Es geht auch ohne Bindestrich: webbasiert, gamesüchtig, userfreundlich

Eine Ihrer Lieblingsfragen betrifft den Bindestrich in Zusammensetzungen mit Fremdwörtern. Deshalb zum Wochenende wieder einmal eine Frage dieser Art:

Frage

Momentan stecke ich fest, und zwar bei der Schreibweise von „web-basiert“, „webbasiert“ oder „Web-basiert“. Ich würde die letzte Variante nehmen. Der Duden empfiehlt allerdings „webbasiert“, ohne alternative Schreibweise. Entsprechend müsste man doch aber auch z. B. „onlineaffin“, „internetsüchtig“, „softwarebasiert“ usw. schreiben? Das ist verwirrend.

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

es ist eigentlich ganz einfach: Zusammensetzungen mit einem Fremdwort werden gleich behandelt wie Zusammensetzungen mit nur deutschen Elementen. Das heißt also, dass hier wie bei heimischen Zusammensetzungen im Prinzip zusammengeschrieben wird. Nach der Rechtschreibregelung sind somit folgende Schreibungen korrekt:

webbasiert, softwarebasiert (wie netzbasiert, nutzerbasiert)
onlineaffin (wie chromaffin, kulturaffin)
gamesüchtig (wie drogensüchtig, alkoholsüchtig)
userfreundlich (wie nutzerfreundlich, kinderfreundlich)

Sie finden diese Schreibweise vielleicht deshalb verwirrend, weil bei solchen Zusammensetzungen unnötig oft der Bindestrich verwendet wird oder häufig sogar die nicht korrekte Getrenntschreibung anzutreffen ist.

Die Schreibung mit dem „verdeutlichenden“ Bindestrich ist – wie eigenlich immer – ebenfalls möglich, aber nicht notwendig und meiner Ansicht nach auch nicht empfehlenswert*:

Web-basiert (Netz-basiert, Nutzer-basiert)
online-affin (Chrom-affin, Kultur-affin)
Game-süchtig (Drogen-süchtig, Alkohol-süchtig)
User-freundlich (Nutzer-freundlich, Kinder-freundlich)

Siehe auch diesen älteren Blogbeitrag. Was dort steht, gilt auch für Zusammensetzungen mit einem Erstelement, das aus dem Englischen stammt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

*Anders sieht es bei Texten aus, die für Menschen mit Leseschwächen bestimmt sind.

 

2 Kommentare

  1. Sandra Götz schreibt:

    August 25, 2015 um 20:06

    Lieber Dr. Bopp,

    danke für diesen informativen Beitrag. Oft sieht man ja den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr – oder wie hier vor lauter Bindestrichen. Es ist aber auch wirklich ein Teufelskreis: Einer fängt mit dem Bindestrich an und die anderen denken sich, das mach ich jetzt auch.
    Danke, dass Sie bestätigen, dass im Deutschen die Zusammenschreibung noch immer den Vorrang hat. Auf weniger Bindestriche und mehr Mut zum Zusammenhang!

    Einen lieben Gruß
    Sandra Götz

  2. Rappelkopf schreibt:

    August 26, 2015 um 07:28

    @ Sandra Götz:

    Die Fußnote von Dr. Bopp bietet einen interessanten Hinweis. Zusammengesetzte Wörter sind eleganter, setzen aber gutes sinnerfassendes Lesen voraus. Bindestrichgetrennte Wörter sind umständlicher, aber leichter verständlich (siehe auch de.wikipedia.org/wiki/Leichte_Sprache). Ich richte mich in meiner Korrespondenz da nach zwei Kriterien:

    – Wer ist der Empfänger des Briefes/Mails,
    – Wird das Wort häufig oder selten verwendet.

    Wobei das eher unterbewusst abläuft. Ich versuche einfach, mich in die Lage des Empfängers zu versetzen.

    Gruß, Rappelkopf