So viel sei zu dieser Frage bemerkt

Bei schönen, eher gehobenen Formulierungen und Wendungen kann man manchmal ziemlich ins Stolpern geraten, wenn man sie Deutschlernenden auf Anhieb genau erklären soll. So viel sei gleich zu Beginn zum heutigen Thema gesagt: vor allem für Grammatikbegeisterte.

Frage

In the short story „Mozart auf der Reise nach Prag“ by Eduard Mörike, the first sentence of the 4th paragraph is:

Von dem Kostüm der beiden Passagiere sei überdies soviel bemerkt.

I have two questions about the sentence above:

  1. Why the perfect tense of the verb „bemerken“ is formed using „sein“ instead of „haben“? According to Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache, the perfect tense form should be „hat bemerkt“.
  2. Is this sentence Konjunktiv I or Konjuntiv II? Why use subjunctive mood in this sentence?

Herr D. möchte also wissen, weshalb in Mörikes Satz, den er zitiert, das Verb bemerken mit dem Hilfsverb sein steht und warum er im Konjunktiv formuliert ist. Meine Antwort an Herrn D. gebe ich hier auf Deutsch wieder:

Antwort

Die Formulierung etwas sei gesagt/erwähnt/bemerkt gehört eher zum gehobenen Sprachgebrauch. Sie bedeutet etwas soll gesagt werden. Mörike meint also:

Von dem Kostüm der beiden Passagiere soll überdies so viel bemerkt werden.
Ich möchte außerdem so viel über das Kostüm der beiden Passagiere sagen.

Die Form, die Sie hier eigentlich interessiert ist sei bemerkt. Sie lässt sich wie folgt analysieren:

Verb: bemerken
Person und Numerus: 3. Person Singular
Tempus: Präsens
Modus: Konjunktiv I
Genus Verbi: Zustandspassiv

Das Hilfsverb sein ist hier also nicht das Hilfsverb des Perfekts, sondern das Hilfsverb, mit dem das Zustands- oder sein-Passiv gebildet wird. Zum Beispiel:

Aktiv: Ich öffne die Tür.
Vorgangspassiv: Die Tür wird geöffnet.
Zustandspassiv: Die Tür ist geöffnet.

Aktiv: Wir besiegen den Gegner.
Vorgangspassiv: Der Gegner wird besiegt.
Zustandspassiv: Der Gegner ist besiegt.

Bei Verben wie sagen, erwähnen und bemerken ist das sein-Passiv (es ist gesagt/erwähnt/bemerkt) unüblich oder selten. Nur im Konjunktiv I kommt es bei diesen Verben in mehr oder weniger festen Wendungen wie diesen vor:

Folgendes sei gesagt
Davon sei so viel erwähnt
Dazu sei nur bemerkt, dass …

Wenn der Konjunktiv I im Hauptsatz steht – wo er nur selten zu finden ist –, drückt er einen Wunsch oder eine Aufforderung aus:

Das Geburtstagskind lebe hoch!
Gott sei Dank.
Das verstehe, wer will.

Und eben:

 Davon sei so viel bemerkt.

All dies klingt recht trocken und kompliziert. Das hat man davon, wenn man bis ins Detail gehen will oder muss. Mehr sei deshalb hierzu nicht gesagt.

K.