So viele Konjunktive!?

Frage

Was hat es mit dem Konjunktiv Plusquamperfekt auf sich? Ich bin da über ein Beispiel gestolpert (der Satz ist nicht von mir):

Hätte ich die Wäsche bügeln können, wenn du sie aufgehängt hättest?

„Hätte ich die Wäsche bügeln können“ wird als Konjunktiv Plusquamperfekt bezeichnet. Für mich ist das nichts anderes als ein ganz normaler Konjunktiv 2 (mit Modalverb in diesem Fall). Ich verstehe nicht, warum das Konjunktiv Plusquamperfekt sein soll.

Antwort

Sehr geehrte Frau I.,

bei den Namen für grammatische Phänomene ist vieles oft nicht ganz so klar, wie wir es gerne hätten. Das ist auch bei etwas – auf den ersten Blick – so Einfachem wie den Namen für die Konjunktivformen des Verbs der Fall: Es werden mehr Namen verwendet, als es Formen gibt.

Einerseits gibt es die „klassischen“ Namen, die sich rein an der Form orientieren und oft wenig bis nichts mit der eigentlichen Verwendung der Formen zu tun haben. Dazu gehört der Name Konjunktiv Plusquamperfekt. Daneben gibt es die Begriffe Konjunktiv I und Konjunktiv II. Sie umfassen jeweils eine bestimmte Gruppe von Verbformen, die in bestimmten Zusammenhängen und Satzarten verwendet werden: der Konjunktiv I zum Beispiel in der indirekten Rede, der Konjunktiv II zum Ausdruck von allerlei „Irrealem“ (siehe hier).

Man kann die „klassischen“ Namen wie folgt über die Begriffe Konjunktiv I und II verteilen:

Konjunktiv I
Konjunktiv (I) Präsens: er gehe / er spreche
Konjunktiv (I) Perfekt: er sei gegangen / er habe gesprochen
Konjunktiv I Futur I: er werde gehen / er werde sprechen
Konjunktiv I Futur II: er werde gegangen sein / er werde geprochen haben

Konjunktiv II
Konjunktiv (II) Präteritum: er ginge / er spräche
Konjunktiv (II) Plusquamperfekt: er wäre gegangen / er hätte gesprochen
würde-Formen

Konjunktiv II Futur I: er würde gehen / er würde sprechen
Konjunktiv II Futur II: er würde gegangen sein / er würde gesprochen haben

Wenn keine weiteren Angaben gemacht werden, ist übrigens mit Konjunktiv I häufig einfach der Konjunktiv Präsens (er gehe) und mit Konjunktiv II einfach der Konjunktiv Präteritum (er ginge) gemeint.

Eine andere Art, die Zeitformen zu benennen, die im Unterricht häufiger verwendet wird, ist diese:

Konjunktiv I Gegenwart: er gehe / er spreche
(= Konjunktiv Präsens)
Konjunktiv I Vergangenheit: er sei gegangen / er habe gesprochen
(= Konjunktiv Perfekt)
Konjunktiv I Zukunft: er werde gehen / er werde sprechen
(= Konjunktiv I Futur I)

Konjunktiv II Gegenwart: er ginge / er spräche
(= Konjunktiv Präteritum)
Konjunktiv II Vergangenheit: er wäre gegangen / er hätte gesprochen
(= Konjunktiv Plusquamperfekt)

Ersatzformen mit „würde“
würde-Form Gegenwart: er würde gehen / er würde sprechen
(= Konjunktiv II Futur I)
würde-Form Vergangenheit: er würde gegangen sein / er würde gesprochen haben
(= Konjunktiv II Futur II)

Die würde-Formen sind meist Ersatzformen für die „eigentlichen“ Konjunktiv-II-Formen. Sie werden im heutigen Deutschen immer häufiger verwendet und einige bezeichnen sie bereits als Konjunktiv III.

So viele Namen und so viele Formen! Viel einfacher kann ich es leider auch nicht machen, aber wenn man sich nicht allzu sehr durch die Vielfalt der Namen beeindrucken lässt, ist es gar nicht so kompliziert. Ein ganz anderes Kapitel ist natürlich die Verwendung des Konjunktivs. Doch davon soll hier nicht auch noch die Rede sein, denn dann wird es wirklich kompliziert!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

K.