Wird das große Ü zu UE oder zu Ue?

Frage

Wenn man ü mit ue umschreiben muss, was schreibt man dann bei einem großen Ü? UE oder Ue? Beispiel: Uebersetzung/UEbersetzung. Für beides gibt es Argumente. […] Gibt es dazu einen Konsens oder eine Regel? Oder darf ich das machen wie ich will?

Antwort

Sehr geehrter Herr R.,

wenn der Großbuchstabe Ü nicht zur Verfügung steht, wird er in der Regel durch Ue ersetzt:

Ueber Dr. Oetkers Ruehrkuchen mit Aepfeln wird nicht viel Uebles gesagt.

Siehe auch hier.

Man geht also genau gleich vor, wie bei der Großschreibung von Diphthongen und in der Schrift besonders gekennzeichneten langen Vokalen:

Auge, Äuglein, Eigelb, Eugen
Aachen, Ahle, Ehre, Ohr, Ührchen

Auch bei mit mehreren Buchstaben geschriebenen einfachen Konsonanten ist dies der Fall:

Schule, China

Das Prinzip der Großschreibung des Anfangsbuchstabens ist also rein formal. Man schreibt den ersten Buchstaben groß, egal ob er nun für sich allein einen Laut darstellt oder ob er zusammen mit einem anderen Buchstaben für eine lautliche Einheit steht (oder wie ue einen Einzelbuchstaben vertritt).

Das mag uns aus Gewohnheit ganz normal erscheinen, doch wie Ihre Frage zeigt, ist es das nicht unbedingt. Die meisten Sprachen machen es so wie wir, aber im Niederländischen gibt es tatsächlich eine Buchstabenkombination, die als ein Buchstabe zählt und am Satzanfang oder in Eigennamen als Ganzes großgeschrieben wird: Das kleine ij wird zum großen IJ. Man segelt dort deshalb nicht auf dem *Ijsselmeer und isst sein Eis nicht im *Ijssalon ‚t Hoekje,  sondern auf dem IJsselmeer und im IJsalon ‚t Hoekje. Selten ist in der Rechtschreibung etwas ganz so selbstverständlich, wie es auf den ersten Blick erscheint.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

5 Kommentare

  1. Michael schreibt:

    April 11, 2014 um 15:11

    Hallo zusammen,

    da gæbe es auch noch Œ bzw. œ und Æ bzw. æ, sogenannte Ligaturen, wobei ich keine zu „ue“ finde – die anderen finden sich auch bei Word in den Symbolen. Dadurch wird das Ganze meines Erachtens sehr schœn gelœst, leider handelt es sich um keinen im aktuellen deutschen Schriftgebrauch üblichen Ansatz. Doch werde ich dies zumindest in meinem Schreiben etablieren.
    (Vielleicht wissen ja Sie, Herr Dr. Bopp, ob es eine ue-Ligatur gibt und haben eine zur Verfügung?)

    Freundliche Grüße

    Michael Johann Bauer

  2. Dr. Bopp schreibt:

    April 14, 2014 um 10:59

    Soweit ich weiß, gibt es keine aus u und e entstandene Ligatur. Aber ich bin kein „Schriftgelehrter“ und im Bereich von Sprache und Schrift gibt es auf dieser Welt vieles.

    Man könnte das ö tatsächlich auch durch œ ersetzen, gelöst wäre damit aber nicht allzu viel. Man ersetzt ja ö normalerweise dann durch oe, wenn das ö nicht vorhanden ist. Gerade dann sucht man aber meist auch vergeblich nach dem œ.

  3. Kuli schreibt:

    April 15, 2014 um 08:33

    Noch eine Anmerkung:

    Bei alten Büchern, die mindestens hundert Jahre auf dem Buckel haben, ist mir aufgefallen, dass dort manchmal keine großen Umlaute gedruckt sind, sondern diese grundsätzlich als Oe/Ue/Ae geschrieben werden, während die kleinen Umlaute normal verwendet werden. Dann steht dort „Oesterreich“, aber „österreichisch“, „Ueber“ am Satzanfang und „über“ in der Satzmitte.

    Das finde ich besonders erstaunlich, weil die verwendete Frakturschrift damals eh fast nur noch im deutschen verwendet wurde, man hatte also bereits eine „besonders deutsche“ Schrift.

  4. Michael schreibt:

    April 16, 2014 um 10:31

    Ja, da stimme ich natürlich zu, dass die Ligaturen genauso ein „Luxus“ sein können wie „ö“,“ü“,“ä“,“ß“ etc. Allerdings deuten erstere m.E. darauf hin, dass beide Buchstaben im Falle des Falles groß geschrieben werden könnten (/sollten?) und beantworten damit die Ursprungsfrage (oder sie umgehen sie…). Bsp.: OEsterreich bzw. Œsterreich.

  5. Dr. Bopp schreibt:

    April 24, 2014 um 16:55

    Man könnte. Ob man müsste, ist eine andere Frage. Ich finde die geltende Lösung, immer nur den allerersten Buchstaben großzuschreiben, gut verständlich, einfach und problemlos.