Wegen dem, wegen dessen, dessentwegen

Seit längerer Zeit ist der Genitiv im Blog nicht mehr zum Zuge gekommen. Das heißt aber nicht, dass es keine Fragen mehr zu diesem Thema gäbe!

Frage

„Ich war völlig verwirrt wegen dem, was ich erlebt hatte.“ Wie baut man denn hier einen korrekten Genitiv ein?

Antwort

Sehr geehrte Frau W.,

wenn es denn unbedingt der Genitiv sein muss:

Ich war wegen dessen völlig verwirrt, was ich erlebt hatte.
Wegen dessen, was sie gesagt hat, …

Die Wortgruppe wegen dessen klingt für mich aber ziemlich ungewöhnlich oder forciert genitivisch (vgl. auch wegen wessen). Sie wird auch nicht von allen als standarsprachlich akzeptabel angesehen.

Man kann stattdessen das schöne Wort dessentwegen verwenden:

Ich war dessentwegen völlig verwirrt, was ich erlebt hatte.
Dessentwegen, was sie gesagt hat, …

Das klingt für mich allerdings ziemlich gehoben und passt nicht in meinen alltäglichen Sprachgebrauch. Ich finde es deshalb meistens besser, eine andere Formulierung zu verwenden. Zum Beispiel:

Ich war wegen der Dinge, die ich erlebt hatte, völlig verwirrt.
Ich war dadurch völlig verwirrt, was ich erlebt hatte.
Was ich erlebt hatte, verwirrte mich völlig.

Dadurch, was sie gesagt hat, …

Und zuletzt noch dieses „Geständnis“: In der gesprochenen Spontansprache verwende ich bedenkenlos und ungeniert wegen dem.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

2 Kommentare

  1. Tilly Dö schreibt:

    Oktober 1, 2015 um 16:27

    „Ich war völlig verwirrt aufgrund dessen, was ich erlebt hatte.“ — Klingt doch auch nicht schlecht, oder?

  2. Dr. Bopp schreibt:

    Oktober 5, 2015 um 08:21

    Tatsächlich auch keine schlechte Ausweichmöglichkeit – und sogar mit Genitiv.