Der Redefluss der Schildkröte und die Anführungszeichen

Frage

Meine 11-jährige Tochter schreibt immer wieder Geschichten, in denen Personen mehrere Sätze hintereinander in wörtlicher Rede sprechen. Kann man das wie folgt schreiben:

„Du musst mir helfen. Sonst bin ich verloren. Ich kann nicht mehr“, sagte die Schildkröte.

Antwort

Sehr geehrter Herr T.,

dieser Fall ist unüblich, das heißt, es kommt selten vor, dass der Begleitsatz einer wörtlichen Wiedergabe folgt, die aus mehreren Sätzen besteht. Es ist dann meistens besser, den Begleitsatz vor die wörtliche Wiedergabe zu stellen oder sie nach dem ersten Satz oder einem Teil davon einzufügen. Zum Beispiel:

Begleitsatz vorangestellt:
Die Schildkröte sagte: „Du musst mir helfen. Sonst bin ich verloren. Ich kann nicht mehr.“
Die Schildkröte sagte: „Du musst mir helfen, sonst bin ich verloren. Ich kann nicht mehr!“

Begleitsatz eingebettet:
„Du musst mir helfen“, sagte die Schildkröte. „Sonst bin ich verloren. Ich kann nicht mehr.“
„Du musst mir helfen“, sagte die Schildkröte, „sonst bin ich verloren. Ich kann nicht mehr!“

Wenn man aber trotzdem mehr als einen Satz vor den Begleitsatz stellen will (z. B. um zu unterstreichen, wie gehetzt der Redefluss der Schildkröte ist), sollten die Satzzeichen so gesetzt werden, wie Sie es in Ihrem Beispiel tun:

Begleitsatz nachgestellt:
„Du musst mir helfen. Sonst bin ich verloren. Ich kann nicht mehr“, sagte die Schildkröte.
„Du musst mir helfen, sonst bin ich verloren. Ich kann nicht mehr!“, sagte die Schildkröte.

Man könnte die Beschreibung noch verfeinern, aber das ginge mir hier etwas zu weit. Viel wichtiger als eine auch in Sonderfällen bis ins Detail geregelte Interpunktion finde ich, dass Ihre Tochter Geschichten schreibt!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Die allgemeinen Regen für die Anführungszeichen finden Sie hier.

5 Kommentare

  1. Heimo schreibt:

    Oktober 1, 2015 um 15:12

    Jetzt verstehe ich gar nichts mehr.

    > dieser Fall ist unüblich, das heißt, es kommt selten vor, dass der Begleitsatz einer wörtlichen Wiedergabe folgt, die aus mehreren Sätzen besteht.
    Ist das nur „unüblich“ oder einfach nur falsch?
    Denn wörtlicherede.de schreibt hierzu:
    „Ein weit verbreiteter Fehler ist es auch, innerhalb der wörtlichen Rede mehrere Sätze zu verwenden. Das ist, wenn ein Begleitsatz vorhanden ist, falsch.“
    Gilt das nicht für einen vorangestellten oder eingeschobenen Begleitsatz?

    Weiter schreibt wörtlicherede.de:
    „Verfügt die wörtliche Rede über keinen Begleitsatz…sind auch mehrere Sätze innerhalb der wörtlichen Rede möglich.“
    Oder sind die beiden zitierten Aussagen von wörtlicherede.de falsch? Ein Verweis, wo und in welchem Regelwerk das festgelegt wurde, fehlt ja auf wörtlicherede.de.

    > PS: Die allgemeinen Regen für die Anführungszeichen finden Sie hier.
    Dort gibt es leider kein einziges Beispiel und auch keine Erläuterungen zu mehreren Sätzen in der wörtlichen Wiedergabe. Auch bei duden.de habe ich hierzu gar nichts gefunden.

    Gibt es zu mehreren Sätzen in der wörtlichen Wiedergabe, mit und ohne Begleitsatz, überhaupt irgendeine offizielle Regelung oder kann da jeder letztendlich verfahren, wie er will?

    Vielen Dank!
    Heimo

  2. Dr. Bopp schreibt:

    Oktober 26, 2015 um 18:30

    Wenn ich die Angaben der Website, die Sie zitieren, richtig verstehe, darf man innerhalb einer direkten Rede mit Begleitsatz nie mehr als einen Satz verwenden, weil es sich bei der wörtlichen Wiedergabe um einen Nebensatz handle. Woher diese „Regel“ stammt, weiß ich nicht. Es ist nirgendwo vorgeschrieben, dass das wörtlich Wiedergegebene mit Begleitsatz nur aus einem Satz bestehen dürfe. Eine solche Regel gibt es nicht, auch nicht auf der Ebene der Interpunktion.

    Diese Angabe widerspricht im Weiteren auch dem Beispielsatz in § 89.2 der amtlichen Rechtschreibregelung:

    Über das Ausscheidungsspiel berichtete ein Journalist: „Das Stadion glich einem Hexenkessel. Das Publikum stürmte auf das Spielfeld und bedrohte den Schiedsrichter.“

    Es geht dort zwar nicht um direkte Rede, sondern um zitierte Textstellen, aber ich sehe keinen Anlass dazu, bei der Zeichensetzung eine Unterscheidung zwischen der wörtlichen Wiedergabe von Schriftlichem und Mündlichem vorzunehmen. Eine solche Unterscheidung scheint mir unsinnig:

    – Der Journalist schrieb: „Das Stadion glich einem Hexenkessel. Das Publikum stürmte auf das Spielfeld und bedrohte den Schiedsrichter.“
    * Der Journalist sagte: „Das Stadion glich einem Hexenkessel.“ „Das Publikum stürmte auf das Spielfeld und bedrohte den Schiedsrichter.“

    Wie das zweite Beispiel zeigt, wäre die Aufteilung der direkten Rede in zwei Teile mit Anführungszeichen verwirrend. Richtig ist hier einfach:

    – Der Journalist sagte: „Das Stadion glich einem Hexenkessel. Das Publikum stürmte auf das Spielfeld und bedrohte den Schiedsrichter.“

    Verwirrend oder sogar unsinnig wäre es auch in anderen Fällen, wenn immer nur ein Satz mit Begleitsatz gestattet wäre:

    * „Das Betreten des Geländes ist verboten.“ „Eltern haften für ihre Kinder“, stand auf einem Schild am Eingang.
    – „Das Betreten des Geländes ist verboten. Eltern haften für ihre Kinder“, stand auf einem Schild am Eingang.

    * „Kommen Sie mit!“ „Ich muss Ihnen etwas zeigen“, sagte die dunkle Gestalt.
    – „Kommen Sie mit! Ich muss Ihnen etwas zeigen“, sagte die dunkle Gestalt.

    Auch Ihre Beispielsätze wären z.T. schwierig verständlich. Also nicht:

    * Die Schildkröte sagte: „Du musst mir helfen.“ „Sonst bin ich verloren. Ich kann nicht mehr.“
    * „Du musst mir helfen. Sonst bin ich verloren.“ „Ich kann nicht mehr“, sagte die Schildkröte.

    sondern:

    – Die Schildkröte sagte: „Du musst mir helfen. Sonst bin ich verloren. Ich kann nicht mehr.“
    – „Du musst mir helfen. Sonst bin ich verloren. Ich kann nicht mehr“, sagte die Schildkröte.

    Ob es stilistisch immer schön oder sinnvoll ist, eine wörtliche Wiedergabe, die aus mehr als einem Satz besteht, mit einem eingeschobenen oder nachgestellten Begleitsatz zu verwenden, ist eine andere Frage. Problemlos ist es immer mit einem vorangestellten Begleitsatz.

  3. craulabesh schreibt:

    März 11, 2016 um 15:35

    „Wenn ich die Angaben der Website, die Sie zitieren, richtig verstehe, darf man innerhalb einer direkten Rede mit Begleitsatz nie mehr als einen Satz verwenden, weil es sich bei der wörtlichen Wiedergabe um einen Nebensatz handle.“

    Das gibt die Quelle aber nicht ganz wieder:
    „Ein weit verbreiteter Fehler ist es auch, innerhalb der wörtlichen Rede mehrere Sätze zu verwenden. Das ist, wenn ein Begleitsatz vorhanden ist, falsch.“

    Nichtsdestotrotz, auch ich suche nach dem Ursprung der „Regel“.

  4. Dr. Bopp schreibt:

    März 15, 2016 um 13:37

    Das gibt das Zitat nicht wieder, die Quelle aber schon. Ich war nur ein bisschen unsorgfältig und haben die entsprechende Stelle nicht zitiert, damit der Kommentar nicht noch länger wird. Auf
    http://www.wörtlicherede.de/regeln-zeichensetzung.htm
    steht nämlich:

    Achtung! Wenn ein vorangestellter Begleitsatz verwendet wird, können innerhalb der Anführungszeichen nicht mehrere Sätze stehen. Die wörtliche Rede stellt einen Nebensatz dar, so dass die Satzkonstruktion nach dem ersten Satzzeichen innerhalb der wörtlichen Rede endet.

    Das ist aber eine Ansicht, die ich nicht teile.

  5. craulabesh schreibt:

    März 16, 2016 um 14:30

    Sorry, mein Fehler.