Als als

Frage

Ich bin über folgende Formulierung gestolpert:

Es könnte nicht anders als als Schulmeisterei verstanden werden.

Müssen beide „als“ in diesem Fall stehen gelassen werden?

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

die beiden hintereinanderstehenden als sind richtig. Man kann keines von ihnen weglassen. Das erste als gehört zu einem Vergleich mit anders:

Es könnte nicht anders als so verstanden werden.

Das zweite als leitet eine nähere Erläuterung ein:

– wie verstanden werden?
als Schulmeisterei verstanden werden

Wenn Sie nun im ersten Satz für so die Wortgruppe als Schulmeisterei einfügen, stehen zwei als hintereinander:

Es könnte nicht anders als als Schulmeisterei verstanden werden.

Früher war es üblich, in solchen Fällen das erste als durch denn zu ersetzen:

Es könnte nicht anders denn als Schulmeisterei verstanden werden.

Das klingt heute aber eher altmodisch oder sehr gehoben (vgl. hier).

Für die Grammatik ist als als also kein Problem. Ich möchte aber dennoch dies ergänzen: Davon abgesehen, dass zwei als hintereinander nicht unbedingt wie eine rhetorische Meisterleistung klingen, sind solche Konstruktionen manchmal auch schwierig verständlich. Das zeigt ja auch Ihre Frage.  Es empfiehlt sich deshalb oft, eine andere Formulierung zu erwägen.

Es folgen noch einige Beispiele, die ich ganz schnell und unsystematisch ergoogelt habe:

Fühlt man sich als Frau anders als als Mann?
Egal wo, als Mann muss man beim Friseur weniger zahlen als als Frau.
Sie erregen eher als Ausländer als als Frauen Aufsehen. (Thema: Unterwegs als Frau in Nepal)
Wenn sich Männer als als Männer verkleidete Frauen in die Damensitzung schmuggeln (aus einem Bericht über die Damensitzung eines Karnevalsgesellschaft)

Sehr häufig ist allerdings eines der beiden als tatsächlich eines zu viel:

*Erkranken Männer häufiger als als Frauen?
*Frauen sind dabei drei- bis viermal häufiger betroffen als als Männer.

Ein weiterer Grund, doppeltem als gegenüber eine gewisse Skepsis walten zu lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

7 Kommentare

  1. E.G. schreibt:

    Oktober 22, 2013 um 09:53

    „denn als“ kann man aber nicht immer verwenden, oder? In den folgenden beiden Sätzen klingt es meines Erachtens nicht richtig.

    Fühlt man sich als Frau anders denn als Mann?
    Egal wo, als Mann muss man beim Friseur weniger zahlen denn als Frau.

  2. Nightstallion schreibt:

    Oktober 22, 2013 um 15:59

    Doch, das geht bei mir durchaus, E.G.

  3. Dr. Bopp schreibt:

    Oktober 22, 2013 um 16:54

    Wie Nightstallion richtig sagt, geht das tatsächlich. Das vergleichende als kann vor einem weiteren als durch das früher ebenfalls vergleichende denn ersetzt werden (vgl. heute noch mehr denn je). In den beiden Sätzen ist das erste als ein vergleichendes als: anders als, weniger als. Je nach persönlicher Präferenz klingt denn als aber veraltet oder gehoben – oder eben wie bei Ihnen, E.G., bereits nicht mehr richtig.

    Nicht richtig wäre denn als im letzten Beispielsatz oben, weil dort keines der beiden als ein vergleichendes als ist. Also nur:

    als Männer verkleidete Frauen
    sich als etwas/jemand einschmuggeln
    → sich als als Männer verkleidete Frauen einschmuggeln.

  4. E.G. schreibt:

    Oktober 22, 2013 um 17:39

    Ich dachte wirklich, dass „denn als“ in den beiden Sätzen nicht richtig sei, weil es in meinen Ohren so falsch / seltsam / ungewohnt klingt …

    Vielen Dank für die beiden Antworten!

  5. Jörg schreibt:

    Oktober 23, 2013 um 09:49

    hört sich aber, wenn ich das einmal sagen darf etwas verwirrend an beim lesen. Aber es stimmt, grammatikalisch gesehen müsse beide als stehen bleiben.

  6. Dr. Bopp schreibt:

    Oktober 24, 2013 um 11:39

    Sätze mit doppeltem als können tatsächlich ziemlich verwirrend sein. Im Artikel oben steht darum:

    Es empfiehlt sich deshalb oft, eine andere Formulierung zu erwägen.

  7. Bert schreibt:

    Oktober 24, 2013 um 12:17

    Analog zu der nicht so akzeptablen, weil veralteten „denn“-Variante könnte man doch auch noch die ebenfalls nicht so akzeptable, weil umgangssprachliche „wie“-Variante nennen, oder?

    „Es könnte nicht anders wie als Schulmeisterei verstanden werden.“
    „Fühlt man sich als Frau anders wie als Mann?“

    (Und dann noch gleich „als wie als“ und „wie wie (Schulmeisterei)“… 🙂 )