliche Standardsprache gelten. Und das ist auch nicht weiter schlimm. Der Ausruf Mann wird ohnehin höchst selten in einem Kontext verwendet, in dem eine regelkonforme Rechtschreibung wirklich wichtig wäre. Im informellen Internetgebrauch scheint die Schreibung man üblich zu sein, auch wenn nach der amtlichen Rechtschreibregelung Mann geschrieben werden sollte. In informellen Mails, Chats, SMS usw. gibt es gegen diese Form man nicht viel einzuwenden. Die Schreibung Mann! würde dort wahrscheinlich oft sogar als ziemlich antiquiert und unpassend empfunden werden. Im formelleren schriftlichen Verkehr gilt diese Schreibung aber (noch?) als falsch (sofern die Interjektion Mann dort überhaupt vorkommt). Wie man redet und schreibt, hängt in starkem Maße auch vom Kontext, der Umgebung und dem Medium ab. Es gelten nicht immer und überall die gleichen Standards.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

7 Kommentare

  1. Blanca schreibt:

    April 13, 2013 um 11:03

    Muss man denn für alles eine Erklärung suchen? Wenn jemand „man“ statt „Mann“ schreibt, dann ist das schlichtweg falsch. Es gibt nun mal Menschen, die absolut keine Ahnung von der Rechtschreibung haben, aber viel schlimmer finde ich diejenigen, die diese falsch geschriebenen Wörter nicht korrigieren, sondern sich fragen, ob das auch richtig sein könnte, und dann auch noch versuchen, eine logische Erklärung zu finden, um diesen Rechtschreibfehler zu rechtfertigen.

    „In der Umgangssprache im Internet werden nicht alle grammatischen und orthografischen Regeln eingehalten, die für die normale schriftliche Standardsprache gelten. Und das ist auch nicht weiter schlimm.“

    Natürlich ist das schlimm, Herr Dr. Bopp. Sätze wie diese führen dazu, dass Menschen die Regeln missachten oder sie erst gar nicht lernen, weil ja sowieso alles akzeptiert wird, irgendeine Begründung findet sich ja immer. Ich kann Menschen, die nicht auf eine korrekte Rechtschreibung achten, nicht ausstehen.

    Frau Dagmar Jenner hat auf ihrer Internetseite neue-rechtschreibung.net einen Artikel mit der Überschrift „Ich gehe Kino“ veröffentlicht. Darin erläutert sie, dass es durchaus üblich ist, einfach mal die Präposition wegzulassen. Es gibt also tatsächlich Menschen, die „Ich gehe Kino“ sagen. Mir tun die Ohren weh!
    Und warum sind diese Konstruktionen ohne Präposition üblich? Weil viel zu viele Menschen sie tolerieren! Aus diesem Grund verbreiten sich diese Sätze mehr und mehr, bis irgendwann einmal im Duden Band 9 steht: auch standardsprachlich korrekt: Ich gehe Kino.

    Mit schönen Grüßen

    Blanca

  2. Mister T schreibt:

    April 13, 2013 um 13:52

    Hmm, sicher, dass damit nicht auch das englische „man“ gemeint sein könnte? Außerdem bringt das fehlende n möglicherweise den verlängerten Vokal zum Ausdruck, so wie man es spricht, wenn man wirklich genervt ist: Maaaaaaan.

  3. Dr. Bopp schreibt:

    April 13, 2013 um 14:50

    Sicher bin ich natürlich nicht, denn dafür müsste man die Sache schon etwas genauer unter die Lupe nehmen.

    Ich halte es nicht für wahrscheinlich, dass mit dem Weglassen eines n die Längung des Vokals angegeben werden soll. Das genau gleich geschriebene unpersönliche Personalpronomen man wird ja „trotz“ des einzelnen n am Wortende mit kurzem a gesprochen. Wenn in solchen Fällen eine Dehnung des Vokals angegeben werden soll, geschieht dies eher durch (mehrfache) Wiederholug des Vokals und/oder durch ein Dehnungs-h:

    Maan, ist der süß!
    Was willst du mahn?
    Hör auf maaahn!

    Ich vermute weiter, dass in den meisten Fällen nicht das englische man gemeint ist. In der Umgangssprache, die ich kenne, höre ich sehr viel häufiger das deutsch ausgesprochene Mann als ein man mit englischer Aussprache. Sie bringen mich aber auf den Gedanken, dass es sich um einen Einfluss auf der geschriebenen Ebene handeln könnte; sozusagen ein orthografischer Anglizismus.

    Für die wahrscheinlichstes „Erklärung“ halte ich die Annäherung an das unpersönliche man, das sich ebenfalls auf Personen beiderlei Geschlechts in Einzahl und Mehrzahl beziehen kann.

  4. Blanca schreibt:

    April 13, 2013 um 18:32

    Ja , ja, ignorieren Sie mich nur. Damit kann ich leben. Ich habe mich auch damit abgefunden, dass Sie mir meine Frage nicht zu meiner Zufriedenheit beantwortet haben. Ich mache Ihnen einen Vorschlag: Verlangen Sie doch einfach Geld für Ihre Antworten. Vielleicht geben Sie sich dann etwas mehr Mühe. Sie scheinen auch nur auf Fragen einzugehen, deren Antworten Sie in Büchern finden. Finden Sie darin keine Antwort, beantworten Sie die Frage nicht. Haben Sie an der Universität nur das Zitieren von Büchern gelernt? Nicht zu fassen, dass ich bis vor Kurzem so eine hohe Meinung von Ihnen hatte.
    Meine Schwester glaubt, dass Sie vielleicht gar kein promovierter Linguist seien. Ich schließe mich mittlerweile ihrer Meinung an. Und sollten Sie es doch sein, dann sind Sie in meinen Augen kein besonders guter. Denn komplizierte Fragen darf man Ihnen nicht stellen. Na ja, darf man schon, man bekommt halt keine Antwort.

    Deutsch ist meine fünfte Fremdsprache. Bislang hatte ich nur ganz normale Lehrer, aber ich wurde nie enttäuscht. Alle meine Fragen wurden beantwortet. Sie hingegen sind eine Enttäuschung.

  5. Vilinthril schreibt:

    April 14, 2013 um 13:30

    Präskriptivismus ist halt unwissenschaftlich. Wenn du Leuten vorschreiben willst, wie sie zu reden haben, bist du in der Linguistik falsch; das machen so pseudo-g’scheite Leute wie der Rat für deutsche Sprache, tob dich dort aus. :p

  6. Dr. Bopp schreibt:

    April 14, 2013 um 21:58

    @Blanca/Alexandria: Die Sprache ist mehr als ein starres, eindimensionales Regelwerk, das es auswendig zu lernen gilt, um dann alle sprachlichen Äußerungen in die Kategerien „richtig“ und „falsch“ einzuteilen. Ich verstehe, dass Sie nicht dieser Meinung sind.

    Da Sie Zweifel an meiner fachlichen Kompetenz haben und ich Ihre Fragen offensichtlich nicht zu Ihrer Zufriedenheit beantworte, bleibt mir wenig anderes übrig, als Ihnen zu raten, sich mit Ihren Fragen an andere zu wenden. Das haben Sie ja bereits an verschiedenen Orten getan.

  7. Blanca schreibt:

    April 15, 2013 um 11:36

    Ja, das habe ich getan. Aber auch da wurde meine Frage noch nicht komplett beantwortet. Und ich habe noch vier weitere Fragen zu diesem Thema. Und das ist der Unterschied zwischen Ihnen und mir: Ich beschäftige mich damit, ich gebe nicht auf, bis ich nicht alle Antworten habe. Sie hingegen scheinen sich für das Thema „Weglassen der Flexionsendung“ gar nicht zu interessieren, sonst wüssten Sie mehr darüber. Es liegt vermutlich daran, dass es Ihrer Meinung nach nicht zu den wirklich wichtigen Themen gehört. Ich sehe das anders.

    Was ich über Sie geschrieben habe, ist nicht schön, das haben Sie nicht verdient, aber ich war wütend – und das bin ich immer noch, daher werde ich mich auch nicht dafür entschuldigen.

    Alles Gute, Herr Dr. Bopp!

    Blanca Alexandria D.