Wenn »A und B ist« richtig ist

Die meisten von uns haben auf der Schule gelernt, dass bei einem zweiteiligen Subjekt, bei dem die Subjektteile mit und verbunden sind, das Verb im Plural stehen muss:

Die alte Dame und ihr Sohn gingen jeden Tag im Park spazieren.
Nach der Werbung folgen der TV-Krimi und ein Diskussionsprogramm.

So weit, so einfach. Es gibt aber Ausnahmen. Diese Ausnahmen gleiten meist unbemerkt an uns vorbei, doch Sie können verunsichern, wenn wir darüber nachdenken und uns daran erinnnern, was wir auf der Schule gelernt haben. Hier die Frage von Frau S.:

Frage

Es geht um die korrekte Formulierung des folgenden Satzes:

Natürlich war dafür sehr viel Kleinarbeit und Konzentration notwendig.
Natürlich waren dafür sehr viel Kleinarbeit und Konzentration notwendig.

Selbst denke ich, dass die zweite Version korrekt ist. Mir fehlt jedoch die fachgerechte Begründung.

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

beide Sätze sind richtig formuliert.

Das Verb kann nach der allgemeinen Grundregel im Plural stehen, weil das Subjekt aus zwei mit und verbundenen Teilen besteht.

Natürlich waren dafür sehr viel Kleinarbeit und Konzentration notwendig.

Das Verb kann aber auch im Singular stehen, weil die beiden Subjektteile eng miteinander verbunden sind und als eine Einheit aufgefasst werden. Das sieht man daran, dass sie eine gemeinsame Bestimmung haben: sehr viel bezieht sich sowohl auf Kleinarbeit als auch auf Konzentration:

Natürlich war dafür sehr viel Kleinarbeit und Konzentration notwendig.

Weitere Beispiele von Sätzen, in denen ein mehrteiliges Subjekt mit und eine gemeinsame Bestimmung hat und als eine Einheit aufgefasst werden kann:

Viel Glück und Sonnenschein soll dich begleiten.
Viel Glück und Sonnenschein sollen dich begleiten.

Münsters Grund und Boden ist zehn Milliarden Euro wert.
Münsters Grund und Boden sind zehn Milliarden Euro wert.

Ihre totale Gleichgültigkeit und Interesselosigkeit war unerträglich.
Ihre totale Gleichgültigkeit und Interesselosigkeit waren unerträglich.

Zum diesem Thema gäbe es noch viel mehr zu sagen. Die Grundregel sowie weitere Ausnahmen und Beispiele finden Sie auf dieser Seite in der Canoonet-Grammatik. Wie so oft sind auch hier die Übergänge zwischen der Grundregel und den Ausnahmen fließend. Als kleiner Trost für nun ganz Verunsicherte kann gelten: Der Plural ist hier (fast) immer richtig.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

K.