Der Genitiv lebt dank Analogie

Frage

Vielleicht  können sie mir auch heute helfen. Steht „dank“ mit Dativ oder Genitiv. Hier ist eine Diskussion entstanden, richtig ist ja wohl  beides, aber was ist geläufiger? Zum Beispiel:

Feuchtigkeitsschutz dank innovativen Sensors
Feuchtigkeitsschutz dank innovativem Sensor

Antwort

Sehr geehrte Frau H.,

im Standarddeutschen kann die Präposition dank sowohl mit dem Dativ als auch mit dem Genitiv stehen:

Feuchtigkeitsschutz dank innovativem Sensor
Feuchtigkeitsschutz dank innovativen Sensors

Der Genitiv kommt vor allem im Plural häufiger vor:

Feuchtigkeitsschutz dank innovativer Sensoren
auch: Feuchtigkeitsschutz dank innovativen Sensoren

Der Dativ lässt sich durch die Herkunft der Präposition erklären. Sie ist eigentlich eine Verkürzung der Wendung Dank sei:

Dank sei ihrem Einfluss → dank ihrem Einfluss

Der Genitiv ist hier aber dabei, den Dativ zu verdrängen. Der Grund dafür ist wahrscheinlich, dass bei anderen Präpositionen dieser Art der Genitiv üblich ist. Zum Beispiel:

kraft ihres Amtes
statt schöner Worte
zeit seines Lebens

Bei diesen Wendungen lässt sich der Genitiv ebenfalls durch die jeweils zugrundeliegende Wendung erklären (durch die Kraft ihres Amtes; an der Statt schöner Worte; in der Zeit seines Lebens). All diese Präpositionen haben sich aber stark von der ursprünglichen Formulierung gelöst, was unter anderem an der Kleinschreibung zu sehen ist. Das gab dem Genitiv die Möglichkeit, sich auch nach dank einzunisten, und zwar so gründlich, dass er heute auch standardsprachlich als korrekt (oder sogar als Vorzugsvariante) gilt.

Richtig ist also beides. Wenn es darum geht, ob die Verfechter des Genitivs oder die dem Dativ treu Gebliebenen recht haben, ist das Resultat ein Unentschieden. Siehe auch hier.

Eine eindeutige, fundierte Antwort auf die Frage, was geläufiger ist, kann ich hier leider nicht geben. Seit es üblich ist, den Untergang des Genitivs heraufzubeschwören (oder hat sich das schon wieder gelegt?) neigen viele dazu, den Dativ zu vermeiden, wenn sich auch nur der leiseste Zweifel meldet. Das dürfte stark zur weiteren Verbreitung des Genitivs nach dank beitragen. Etwas Ähnliches ist übrigens der Präposition trotz geschehen: Mittlerweile steht trotz sehr häufig mit dem Genitiv, obwohl es ursprünglich den heute standardsprachlich gerade noch tolerierten Dativ verlangte.

Wie man sieht, kommt man mit logischen und historischen Argumenten nicht immer sehr weit. Was ist richtig(er): der „historische“ Dativ oder der „analoge“ Genitiv? Richtig ist letzlich, was üblich ist. Das ist nach „dank“ (vorläufig noch?) beides.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

K.