Wie man „schenken“ und „schenken lassen“ substantiviert

Frage

Neulich fiel mir auf einem Werbeplakat der Spruch auf: „Zum Schenken und Schenken lassen.“ Müsste es aber nicht eigentlich heißen: „Zum Schenken und Schenkenlassen“?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

nach den Rechtschreibregeln schreibt man tatsächlich:

Zum Schenken und Schenkenlassen

Wenn eine Infinitivgruppe, das heißt ein Infinitiv und was zu ihm gehört, aus zwei Teilen besteht und als Substantiv verwendet wird, dann schreibt man groß und zusammen:

schenken lassen → zum Schenkenlassen

Immer wenn ich diesem Spruch begegne, habe ich das beinahe unwiderstehliche Bedürfnis, ein sich einzufügen. Meiner Meinung nach ist nicht einfach gemeint, dass man etwas irgendjemandem schenken lassen kann, sondern dass man es sich schenken lassen kann. Unbedingt notwendig ist das sich nicht. Vielleicht ist dieses Bedürfnis nach dem verdeutlichenden Reflexivpronomen ja auch nur der Ausdruck eines geschenkgierigen Charakters.

Orthografisch hat das Anfügen von sich gewisse Konsequenzen. Da die Infinitivgruppe nun aus mehr als zwei Teilen besteht, wird alles etwas komplizierter – nicht zuletzt die Beschreibung: Wenn eine Infinitivgruppe aus mehr als zwei Teilen besteht und als Substantiv verwendet wird, setzt man zwischen allen Teilen der Gruppe einen Bindestrich. Das erste Wort und der (letzte) Infinitiv werden großgeschrieben (ebenso wie ggf. vorkommende Substantive):

sich schenken lassen → zum Sich-schenken-Lassen

Die Regel und weitere Beispiele finden Sie hier.

Doch jetzt, da sie deutlich auf dem Bildschirm steht, stelle ich fest, dass auch die mit sich erweiterte Form zum Sich-schenken-lassen falsch verstanden werden könnte. Mit sich meine ich ja den/die Beschenkten und nicht etwa den/die Verschenkten. Nur wenn man anfängt zu duzen, wird eindeutig klar, dass der Dativ zum Dir-schenken-Lassen und nicht etwas der Akkusativ zum Dich-schenken-Lassen gemeint ist.

Doch genug der Spitzfindigkeiten! Die Beispiele zum Schenken, zum Schenkenlassen und zum Sich-schenken-Lassen sollen ja nur zeigen, wie man substantivierte Infinitive schreibt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

3 Kommentare

  1. Vilinthril schreibt:

    März 19, 2015 um 13:36

    Ist die Durchkopplung hier obligatorisch? Ich kannte bislang auch die Regel, lange substantivierte Infinitiv-VPs als

    das sich auf eine Sache besser nicht Einlassen

    zu schreiben (also nur das substantivierte Verb selbst großschreiben, Rest klein und getrennt).

  2. Dr. Bopp schreibt:

    März 20, 2015 um 08:43

    Diese Regel kenne ich nicht. Wenn es um die amtl. Regelung geht, richte ich mich nach § 43:

    Man setzt Bindestriche in substantivisch gebrauchten Zusammensetzungen (Aneinanderreihungen), insbesondere bei substantivisch gebrauchten Infinitiven mit mehr als zwei Bestandteilen.

    Beispiele:
    […] das Auf-die-lange-Bank-Schieben, das An-den-Haaren-Herbeiziehen, das In-den-Tag-Hineinträumen, das Von-der-Hand-in-den-Mund-Leben

    E: Dies gilt nicht für übersichtliche Zusammensetzungen mit Infinitiv, zum Beispiel:
    das Autofahren, das Ballspielen, beim Walzertanzen, das Inkrafttreten

    Nach diesen Angaben würde ich schreiben:

    das Sich-auf-eine-Sache-besser-nicht-Einlassen

    Meistens wende ich hier aber die Stilregel an, solche Substantivierungen zu vermeiden. Oder meinten Sie etwa die Schreibung von substantivierten Partizipgruppen?

    die sich auf eine Sache lieber nicht Einlassenden

    Zu diesem Thema gibt es diesen älteren Blogartikel.

  3. Vilinthril schreibt:

    März 20, 2015 um 12:48

    Hm, vielleicht hab ich das mit Partizipkonstruktionen verwechselt, ja. Danke!