Warum Marschrhythmus nicht konkurrenzfähig ist

Thema ist hier nicht, wie der Titel vielleicht vermuten lässt, ein Vergleich zwischen verschiedenen Musikstilen. Es geht um einen möglichen Kandidaten im Wettstreit um das Wort mit der höchsten Anzahl aufeinanderfolgender Konsonanten.

Feststellung

Bei Wörtern mit langer Konsonantenfolge ist das Wort Marschrhythmus durchaus konkurrenzfähig … Ich denke, dass Y sehr wohl ein Konsonant ist

Reaktion

Sehr geehrter Herr P.,

es ist nicht üblich, das y einfach als Konsonant zu bezeichnen. Es ist nämlich „nur“ eine Schreibvariante von j, i oder ü, die in Fremdwörtern vorkommt. Abhängig davon, wie das y ausgesprochen wird, gilt es wie i und ü als Vokal (zum Beispiel in Baby, Ägypten, Ypsilon) oder wie j als Halbvokal (zum Beispiel in Yoga, Youtube). Nur wenn man das j zu den Konsonanten rechnet, kann auch das y bei entsprechender Aussprache als ein solcher bezeichnet werden.

Das y in Marschrhythmus wird wie der Vokal ü ausgesprochen (von einigen auch wie i). Es zählt deshalb als Vokal. (Wenn dies nicht so wäre, hätte Marschrhythmus nach der üblichen Definition nur zwei statt drei Silben.) Das Wort Marschrhythmus ist somit mit seinen sechs aufeinanderfolgenden Konsonanten -rschrh- zwar eindrücklich, aber leider kein Kandidat für das Siegerpodest. Dort stehen Wörter wie Angstschrei und Borschtschschmand (siehe hier).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

4 Kommentare

  1. rolf schreibt:

    Oktober 30, 2015 um 10:30

    Nur mal so am Rande:

    Als mein Sohn in der Grundschule war, fragte er mich auch, ob das y ein Konsonant sei. Ich habe dann versucht, ihm zu erklären, dass es sich bei Konsonanten und Vokale um Laute, nicht um Buchstaben handelt. Im zweiten Schritt haben wir dann Wörter mit y gesucht und überlegt, für welchen Laut das y steht: Das war entweder ü oder i oder j. Da wir nur wenige Fälle für die Aussprache als j gefunden haben, haben wir also beschlossen, dass, wenn man unbedingt Buchstaben als Vokale oder Konsonanten bezeichnen will, das y ein Vokal ist.

    Die Lehrerin meinte, „hat Dir Vati wieder Unsinn erzählt“.

    (Das war dieselbe, die darauf bestand, dass es ein Jahr Null gab und dass die Aussprache Könich falsch sei. Zitat: „Dann machen das eben die Schauspieler und Nachrichtensprecher alle falsch“.)

  2. Christian schreibt:

    November 2, 2015 um 13:29

    zu 1.
    Die Aussprache Könich ist (zumindest im süddeutschen Sprachraum) hauptsächlich dem Rundfunk und Fernsehen geschuldet, und dient der besseren Hörbarkeit gegenüber dem -g-. Im täglichen Sprachgebrauch klingt es recht abgehoben und gekünstelt. Es gibt aber natürlich keine Vorschriften über die „korrekte“ Aussprache. Falsch oder richtig sind daher nicht die passenden Kategorien.

    Aber wenn der „Kini“ (König Ludwig II. von Bayern) von jemandem mit Könich Ludwig angesprochen worden wäre, hätte er sich wahrscheinlich wenig königlich geäußert, so meine Vermutung. 🙂

  3. rolf schreibt:

    November 4, 2015 um 14:42

    Die Aussprache „Könich“ klingt vielleicht für Sie, Christian, abgehoben und gekünstelt. Für mich ist sie völlich normal. Es ging mir auch nicht darum, dass sie „richtich“ sei, sondern lediglich darum, dass sie nicht „falsch“ ist.

    Bei uns ist es umgekehrt, wie im Süden: Hier ist die Aussprache „Könik“ vor allem dem Schriftbild geschuldet. Im regionalen Hochdeutsch heißt es tendentiell eher Könich, wenich, Fluchzeuch und Sonntachnachmittach.

  4. Christian schreibt:

    Dezember 21, 2015 um 22:38

    @ rolf
    Ist ja kein Problem, da wir uns ja trotzdem verstehen (hoffe ich zumindest *g*).
    Wir sagen halt König und wenig und wolkig usw. Drum meinte ich, dass es „bei uns“ eben etwas ungewöhnlich klingt. Die Tschechen schreiben z.B. Salcburk und Hamburk, weils halt eher der tschechischen Aussprache entspricht.

    Im Norden sagt man ja auch Keesä und bei uns Kaaas – aber schmecken tut er gleich gut, selbst wenn er „Käse“ geschrieben wird.

    Liebe Grüße aus Tirol
    Rappelkopf