Fährst du als nächstes oder als Nächstes dieses Auto?

Des Öfteren bestimmt der weitere Satzzusammenhang oder das, was genau ausgesagt werden soll, ob groß- oder kleingeschrieben werden muss. Das kann dann geschehen, wenn eine Wortkombination unterschiedliche Deutungen zulässt. Dabei kann man schon einmal recht unsicher werden. Oft hilft dann der Ersatz durch ein anderes Wort. So auch bei dieser an und für sich gar nicht so komplizierten „Angelegenheit“:

Frage

Ich habe eine Frage zu Groß- und Kleinschreibung: „Das ist das Auto, das du als nächstes fahren wirst.“ Ist die Kleinschreibung von „nächstes“ hier korrekt, weil im Sinne von „als nächstes Auto“?

Antwort

Sehr geehrter Herr C.,

in diesem Fall ist, je nachdem was im konkreten Satzzusammenhang genau gemeint ist, sowohl die Kleinschreibung als auch die Großschreibung möglich.

Das ist das Auto, das du als nächstes fahren wirst.
Als nächstes wirst du dieses Auto fahren.

Hier ist mit als nächstes gemeint: als nächstes Auto. Deshalb wird nächstes kleingeschrieben – wie immer wenn ein Adjektiv zwar allein steht, sich aber auf ein vorhergehendes oder nachfolgendes Substantiv bezieht (Regel).

Das ist das Auto, das du als Nächstes fahren wirst.
Als Nächstes wirst du dieses Auto fahren.

Hier ist mit als Nächstes gemeint: im Folgenden, als nächste Handlung. Hier wird Nächstes allein stehend wie ein Substantiv verwendet und entsprechend großgeschrieben ­– ebenso wie zum Beispiel als Erstes, als Letztes (vgl. auch Rechtschreibung nächste).

Noch deutlicher wird der Unterschied, wenn man das sächliche Wort Auto durch das männliche Substantiv Wagen ersetzt:

Das ist der Wagen, den du als nächsten fahren wirst.
Als nächsten wirst du diesen Wagen fahren.

Das ist der Wagen, den du als Nächstes fahren wirst.
Als Nächstes wirst du diesen Wagen fahren.

Die Zweideutigkeit von als nächstes/Nächstes bedingt also, das dass man für die Entscheidung zwischen Groß- und Kleinschreibung darüber nachdenken muss, was genau ausgesagt werden soll. Und nachdenken müssen wir tatsächlich selbst, denn hier scheitern selbst die besten Korrekturprogramme insoweit, als sie uns diese Entscheidung nicht abnehmen können.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

8 Kommentare

  1. Jan Georg Anrieder schreibt:

    Juli 30, 2013 um 22:31

    Mich wundert ein wenig, daß Sie, lieber Dr. Bopp, hier mit keinem Wort die Reform erwähnen, die uns die Großschreibung von ‚als nächstes‘ ja überhaupt erst eingebrockt hat. Ich werde leider den Argwohn nicht los, daß Sie das deswegen verschweigen, weil Sie die aktuellen Regelungen erläutern und verteidigen müssen und die Erwähnung dieser unseligen Änderung Stellungnahme dazu verlangen würde, welche Regelung sprachrichtiger ist. Im ’nächsten‘ — gewissermaßen ein unbestimmtes Zahlwort und Pronomen — eine Substantivierung zu sehen ist doch völlig sprachwidrig außer in der Bedeutung des Nächsten, den man lieben soll.

  2. Dr. Bopp schreibt:

    Juli 31, 2013 um 08:21

    Die Rechtschreibreform, lieber Herr Anrieder, liegt nun schon wieder ein paar Jährchen hinter uns. Außer für Menschen, die sich immer noch darüber aufregen mögen, ist es für kaum jemanden noch interessant, welche „Fehlentscheidungen“ und „Sprachwidrigkeiten“ sie mit sich gebracht hat. Meine Aufgabe im Bereich der Rechtschreibung sehe ich darin, den Sprachnutzerinnen und –nutzern die Regeln und Schreibungen, die heute gelten, näherzubringen. Diejenigen, die sich auch für die alte Schreibung interessieren, finden diese Informationen in Canoonet unter dem Link, den ich im Text angegeben habe (schauen Sie dort unter „Alte Schreibung, nach Reform ungültig“ nach). Ich habe die Rechtschreibregeln nicht verfasst und bin entsprechend weder verpflichtet noch geneigt, sie zu verteidigen.

    Die Diskussion über Sinn und Unsinn der Reform führe ich in der Regel nicht an dieser Stelle. Ich führe Sie, ehrlich gesagt, überhaupt nicht mehr, außer in diesem Sinne: „Es war nicht logisch und das ist es auch nicht geworden.“ Aber wenn Sie mich schon darauf ansprechen: In diesem konkreten Beispiel gilt, dass die Superlativform nächstes ein Adjektiv ist, das gewissermaßen ein unbestimmtes Zahlwort (auch Zahladjektiv genannt) und Pronomen ist. Wenn ich als nächstes schreibe und im Folgenden meine, begehe ich eine „Sprachwidrigkeit“, weil ich ein substantiviertes Adjektiv kleinschreibe. Wenn ich als Nächstes schreibe, begehe ich aber auch eine „Sprachwidrigkeit“, weil ich ein Wort, das „gewissermaßen“ ein unbstimmtes Zahlwort und Pronomen ist, großschreibe. Und dann kann die Diskussion beginnen, die in vielen Fällen zu einer Art Glaubensfrage ausufert. Die einzig richtige Lösung gibt es nicht, außer vielleicht beide Schreibungen zuzulassen. Pronomen schreibt man immer klein, substantivierte Adjektive schreibt man groß. Dazwischen gibt es eine ganze Reihe von Wörtern, die Merkmale beider Gruppen aufweisen. Irgendwo muss dann eine Grenze gezogen werden. Und wo immer man sie zieht, ist sie in gewissem Sinne „sprachwidrig“.

  3. Christoph Veith schreibt:

    Juli 31, 2013 um 19:34

    ….kurios, dass sowohl in dem Beitrag von Dr. Bopp (letzter Absatz, zu den Feinheiten von „Nächstes /nächstes Auto“) als auch in der Reaktion bzw. dem Kommentar……………. …..die „Feinheiten“ von das-dass-daß nicht so ganz beachtet werden………..;)

  4. Dr. Bopp schreibt:

    Juli 31, 2013 um 22:22

    Das das in meinem Beitrag ist nicht so sehr kurios als vielmehr peinlich, denn mir ist da wieder einmal ein Rechtschreibfehler aus der Tastatur gerutscht. Kein Fehler ist das daß in Herrn Anrieders Kommentar. Er ist offenbar ein Anhänger der alten Rechtschreibung, nach der man ja daß scheibt. Und wenn er sich hier an die vor der Reform geltende Regelung halten will, ist das sein gutes Recht.

  5. Jan Georg Anrieder schreibt:

    August 1, 2013 um 00:09

    Lieber Herr Dr. Bopp, danke für die Replik. Drei Anmerkungen dazu erlaube ich mir:
    1. Wenn Sie sagen, daß es für kaum noch jemanden interessant sei, welche Fehlentscheidungen die Reform mit sich gebracht habe, sprechen Sie für andere. Das scheint mir nicht statthaft, zumal ich eine Menge Leute kenne, für die es sehr wohl interessant ist und die lieber selber für sich sprechen.
    2. Wenn Sie sagen, daß das nur für einige gilt, „die sich immer noch darüber aufregen mögen“, ist das ein argumentum ad hominem. Auch das ist nicht statthaft, zumal es natürlich völlig egal ist, ob überhaupt und wie viele sich darüber noch aufregen ‚mögen‘ (dieses ‚mögen‘ ist im übrigen uralte Spiegel-Marotte).
    3. Wenn Sie sagen, daß die alte Rechtschreibung hier auch nicht logisch sein konnte und die neue es eben auch nicht sein kann, dann bleibt die Frage, wozu die Reform gut war. „Irgendwo“, schreiben Sie, „muss dann eine Grenze gezogen werden.“ Die Grenze war ja bereits gezogen, man schrieb „als nächstes“ und manch anderes, das man heute groß schreibt, klein (z.B. „im folgenden“, das Sie ebenfalls erwähnen). Daß der eine oder andere Grundschüler damit Probleme hatte, mag ja sein, aber daß die deutsche Sprachwelt damit ein Problem gehabt hätte, darauf wird sich doch wohl niemand versteigen wollen. Es gibt ein italienisches Sprichwort: Se non e rotto, non si tocca.

    Lieber Herr Veith, einen Tippfehler nicht einfach großzügig zu übersehen, ist kleinlich; ‚daß‘ für falsch zu halten, ist vorlaut und ahnungslos — nur um auch mal ad hominem zu sprechen.

  6. Dr. Bopp schreibt:

    August 1, 2013 um 17:05

    Vielen Dank für Ihre eloquente Antwort. Ich lasse mich aber auch dadurch nicht dazu verleiten, hier auf eine Diskussion zu Sinn und Unsinn der Rechtschreibreform oder Teilen davon einzugehen. Dieses Thema interessiert wahrscheinlich tatsächlich immer noch mehr Menschen, als ich dies in nicht allzu ausgewogenen Worten in meiner ersten Reaktion gesagt habe. Allerdings gehören, wie die Erfahrung zeigt, die meisten Fragesteller und Leserinnen bei Canoonet nicht dazu – und ich auch nicht. Ein anderes italienisches Sprichwort sagt: »Acqua passata non macina più.« Reformkritische verweise ich gerne auf Prof. Icklers interessante Seite.

  7. Jan Georg Anrieder schreibt:

    August 1, 2013 um 23:16

    „Allerdings gehören, wie die Erfahrung zeigt, die meisten Fragesteller und Leserinnen bei Canoonet nicht dazu“, schreiben Sie. Es ist Ihnen aber sicher klar, daß kaum ein Online-Lexikon so sehr geeignet ist, über die Änderungen zu informieren, die ja sehr systematisch und umfassend bei Canoonet dokumentiert sind? Aber auch unabhängig davon gehört Canoonet zu den besten Online-Lexika — danke dafür.

  8. Dr. Bopp schreibt:

    August 5, 2013 um 10:21

    Es freut uns (das ist kein Majestätsplural, sondern der Hinweis darauf, dass ich Canoonet natürlich nicht alleine gemacht habe und mache), dass Sie unsere Wörterbuch- und Sprachseiten so positiv beurteilen. Danke fürs Lob!