Spektakel um Spione

Weil das Auspionieren und das Fangen oder eben Nichtfangen von Spionen in Deutschland gerade wieder einmal aktuell ist, habe ich mich gefragt, woher das Wort Spion eigentlich kommt. Es ist ein Wort, das – gar nicht so unpassend – in seiner Geschichte die Sprachgrenzen mehr als einmal überschritten hat.

„Wir“ haben es im 16. Jahrhundert aus dem Italienischen übernommen. Im Deutschen verbreitet hat es sich dann während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648), als man offenbar ein spezielles Wort für die Gegenparteien ausspähende Menschen benötigte. In der Ursprungssprache hatte spione die Bedeutung Kundschafter, Beobachter. Es ist eine Ableitung von spia (damals Späher und heute auch Spion), das wiederum vom Verb spiare (spähen, aushorchen, auskundschaften) kommt. Das italienische spiare hat aber nicht lateinische, sondern germanische Wurzeln: Es geht auf ein germanisches Verb zurück, das mit unserem spähen verwandt ist. Ein Spion und ein Späher sind also nicht nur bedeutungsmäßig, sondern auch wortgeschichtlich miteinander verwandt.

Zur selben Wortfamilie gehört übrigens weitläufiger auch das lateinische Verb specere, spicere (sehen), das wir im Deutschen in Fremdwörtern wie inspizieren, Retrospektion und Spektakel wiederfinden. Ausspähen, Spione und das politische Spektakel darum herum haben also noch ganz anders miteinander zu tun, als ich bis vor Kurzem dachte. (Viel sagt dieser Zusammenhang allerdings nicht aus. Es ist nämlich so, dass man mit wortgeschichtlichen Zusammenhängen außer Wortgeschichtlichem kaum etwas beweisen kann!)

5 Kommentare

  1. Tom S. Fox schreibt:

    August 6, 2015 um 20:04

    “Es geht auf ein germanischen Verb zurück …”

    Sicherlich meinen Sie doch “auf ein germanischeS Verb”.

  2. Dr. Bopp schreibt:

    August 6, 2015 um 20:51

    Aber gewiss doch. Ist korrigiert. Danke für den Hinweis.

  3. Blogspektrogramm 33/2015 – Sprachlog schreibt:

    August 9, 2015 um 11:09

    […] BOPP stellt sich die Frage, woher eigentlich das Wort Spion stammt, und entdeckt, dass bei seiner Entstehung wohl Wortspionage im Spiel war: »Weil das Auspionieren […]

  4. Shhhhh schreibt:

    August 10, 2015 um 23:55

    Ich dachte eher an spectare, aber das liegt dem ganzen wahrscheinlich zugrunde.

  5. Dr. Bopp schreibt:

    August 11, 2015 um 11:13

    Das lateinische Verb spectare (anschauen, betrachten) hat tatsächlich etwas mit den oben genannten Wörtern zu tun. Es liegt dem Wort Spektakel zugrunde. Selbst ist es eine Intensivbildung zu specere-spectum (sehen). Den anderen im Artikel genannten Wörtern liegt es nicht zugrunde. Das Verb inspizieren kommt von inspicere (in+spicere = hineinschauen) und Retrospektion ist mit dem Partizip retrospectum von retrospicere (zurückschauen) verwandt. Und auch die Ahnen von Spion kommen nicht von spectare, sondern wie im Artikel gesagt von spiare. Siehe z. B. die etymologischen Angaben nach Pfeifer im DWDS.