Wenn man täglich gölfe …

So schön der Umlaut in den Verbformen des Konjunktivs auch klingen mag (z. B. sähe, flösse, schlüge), er ist nur sehr beschränkt anwendbar.

Frage

Eine Kleinigkeit: Kann man im Konjunktiv Präsens auch sagen: „gölfe“?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

der Konjunktiv Präsens des eher umgangssprachlichen Verbs golfen (Golf spielen) wird ausschließlich ohne Umlaut gebildet:

Sie sagte, dass sie täglich golfe.

Auch alle anderen Verben, selbst die unregelmäßigen, bilden die Formen des Konjunktivs Präsens (Konjunktiv I), ohne umzulauten. Umgelautet wird nur bei der Bildung der Formen des Konjunktivs Präteritum (Konjunktiv II) und dies nur bei gewissen unregelmäßigen Verben. Zum Beispiel:

essen – aß – äße
sprechen – sprach – spräche
fließen – floss – flösse
ziehen – zog – zöge
fahren – fuhr – führe
schlagen – schlug – schlüge

Bei einem einzigen regelmäßigen Verb sind umgelautete Formen im Konjunktiv II weit verbreitet (allerdings standardsprachlich nicht von allen akzeptiert):

brauchen – brauchte – brauchte/bräuchte
Was ich noch bräuchte, ist eine gute Idee.
(stand. besser: Was ich noch brauchte / brauchen würde …)

Die Form gölfe passt also nicht ins Konjugationssystem des Deutschen. Es gibt diese Form von golfen ebenso wenig wie zum Beispiel schäue zu schauen, löbe zu loben und flüche zu fluchen. Es heißt deshalb:

Konjunktiv I: Sie sagte, dass sie täglich golfe.
Konjunktiv II: Sein Handicap könnte tiefer sein, wenn er täglich golfte (o. golfen würde).

Wenn man täglich gölfe …; auch wenn es vielleicht lustig oder edel anmüte, es pässe einfach nicht in unser Verbsystem.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

2 Kommentare

  1. Elias schreibt:

    Januar 24, 2014 um 17:56

    Das »bräuchte« (das ich in dieser Substanzivierung besser groß schriebe) ist dermaßen eingängig, dass es sich in nur anderthalb Jahren Süddeutschland mit Nachdruck in meine Sprache gedrängelt hat und von dort nicht mehr weichen mag. Es kostet mich bewusste Anstrengung, »brauchte« zu schreiben, und das Resultat wirkt auf mich befremdend. Ich bin mir sicher, dass dieser häufig gemachte »Fehler« spätestens in der nächsten Generation offizielle Grammatik ist… 😉

    Und wer weiß schon, welche Umlautungen ihm noch folgen werden – dieser für Deutschlernende kaum begreifliche Mechanismus der Formbildung ist eben immer noch quicklebendig.

  2. Holger schreibt:

    Januar 25, 2014 um 13:01

    Vermutlich wird sich das „bräuchte“ schon durchsetzen, nur denke ich, werden sich die anderen Verben eher umlautfrei entwickeln…